Der Bau der Entsalzungsanlage nahe des Strandes Rocha Baixinha bei Albufeira hat offiziell begonnen. Das teilte der regionale Wasserversorger Águas do Algarve in der vergangenen Woche mit. Das Projekt stößt jedoch auf erheblichen Widerstand seitens lokaler Behörden, Fischerverbände und Umweltinitiativen – und ist inzwischen erneut Gegenstand eines Eilverfahrens vor Gericht.
Bereits im April hatte Umweltministerin Maria da Graça Carvalho den Start der Bauarbeiten angekündigt und Bevölkerung sowie Interessengruppen dazu aufgerufen, das Vorhaben nicht durch einstweilige Verfügungen oder Gerichtsprozesse zu verzögern. Eine Verzögerung gefährde die Wasserversorgung und die Entwicklung der Algarve, betonte die Ministerin.
Kommunalpolitik gegen das Projekt
Der Bürgermeister von Albufeira, Rui Cristina, lehnt das Projekt entschieden ab. Die Anlage sei ein „politischer, ökologischer und territorialer Fehler“. Zwar hatte er sich 2023 als PSD-Abgeordneter noch grundsätzlich für die Entsalzung ausgesprochen – allerdings nur als „letztes Mittel“, nachdem Alternativen wie neue Stauseen oder Rückhaltebecken geprüft worden seien.
Heute sieht der Bürgermeister, der mittlerweile der Partei Chega angehört, Versäumnisse in der Planung und fordert eine Neubewertung des Projekts. Nach den jüngsten Niederschlägen bestehe kein akuter Notstand mehr, weshalb eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Analyse sowie eine Überprüfung der Umweltauswirkungen notwendig seien. Das Projekt weise technische Schwächen auf und sei nicht ausreichend ausgereift.
Gericht stoppt Bau vorerst
Trotz der politischen Unterstützung durch die Regierung wurde der Baustart wenige Tage später erneut gestoppt. Laut der Plattform Água Sustentável hat das Unternehmen Seacliff, Eigentümer der für das Projekt enteigneten Grundstücke, am 26. April eine einstweilige Verfügung eingereicht. Diese führte unmittelbar zur Aussetzung der Bauarbeiten.
Die Plattform kritisiert mangelnde Transparenz und Koordination im Verfahren. Die Klage sei ein weiterer Beleg für Defizite im Projektmanagement.
Umweltbedenken und wirtschaftliche Folgen
Kritiker warnen vor erheblichen Eingriffen in das marine Ökosystem. Die Anlage könne zur Zerstörung von Lebensräumen und zum Verlust von Biodiversität führen. Dies hätte auch wirtschaftliche Konsequenzen für zentrale Sektoren der Region wie Tourismus und Fischerei.
Nach Angaben der Kritiker würde die Anlage lediglich rund 6 % des regionalen Wasserverbrauchs decken – bei Investitionskosten von etwa 108 Mio. Euro, finanziert über den portugiesischen Wiederaufbauplan PRR. Dies stehe in keinem angemessenen Verhältnis zu den möglichen Umweltschäden.
Offene technische Fragen
Ein zentraler Streitpunkt ist die Einleitung der hochkonzentrierten Salzlauge ins Meer. Laut Rui Cristina bestehen Zweifel an der geplanten Länge des Einleitungsrohrs sowie an der vorgesehenen Tiefe von 7,9 Metern. Diese liege unterhalb der sogenannten „Schließtiefe“ (8 bis 10 Meter), bis zu der Meeresböden durch Wellenbewegungen beeinflusst werden können.
Auch alternative Verfahren zur Behandlung der Salzlauge sowie mögliche Ablagerungen an Stränden (u. a. Rocha Baixinha und Falésia) werden laut Kritikern nicht ausreichend berücksichtigt. Selbst die Umweltverträglichkeitsprüfung weise auf Risiken hin, ohne konkrete Gegenmaßnahmen vorzusehen.
Proteste von Fischern und Bevölkerung
Am 25. April kam es zu Protesten gegen das Projekt. Mehr als 100 Menschen beteiligten sich an einer Menschenkette und einer Demonstration am Strand Rocha Baixinha. Zudem nahmen 18 Fischerboote an einer Protestfahrt entlang der Küste teil.
Organisiert wurden die Aktionen von lokalen Fischerverbänden. Diese kritisieren insbesondere die unzureichende Einbindung der Bevölkerung in den Entscheidungsprozess. Viele Bürger hätten erst nach der politischen Entscheidung detaillierte Informationen erhalten.
Die Demonstranten fordern zusätzliche Studien und eine Aussetzung der Bauarbeiten, bis laufende Konsultationsverfahren abgeschlossen sind.
Forderung nach Alternativen
Bürgermeister Rui Cristina betont, er sei nicht grundsätzlich gegen Entsalzungsanlagen, lehne jedoch deren Einsatz als erste Lösung ab. Vorrang müssten Maßnahmen wie Wassertransfers, der Bau von Stauseen, die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser sowie die Reduzierung von Leitungsverlusten haben.
Er fordert eine umfassende und fehlerfreie Umweltverträglichkeitsprüfung und warnt vor übereilten Entscheidungen in einer der „wertvollsten Küstenregionen der Welt“.

