Legenden werden zu Skulpturen

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Im Juni 2014 wurde im Rahmen der Renovierungsarbeiten in der Altstadt von Olhão der Caminho das Lendas (Weg der Legenden) 
eingeweiht. Er verbindet fünf Hauptplätze im historischen Kern der Stadt, die jeweils einer Legende gewidmet sind. Von Osten nach Westen: Lenda de Marim (Largo da Fábrica Velha), 
Lenda da Floripes (Praça Patrão Joaquim Lopes), Lenda do Mouro Encantado (Largo do Gaibéu), Lenda do Menino dos olhos grandes (Largo do Carolas), Lenda do Arraúl (Largo João da Carma). Die Legenden werden dabei durch Skulpturen dargestellt. Bislang gab es jedoch nur zwei Skulpturen: Das Bildnis der verzauberten Maurin Floripes, die in Vollmondnächten Fischer dazu verführen will, ihr ins Wasser zu folgen – nur so könnte Floripes sich vom Bann der Verzauberung befreien. Die andere Skulptur stellt den Jungen mit den großen Augen dar, der ständig weint. Doch wenn die Anwohner ihn tröstend auf den Schoß nehmen, wird er so schwer, dass sie ihn wieder absetzen müssen und er alleine und weinend stehen bleibt. Beide Skulpturen schuf der Bildhauer Leonel Moura.

Nun schenkte die Designerin Isa Fernandes der Stadt weitere Skulpturen, die die Legenden des verzauberten Mauren und von Marim darstellen. Die erste besagt, dass ein Junge namens Manuel Caleça, der mit seinen Freunden Fußball spielte, einen unbekannten Jungen zum Mitspielen einlud. Als Manuel ihm vorwarf, nicht gut Fußball zu spielen, bat der Junge Manuel ihm zu folgen. Durch eine magische Falltür gelangten sie in einen Palast voller Gold und anderer Reichtümer und der Junge eröffnete Manuel, dass er ein verzauberter Maure sei. Die beiden Jungen trafen sich noch öfter, bis Manuel seine Erstkommunion hatte. Danach sah Manuel den verzauberten Mauren nie wieder. Dank Isa Fernandes spielen die beiden Jungen und zwei weitere Freunde nun wieder gemeinsam Fußball auf dem Largo do Gaibéu.

Die andere Skulptur von Isa Fernandes zeigt die Gesichter von Alina und Abdalá, eine Prinzessin und ein Troubadour, deren Liebe vom König nicht akzeptiert wurde. Der König, dessen Land bei Marim sehr trocken war, sagte dem Troubadour, dass er Alina nur heiraten könne, wenn 
er es schaffe, in einer Nacht Wasser von einer 
13 Meilen entfernten Quelle bis zu seinem Land zu bringen. Als das dem Troubadour gelang, stürzte der König Alina aus dem Fenster. Gemeinsam mit Abdalá wurde sie vom Wasser davon getragen.

In Olhão hofft man, es mögen nicht weitere zwei Jahre vergehen, bis die Skulptur zur Legende von Arraúl steht. Er soll der zwanzigste Sohn des Hauptwächters der Säulen des Herakles von Atlantis gewesen sein und der einzige Überlebende, als das sagenhafte Inselreich unterging. Durch die Strömung wurde Arraúl am Sítio das Prainhas nahe dem heutigen Olhão an Land getrieben. Der junge Mann war sofort von der schönen Landschaft beeindruckt und aus Angst, auch dieses Reich könnte untergehen, beschloss er die Küste vor dem Meer zu schützen. Dafür soll er Steine und Erde vom Cerro da Cabeça zur Küste beförderte haben, wo er die Sandinseln von Fuseta, Armona und Culatra baute. Die Strömung trug den Sand weiter nach Osten und Westen und so entstand die Ria Formosa, wie wir sie heute kennen.
Foto: Bruno Filipe Pires/ Open Media Gruppe

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