Das portugiesische Parlament hat eine Gesetzesänderung verabschiedet, die weitreichende Folgen haben soll: Vergewaltigungen werden nun als Offizialdelikt eingestuft. Das bedeutet, dass jetzt auch Anzeigen durch Außenstehende erstattet werden können.
Die Generaldebatte wurde mit großer Mehrheit angenommen, lediglich die Fraktionen der PS und PCP enthielten sich der Stimme. Letztere begründeten ihre Enthaltung mit der Sorge, dass das Mitspracherecht der Opfer vernachlässigt und diese entmündigt werden könnten.
Opferverbände schließen sich dieser Kritik an und fordern Rücksicht auf die Betroffenen, die durch das Verfahren unnötig belastet werden könnten. Es besteht die Gefahr, dass Opfer aus Angst vor unerwünschten Konsequenzen die benötigte Unterstützung nicht in Anspruch nehmen. Zudem wird eine umfassende Justizreform gefordert. Ein Gesetz, das die gesellschaftliche Verantwortung stärken soll, verliert an Wirksamkeit, wenn die Strafen weiterhin oft auf Bewährung hinauslaufen.
Eine Konkretisierung der Gesetzesänderung steht noch aus, wobei die angebrachten Kritikpunkte berücksichtigt werden sollen.

