Das Interpretationszentrum der Rettungsstation von Alvor wurde im Rahmen des European Museum of the Year Award (EMYA) mit dem Silletto-Preis ausgezeichnet. Dieser wird an Museen verliehen, die in den letzten vier Jahren eröffnet wurden und sich durch eine Einbindung der lokalen Gemeinschaft in die Planung und Umsetzung von Museums- und Kulturerbeprojekten auszeichnen. Die gleichnamige Stiftung, die den Preis vergibt, würdigt insbesondere Einrichtungen, die enge, nachhaltige und partnerschaftliche Beziehungen mit ihrer Umgebung pflegen – Orte, die als identitätsstiftende Ankerpunkte innerhalb der Gemeinschaft dienen.
Genau diesem Anspruch wird das Interpretationszentrum der Rettungsstation in Alvor gerecht: Es ist nicht nur ein Ausstellungsraum zu den traditionellen Fischereitechniken der Region, sondern auch ein lebendiger Ort der Begegnung, an dem Besucher aktiv eingebunden und lokale Traditionen gemeinsam mit der Bevölkerung gepflegt werden. Das Zentrum versteht sich als Spiegel des alltäglichen Lebens der Fischergemeinde von Alvor, mit dem Ziel, deren Geschichte, Identität und maritimes Erbe zu bewahren, zu würdigen und sichtbar zu machen.
Die Wurzeln des Projekts gehen zurück auf das Jahr 1983: Nach der Schließung der damaligen Rettungsstation versuchte die portugiesische Marine, das historische Rettungsboot nach Lissabon ins Marinemuseum zu überführen. Doch die Bevölkerung wehrte sich entschlossen: Sie schweißte die Tore der Station zu, zerstörte die Schienen, auf denen das Boot zum Wasser hinabgelassen wurde, und verhinderte so den Abtransport. Diese Widerstandsgeschichte wurde zum Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit zwischen dem Museum von Portimão und der Bevölkerung von Alvor, aus der schließlich das heutige Interpretationszentrum hervorging. Es versteht sich als Ort der kollektiven Erinnerung, an dem die Geschichte des Rettungsbootes „Alvor“ als Symbol für Schutz, Widerstandskraft und Solidarität der Fischer erzählt wird.
Ein weiteres Detail: Der Ausstellungsraum ist so ausgestattet, dass das Rettungsboot weiterhin auf Schienen ins Wasser gelassen werden kann – denn es handelt sich um ein lebendiges Museumsobjekt, das jedes Jahr bei der Prozession zu Ehren der Fischer eine zentrale Rolle spielt und dabei einen Teil des Weges über den Fluss zurücklegt.

