Die schweren Waldbrände, die im August große Teile Portugals und Spaniens verwüstet haben, wirken sich nicht nur regional aus – sie bedrohen laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die Luftqualität in ganz Europa. Das erklärte Lorenzo Labrador, leitender Wissenschaftler der UN-Klimaagentur, bei der Vorstellung des aktuellen WMO-Luftqualitätsberichts. Die Brände, die bis zu 1 % der iberischen Halbinsel betroffen haben, setzen enorme Mengen an Schadstoffen frei – insbesondere Feinstaubpartikel mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser (PM2,5), die als besonders gesundheitsschädlich gelten. Diese winzigen Partikel gelangen mühelos in die Lunge und sind mit Krankheiten wie Asthma und Herz-Kreislauf-Leiden verbunden.
„Die Emissionen überschreiten Landesgrenzen und können die Luftqualität auch in weiter entfernten Regionen Europas beeinträchtigen“, warnte Labrador. Bereits im Vorjahr hatten Waldbrände in Kanada über den Atlantik hinweg Smog bis nach Europa getragen. Der WMO-Bericht zeigt, dass die PM2,5-Belastung weltweit in Regionen mit häufigen Waldbränden – etwa in Südamerika, Kanada, Sibirien und Zentralafrika – gestiegen ist. In Ostchina hingegen sank die Belastung dank konsequenter Maßnahmen zur Luftreinhaltung, was zu weniger Atemwegserkrankungen und Todesfällen führte.
Ein überraschender Effekt: Die Reduktion von Schwefel-Aerosolen, die früher die Sonnenstrahlung reflektierten, hat laut WMO zu einem leichten Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 0,04°C beigetragen – ein unbeabsichtigter Nebeneffekt der Luftreinhaltung. Die WMO warnt zudem vor zunehmenden Smog-Episoden, besonders im überbevölkerten Norden Indiens. Diese seien kein saisonales Phänomen, sondern Folge steigender Emissionen durch menschliches Handeln.

