Fast sechs Jahre nach der umstrittenen Großjagd auf dem Landgut Torre Bela in Azambuja (Distrikt Lissabon) hat die portugiesische Staatsanwaltschaft die strafrechtlichen Ermittlungen eingestellt. Bei der Jagd im Dezember 2020 waren nach damaligen Berichten rund 540 Hirsche und Wildschweine von überwiegend spanischen Jägern erlegt worden – was landesweit für Empörung sorgte.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnte kein Straftatbestand gegen den Naturschutz festgestellt werden. Zur Begründung heißt es, bei den getöteten Tieren habe es sich nicht um geschützte Arten gehandelt. Zudem seien nach rechtlicher Bewertung keine Tiere „in erheblicher Zahl“ getötet worden. Der zuständige Staatsanwalt geht von 416 erlegten Tieren aus; etwa 100 bis 120 Tiere hätten überlebt.
Die Ermittlungen konnten zudem nicht vollständig abgeschlossen werden, da die spanischen Behörden einen der Hauptverantwortlichen, den Jagdveranstalter Mariano Morales vom Unternehmen Monteros de la Cabra, nicht vernahmen.
Ganz ohne Folgen blieb der Fall jedoch nicht: Das Institut für Natur- und Waldschutz (ICNF) verhängte im vergangenen Jahr gegen die Eigentümer des Landguts Torre Bela ein Bußgeld von 3.000 Euro – obwohl die Jagd Einnahmen von rund 13.000 Euro eingebracht haben soll. Zudem wurde die Jagdlizenz des Reviers nach dem Vorfall vorübergehend ausgesetzt.
Das Landgut selbst wies bereits im Dezember 2020 jede Verantwortung zurück. Die Betreiber verurteilten den aus ihrer Sicht „illegitimen“ Ablauf der Jagd auf ihrem Gelände und reichten bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen das Unternehmen Monteros de la Cabra, dessen Verantwortlichen Mariano Morales sowie gegen Unbekannt ein.
Der Fall löste 2020 eine Debatte über die portugiesischen Jagdvorschriften aus. Der damalige Umweltminister João Pedro Matos Fernandes stellte daraufhin eine Überarbeitung des Jagdgesetzes in Aussicht.
Zudem brachten Umweltverbände damals die von ihnen als „Massaker“ bezeichnete Großjagd mit den geplanten Photovoltaikprojekten auf dem Gelände von Torre Bela in Verbindung. Sie vermuteten, die Jagd habe dazu gedient, die vorhandenen Wildtierbestände zu beseitigen und damit den Bau der Solaranlage zu erleichtern. Die Projektentwickler wiesen diesen Zusammenhang entschieden zurück.
Seit Juni 2025 ist auf dem Gelände der bislang größte Solarpark Portugals in Betrieb. Die Anlage besteht aus zwei Solarkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 272 Megawatt. Mehr als 600.000 Photovoltaikmodule verteilen sich auf knapp 400 Hektar und sind durch Grünkorridore voneinander getrennt. Investor ist das französische Unternehmen Neoen. Das Projekt basiert auf Lizenzen aus Portugals erster Auktion für Solarstromkapazitäten im Jahr 2019.

