Das größte Silberfischchen Europas, Asiens und Nordafrikas lebt ausschließlich in Höhlen der Algarve und ist durch Gefahren für seinen unterirdischen Lebensraum im Barrocal-Gebiet vom Aussterben bedroht. Darauf weist die Biologin Ana Sofia Reboleira hin, die die Art untersucht hat.
Die Spezies mit dem wissenschaftlichen Namen Squamatinia algharbica gilt als biologische Reliktform. Ihr genetisches Material wurde von einem Forschungsteam der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Lissabon sequenziert. Die Analyse bestätigte, dass das Tier keine nahen Verwandten besitzt und innerhalb seiner Familie eine isolierte Stellung einnimmt, was seinen hohen naturschutzfachlichen Wert unterstreicht.
Die Art wurde 2008 entdeckt und 2012 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Zunächst galt sie als endemisch für vier Höhlen im Barrocal Algarvio, doch neue Daten zeigen, dass sie in insgesamt acht Höhlen zwischen Portimão und Tavira vorkommt.
Mit einer Körperlänge von bis zu 26,4 Millimetern zeigt das Tier einen ausgeprägten Gigantismus und ist deutlich größer als seine nächsten Verwandten. Damit gilt es als größtes an Höhlen angepasstes Landinsekt Europas und als größtes Silberfischchen der paläarktischen Region, die Europa, Asien und Nordafrika umfasst. Das Insekt ist vollständig an das Leben im Untergrund angepasst: Es besitzt keine Augen und keine Pigmentierung, verfügt jedoch über zahlreiche hochentwickelte Sinnesorgane wie Härchen und Poren. Außerdem weist es stark verlängerte Anhänge – Beine, Fühler und Cerci – sowie einen Körper auf, der vollständig mit Schuppen bedeckt ist.
Heute überlebt die Art ausschließlich in unterirdischen Lebensräumen im Barrocal Algarvio. Dieses Gebiet ist jedoch zunehmenden Belastungen ausgesetzt, darunter Verschmutzung, Übernutzung des Grundwassers, Veränderungen der Landnutzung an der Oberfläche, Urbanisierung, intensive Landwirtschaft und zunehmende Trockenheit. Aufgrund dieser Bedrohungen wurde die Art in der Roten Liste der Wirbellosen Portugals als vom Aussterben bedroht eingestuft.
Eine Studie unter der Leitung von Sofia Reboleira und Octávio Paulo, die im Fachjournal Biodiversity Data Journal veröffentlicht wurde, untersucht umfassend die Risiken für das Überleben der Art. Ihr Fortbestand hängt vollständig vom Schutz ihres unterirdischen Lebensraums ab, wobei Eingriffe an der Oberfläche direkte Auswirkungen auf das Höhlensystem haben.
Obwohl über Fortpflanzung und Lebensdauer dieser Tiere noch wenig bekannt ist, erfüllen Silberfischchen eine wichtige ökologische Funktion: Sie nehmen eine relativ basale Position in der Nahrungskette anderer endemischer Arten ein und tragen durch den Abbau organischer Substanz wesentlich zu biogeochemischen Kreisläufen bei. Ohne sie könnten stabile und hochwertige Ökosysteme nicht bestehen.
Der Schutz dieser Art kann zugleich als „Schirm“ für zahlreiche andere Höhlenorganismen dienen, von denen viele ebenfalls endemisch sind. Die Erhaltung von Squamatinia algharbica gilt daher als entscheidend für den Schutz der gesamten unterirdischen Fauna der Algarve, die ein einzigartiges portugiesisches Naturerbe darstellt.
Die Höhle Vale Telheiro in Loulé, in der die Art 2008 entdeckt wurde, wurde im Januar zum lokalen Naturdenkmal erklärt und unter Schutz gestellt. Dies sei ein wichtiger Schritt, betont Reboleira, betreffe jedoch bislang nur einen Standort. Um die Art langfristig zu erhalten, seien umfassendere öffentliche Maßnahmen erforderlich, die auch die übrigen Höhlen einschließen.

