Ein wissenschaftlicher Durchbruch am Gulbenkian Institute of Molecular Medicine (GIMM) in Lissabon könnte die Krebstherapie revolutionieren. Grundlage ist eine Entdeckung des Forschungsteams um Claus Azzalin, die zeigt, dass das Enzym FANCM für das Überleben bestimmter Krebszellen unerlässlich ist. Diese Zellen nutzen den sogenannten ALT-Mechanismus (alternative Telomerverlängerung), der bei bis zu 15 % aller Krebserkrankungen vorkommt.
Auf Basis dieser Erkenntnis wurde die Biotech-Firma Tessellate Bio gegründet. Das niederländisch-britische Start-up hat nun eine weltweite Lizenzvereinbarung mit dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim geschlossen. Ziel ist die Entwicklung innovativer, oral einnehmbarer Therapien gegen ALT-positive Tumore.
Das Abkommen umfasst Forschungsfinanzierung, Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen in Höhe von bis zu € 500 Mio. Die Therapie basiert auf dem Prinzip der synthetischen Letalität – sie tötet gezielt Krebszellen, während gesunde Zellen verschont bleiben. „Das ist echte Innovation, die mit wissenschaftlicher Neugier beginnt“, sagt GIMM-Direktorin Maria Manuel Mota.

