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You are at:Home»Leben & Kultur»Freizeit»Die Heilige Quelle bei Fornalha
Freizeit

Die Heilige Quelle bei Fornalha

By agasparDo. 12. Februar 2015Updated:Do. 12. Februar 20157 Mins Read

Entlang der Straße M1073 nach Alfrede gerät man oft ins Staunen. Immer wieder bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf die umliegenden Hügel und den Odelouca-Stausee. Doch das wahre Geheimnis dieser Gegend liegt versteckt im Tal

Wir treffen uns mit Reinaldo Alves von dem Wanderunternehmen Monichque Passeios na Serra. Anfang letzten Jahres führte er uns zum Wasserfall Cascata do Barbelote nahe dem Fóia-Gipfel, heute will er uns zur Fonte Santa führen, dem Quellgebiet von Fornalha, und deren Tal zeigen. Er nennt es Vale Encantado, das Verzauberte Tal. Ob es verzaubert ist, weiß ich nicht, aber es ist auf jeden Fall bezaubernd! Start der Wanderung ist an der Straße M1073 (bei Rasmalho rechts Richtung Alferce abbiegen) kurz vor der Kreuzung nach Caldas de Monchique und Fornalha. Am kleinen Haus rechts von der Straße führt uns ein Trampelpfad ins Tal. Macchia, Eukalyptusbäume und Korkeichen bestimmen die Landschaft. Derzeit aber auch tausende Blumen. Gleich am Straßenrand sind wir von der Blumenvielfalt beeindruckt. Sie duften herrlich und blühen in allen Farben. Von stark rosa über gelb und weiß bis hin zu lila. Einfach unglaublich, wie farbenfroh Mutter Natur ist. An dieser Stelle muss jedoch erklärt werden, dass wir die Wanderungen immer im Vormonat des Erscheinens der Ausgabe unternehmen. D.h., dass sich, bis das Heft am Kiosk ist, einiges verändert haben kann: Blumen, die nicht mehr blühen, Früchte, die mittlerweile schon reif sind oder geerntet wurden, Bäche, die ausgetrocknet sind oder wegen kürzlich erfolgter Regenfälle nicht überquert werden können. Letzteres wird zu dieser Jahreszeit wohl nicht der Fall sein, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass man Mitte Juni nicht mehr die hier beschriebene Blumenpracht vorfindet. Was auch nicht weiter schlimm ist, weil allein die Landschaft wunderschön ist und das Ziel dieser Wanderung das Quellgebiet im Tal ist. Zuerst müssen wir jedoch zirka 2,5 km den Hügel hinabsteigen. ,Entlang der ersten hundert Meter stehen kräftige Korkeichen und hier und da Medronheiros am Wegesrand. Dann eröffnet sich uns ein Blick auf endlose Hügel und auf den in der Sonne schimmernden Odelouca-Stausee. Richtung Süden sieht man Portimão, Alvor und das Meer. Der Weg führt nun hinab. Immer wieder entdecken wir am Wegesrand kleine, zierliche, perfekte Blumen, deren Namen wir nicht alle nennen können. Gelbe Blumenteppiche erstrecken sich auf den umliegenden Hügeln. Die Lackzistrosen und der Lavendel blühen noch. Nahe dem Tal wird der Weg immer schmaler und steiler. Schließlich kommen wir zu einem kleinen Wasserlauf, über dem eine alte Holztür als Brücke liegt. Davor ist ein alter Backofen, und rechts liegt eine Ruine, die einst den Eseln der Reisenden als Stall diente. Denn hier waren in der Vergangenheit viele Menschen unterwegs, die zu den Thermen der Fonte Santa, der Heiligen Quelle, kamen. Am Backofen vorbei kommen wir zu den Ruinen der ehemaligen Unterkünfte der Gäste. Laut eines Berichts auf einer Webseite über Portugals (angeblich) heilende Quellen sollen einige der Häuser im Jahr 2002 noch bewohnbar gewesen sein. Heute ist dies leider nicht mehr der Fall. Vor dem letzten dieser Häuser entspringt am rechten Wegesrand eine kleine Quelle, die Lebererkrankungen heilen soll und daher Fonte do Fígado (Leberquelle) genannt wird. Einige Meter weiter vorne liegen die Badehäuser der Fonte Santa. Diese beiden Gebäude sind zwar in besserem Zustand als die der Unterkünfte und scheinen auch keine Einsturzgefahr zu bergen, aber gepflegt sind sie auch nicht. Im ersten Haus sind zwei Becken, im zweiten ein (ehemaliger) Warteraum und ein weiteres Becken. Das Wasser der Quelle entspringt unter dem Haus mit angenehmen 27 Grad und soll Rheumatismus und Hautprobleme heilen. Oft wird erzählt, dass die Könige D. Sancho II. (13. Jhdt.) und D. João I. (14. Jhdt.) die Thermen besuchten. Doch die erste schriftliche Unterlage, die die Entdeckung der Quellen dokumentiert, stammt aus 1788. Beleg dafür, dass die Quellen noch heute von den Bewohnern aufgesucht werden, war allem voran ein nasser und nur in roten Unterhosen bekleideter Mann, der uns entgegen kam. Weitere Beweise sind der neue, blaue Anstrich an den Wänden im rechten Badehaus (Bilder aus 2002 zeigen den Raum komplett weiß) und die vielen Inschriften. Reinaldo selbst nutzt auch jede Gelegenheit, um „seine Knochen etwas zu verjüngen“. 2012 erwarb das Rathaus von Monchique die Ruinen und die Grundstücke der Thermen. Bürgermeister Rui André hob damals die heilende Kraft der Quellen hervor und meinte, dass sie ein großes touristisches Potential böten. Renovierungen wurde jedoch keine durchgeführt. Ende April wurde lediglich der Pfad zum Tal etwas gesäubert, da die Gemeinde am 1. Mai einen Ausflug zu den Quellen organisierte. Nebenbei sollte kurz erwähnt werden, dass auch Geocaching-Anhänger hier fündig werden, denn am Hang gegenüber dem Badehaus befindet sich ein Cache. Zurück am Backofen und über die improvisierte Brücke gehen wir nun gen Süden am rechten Ufer des kleinen Wasserlaufes entlang. Kurz darauf wechselt die Flora fast schlagartig. Nun befinden wir uns in der für Monchique typischen Szenerie von üppiger Vegetation, in der die Bäume sich gen Himmel strecken und lediglich einige Sonnenstrahlen durch ihre Äste lassen. Hier, inmitten des wuchernden Grüns, befindet sich an einem kleinen Wasserfall die Fonte das Chagas (Quelle der Wunden). Das Wasser der Quelle, das aus einem grauen Plastikrohr rechts vom Wasserfall fließt, ist reich an Schwefelwasserstoff und soll zu einer schnellen Heilung von Wunden und Hauterkrankungen beitragen. Es gibt sogar mehrere schriftliche Berichte aus dem 19. Jhdt., die die Heilkraft dieses Wassers bestätigen. Einer davon erzählt von einem kleinen Mädchen mit Wunden an den Beinen, die nach vier Bädern geheilt waren. An Ort und Stelle überprüfen kann ich es nicht, weil ich weder eine Wunde habe noch unter Hauterkrankungen leide. Aber ich fülle eine Wasserflasche auf. Meine siebenjährige Tochter wird sich bestimmt mal wieder irgendwo aufschlagen und schaden wird das Wasser ihr bestimmt nicht. Kurz darauf verlassen wir das Dickicht und folgen einige Meter einem schmalen Pfad. Links davon erkennt man an den dicht wachsenden, großen Bäumen den Verlauf des kleinen Flusses, rechts von uns einen mit der typischen Macchia bewachsenen Hang. Über uns der blaue Himmel und die bereits zu dieser Jahreszeit glühende Sonne. Lange müssen wir uns jedoch nicht nach dem kühlen Schatten der Bäume sehnen, denn kurz darauf tauchen wir erneut in eine Welt mit üppiger Vegetation ein und noch dazu mit strömendem Wasser. Fast können wir unseren Augen nicht trauen. Wer hätte gedacht, dass hier solch eine Oase liegt? Wir genießen die Frische und lauschen dem Plätschern des Wassers und dem Gesang der Vögel, atmen tief die Düfte ein. Leider ist nicht alles so perfekt wie es aussieht… Als wir zu einer tieferen Stelle der Ribeira de Monchique kommen und ich mir eine kleine Erfrischung gönnen möchte, rät Reinaldo mir davon ab. Das Wasser soll wegen einer Schweinezucht nahe Alferce, die ihre Abwasser in den Fluss leitet, verseucht sein. Ich frage mich, wie so was heutzutage noch vorkommen kann und wieso die Behörden, wenn die Situation scheinbar allen bekannt ist, nichts dagegen unternimmt. Doch Aufregen nützt nun gar nichts. Fakt ist, dass man hier lieber nicht badet, also gehen wir weiter und genießen die Landschaft, die weitgehend unberührt ist. Einzige Ausnahmen stellen die drei von der Gemeinde erst vor kurzem gebauten Holzbrücken dar, die den Wanderern das Leben erleichtern. Bis vor kurzem musste man entweder durchs Wasser waten oder, auf einem Baumstamm balancierend, versuchen, trocken ans andere Ufer zu gelangen. Kurz danach kommen wir zu einer Lichtung und zur Straße, die zum Stausee von Odelouca führt. Einige Meter links von der Brücke fließen die Ribeira de Monchique und die Ribeira von Odelouca zusammen. Die Stelle ist ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel und dort soll das Wasser besser sein. Wir nehmen jedoch den Schotterweg rechts, an einem alten Hof vorbei. Zirka 3 km müssen wir nun bergauf zurück zum Auto gehen. Die ersten 2 km zwischen Eukalyptusbäumen, danach auf der Straße M1073. Dieser letzte Kilometer auf dem Asphalt bietet uns erneut einen wunderschönen Ausblick auf die Landschaft. Direkt am Wegesrand können wir zudem beeindruckende Schiefer-Felsformationen sehen, bevor wir zum Korkeichenwald kommen, in dessen Nähe wir das Auto abgestellt haben. Erschöpft aber zufrieden sitzen wir kurz darauf am Picknickplatz in Alferce und genießen leckeren Schinken, Bauernbrot, Wein, den traditionellen Maikuchen Bolo de Tacho und natürlich Medronho und Melosa. Alles aus Monchique, denn wie heißt es so schön? „In Rom sei römisch“. Und dies fällt hier auch wirklich nicht schwer!

Anabela Gaspar

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