Portugal und Spanien nahmen eine neue grenzüberschreitende Stromverbindung zwischen dem Minho und Galicien offiziell in Betrieb. Die neue Hochspannungsleitung soll den Austausch von Elektrizität zwischen beiden Ländern deutlich verbessern, die Integration erneuerbarer Energien erleichtern und die Stabilität des iberischen Stromnetzes erhöhen. Auf portugiesischer Seite beläuft sich die Investition auf rund € 70 Mio. Das Projekt wird von dem portugiesischen Netzbetreiber REN und der spanischen Red Eléctrica umgesetzt. Die Verbindung ist Teil eines neuen Stromkorridors zwischen dem Großraum Porto und Galicien. Sie verbindet die Umspannwerke Ponte de Lima und Vila Nova de Famalicão in Portugal mit Fontefría und Beariz in Spanien.
Die neue Infrastruktur umfasst eine rund 90 km lange 400-Kilovolt-Doppelleitung, von der 72 km auf portugiesischem und 18 km auf spanischem Gebiet verlaufen. In einer ersten Ausbaustufe wird die grenzüberschreitende Strecke zwischen Fontefría und Ponte de Lima zunächst mit einem Stromkreis betrieben.
Mit der Inbetriebnahme steigt die kommerzielle Übertragungskapazität zwischen Portugal und Spanien dauerhaft auf mindestens 3.000 Megawatt in beide Richtungen. Das entspricht den gemeinsamen Zielen des Iberischen Strommarktes (MIBEL) sowie den Vorgaben der EU für den Ausbau grenzüberschreitender Stromverbindungen. Die neue Leitung soll Engpässe im Stromnetz reduzieren und den Transport von Strom aus Wind- und Solaranlagen erleichtern. Dadurch kann erneuerbare Energie effizienter genutzt werden, anstatt bei Netzüberlastungen abgeregelt werden zu müssen.
Besondere Bedeutung erhält das Projekt vor dem Hintergrund des großflächigen Stromausfalls vom 28. April 2025, der sowohl Portugal als auch Spanien betroffen hatte. Das Ereignis hatte die Diskussion über widerstandsfähigere und besser vernetzte Stromsysteme deutlich verstärkt.
Nach Berechnungen der REN könnte die neue Verbindung bis zum Jahr 2030 – abhängig von der Entwicklung des europäischen Strommarktes – die variablen Kosten der Stromerzeugung jährlich um € 4 Mio. bis € 29 Mio. senken. Gleichzeitig könnten zwischen 38 und 464 Gigawattstunden erneuerbarer Energie pro Jahr zusätzlich genutzt werden, die bislang aufgrund von Netzengpässen verloren gingen.

