Steinmännchen gefährden die Biodiversität

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Das Human-Wildlife Interactions Journal veröffentlichte einen Artikel von portugiesischen Wissenschaftlern des Centre for Ecology, Evolution and Environmental Changes – cE3c, in dem sie darauf aufmerksam machen, dass das Aufstellen von Steinmännchen den Lebensraum verschiedener bedrohter Tierarten verändert und somit die Biodiversität gefährdet. Insbesondere in Trockengebieten, wo diverse Spezies von den durch die Steine geschaffenen mikroklimatischen Bedingungen abhängig sind, stellen Steinmännchen eine Gefahr dar. Auf den Ilhas Selvagens, eine zu Madeira gehörende kleine unbewohnte Inselgruppe westlich der nordafrikanischen Atlantikküste, bieten die meisten handgroßen Steine einem oder mehreren Osga-das-Selvagens, eine endemische und vom Aussterben bedrohte Geckoart, Unterschlupf. „Isolierte Steine schaffen besondere Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen, die für mehrere Spezies wichtig sind, und die Anordnung der Steine beeinflusst die Dynamik zwischen Raubtieren und Beute oder zwischen Konkurrenten. Daher kann das Verschieben oder Entfernen dieser Steine ein Ungleichgewicht im Ökosystem verursachen“, erklärt Ricardo Rocha, Erstautor des genannten Artikels.
Auch auf der Ponta de São Lourenço auf Madeira, ein beliebtes Ausflugsziel, das Teil des Natura 2000 Netzes und des Naturparks von Madeira ist, haben sich diese Strukturen in den letzten Jahren vervielfacht. Das führte zu Bodenerosion und Zerstörung der Vegetation, darunter endemische und auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion aufgeführte Pflanzen, wie die Riccia-atlantica, oder das einzige einheimische Reptil, die Madeira-Eidechse (Teira dugesii), die die Steine als Zufluchtsort nutzt. Andere vom Aufstellen der Steinmännchen bedrohte endemische Tierarten sind die Inselspinne Hogna insularum oder die Holzspinne Misumena nigromaculata, sowie die São Lourenço-Schnecke (Amphorella tornatellina minor), eine Landmuschel, die nur auf der Ponta de São Lourenço vorkommt.
„Es gibt mehrere Arten, die auf diese Steine als Unterschlupf angewiesen sind, und deshalb -rufen wir alle dazu auf, vor allem in Naturschutzgebieten, keine Steine zu entfernen. Zudem sollte man nicht von den vorhandenen Pfaden abkommen. Versuchen Sie, Ihren Einfluss so gering wie möglich zu halten. Es ist nicht leicht, die Folgen vorherzusehen, die scheinbar harmlose Aktivitäten, wie das Aufstellen von Steinmännchen, auf empfindliche Gebiete haben können“, warnt Ricardo Rocha.

Foto:
Ponta de São Lourenço auf Madeira von Ricardo Rocha

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