Der Abschnitt Armação de Pêra – Praia Grande der Radroute Ecovia do Litoral im Kreis Silves wurde kürzlich mit der Fertigstellung der Brücke über die Ribeira de Alcantarilha eingeweiht. Ein lang erwartetes Bauwerk, das Einheimische und Touristen gleichermaßen begeistert
Text & Fotos: Anabela Gaspar
in ESA 07/2024
Der Holzsteg für die besagte Radroute, der hinter den Dünen des Praia dos Salgados parallel zum Strand verläuft und auch viele Spaziergänger anzieht, wurde Ende 2023 fertiggestellt. Allerdings musste man kurz vor Armação de Pêra bei der Ribeira de Alcantarilha umkehren, da plötzlich der Weg „ausging“. Das ist jetzt Geschichte. Die Brücke über die Mündung steht und lädt zu einem knapp 2,5 km langen Spaziergang entlang beeindruckender Dünen, eines der letzten unbebauten Küstenabschnitte und eines der bedeutendsten Feuchtgebiete der Algarve ein. Naturfreunde haben somit die Möglichkeit, der Skyline von Armação den Rücken zu kehren und die fast noch unberührte Natur zu genießen. Der Kontrast ist stark: Neben einem der dichtbebautesten Orte der Algarve erstreckt sich ein etwa 400 ha großes Areal zwischen der Ribeira de Alcantarilha im Westen und der Ribeira de Espiche im Osten, den Graudünen im Süden und der Landstraße M 526 im Norden. Hier befinden sich die beiden Feuchtgebiete Lagoa dos Salgados und das Wattgebiet von Alcantarilha sowie eine weitläufige Agrarfläche. Für dieses Gebiet ist seit über zehn Jahren ein touristisches Bauprojekt mit Hotels, Apartments und Golfplatz geplant, doch die Regierung möchte es zum Naturreservat ausweisen.
Einige Menschen sind der Ansicht, dass die Algarve-Gemeinden es mit dem Anlegen von Holzstegen entlang der Küste und im Hinterland übertreiben. Fakt ist aber, dass diese, sobald sie fertiggestellt sind, von Hunderten von Menschen aufgesucht werden. Selbst wenn sie dort errichtet werden, wo bereits Wege bestehen, wie es in diesem Feuchtgebiet der Fall ist, bevölkern Jogger, Radfahrer, Hundehalter und Spaziergänger den Steg gleichermaßen. Für Rollstuhlfahrer und Familien mit Kinderwagen ist der Spaziergang so auf jeden Fall sicherer und komfortabler. Kinder können den Weg mit Rollern oder Fahrrädern zurücklegen.

Die ersten Meter nach der Brücke hat man über die Dünen hinweg noch den Atlantik im Blick und spürt seine frische Brise. Dann werden sie immer imposanter und verdecken die Sicht. Diese festliegenden Küstendünen mit krautiger Vegetation, sogenannte Graudünen, sind Lebens- und Nahrungsraum verschiedener Arten und einzigartig in der Algarve. Selbst in der östlichen Sandalgarve findet man solch imposante Dünen nicht. Hier kommen endemische Pflanzen wie die Linaria Algarviana vor, eine Pflanze der Familie der Braunwurzgewächse, die nur in der Westalgarve vorkommt, auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN aufgeführt ist und in Portugal unter Schutz steht. Sie ist einer der Gründe, weshalb die Regierung das Gebiet als Naturreservat ausweisen möchte. Links und rechts vom Steg stehen vereinzelte Feigenbäume, hier und da Schilfrohr, Mastix- und Brautschleiersträucher. Dazwischen entdeckt man leider immer noch das eine oder andere Auto am Wegesrand. Die Zufahrt ist mit der Errichtung des Steges zwar erschwert und wurde verboten, aber nicht jeder hält sich daran, da das das Gebiet seit Langem den Ruf als Treffpunkt für „flüchtige Stelldicheins“ hat. Nun dürfte es hoffentlich komplizierter werden, denn der Steg ist so stark besucht, dass sich wohl kaum noch ruhige Ecken finden lassen werden. Ob das eines der Ziele der Gemeinde war, mit dem Bau der Route solche Treffen zu verhindern, wissen wir nicht, aber es scheint zu funktionieren.
Kurz nach dem Parkplatz des Praia Grande mit Zugang zum Strand öffnet sich der Blick über die Lagoa dos Salgados, ein bedeutendes Feuchtgebiet, das jährlich Tausende Vogelbeobachter anzieht. Die Lagune ist Lebensraum für viele Vogelarten, darunter 39 Spezies, die nach der EU-Vogelschutzrichtlinie als besonders gefährdet oder schutzwürdig eingestuft sind. BirdLife International hat dieses Gebiet als Important Bird Area anerkannt.
Nach knapp 2,5 km endet der Steg an der kleinen Holzbrücke über die Ribeira de Espiche am Parkplatz des Praia dos Salgados. Hier hat man wieder das weite Blau des Atlantiks vor Augen und kann sich im Meer erfrischen, bevor man sich, z. B. am Strand entlang, wieder auf den Rückweg macht.
Im Sommer sollte dieser Spaziergang bei Morgen- oder Abendrot unternommen werden, wenn die Temperaturen angenehmer sind.
ist Teil des Programms Polis aus dem Jahr 2000, dessen Ziel darin bestand, die Lebensqualität in städtischen Gebieten durch Interventionen an zwei Fronten zu verbessern: im städtebaulichen Bereich und im Umweltbereich. Zudem ist die Radstrecke Teil der Atlantikküstenstrecke EuroVelo1, die von Skandinavien bis Portugal führt. Obwohl seit über zehn Jahren auf sämtlichen Webseiten, die die Ecovia bewerben (u.a. visitalgarve.pt od. euroveloportugal.com) die regionalen Behörden angeben, verstärkt auf Radtourismus zu setzen und 2017 – im Rahmen des Beitritts zum internationalen Projekt „Atlantic on Bike“ – der regionale Städtetag AMAL eine Investition von € 2 Mio. ankündigte, um die Route fertigzustellen, – ist sie immer noch nicht abgeschlossen. Hinzu kommt, dass der Verlauf der Strecke von Radfahrern stark kritisiert wird, da man an manchen Stellen gezwungen wird, auf die stark befahrene EN 125 auszuweichen.

