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Freizeit

Quinta do Marim

By agasparDo. 19. Dezember 2013Updated:Fr. 26. Mai 20177 Mins Read

Ein faszinierendes Freilichtmuseum

Der Naturpark Ria Formosa erstreckt sich über eine Länge von 60 km entlang der Küste zwischen Ancão bei Loulé und Manta Rota bei Vila Real de Santo António. Das gesamte Ökosystem des Haffs kann jedoch bei einem nur 3 km langen Rundgang auf dem 60 Hektar großen Grundstück der Quinta do Marim bei Olhão entdeckt werden

Östlich von Olhão, direkt neben dem Danach geht es links den mit große Campingplatz, wurde das Informationszentrum des Naturparks der Ria Formosa eingerichtet. Rund um das Zentrum ist ein zweistündiger Rundgang ausgeschildert, der u.a. an einer Wassermühle, einem alten Brunnenrad und Vogelbeobachtungsstellen vorbei, durch einen Pinienwald und die Dünenlandschaft, entlang Lagunen, Salzwiesen und Wattflächen führt, und dabei Ausblicke auf die vorgelagerten Inseln und Sandbänken der Ria Formosa gewährt. Am Eingang kann man sich mit einigen Broschüren (0,50 Euro) in deutscher Sprache über die Flora und Fauna der Ria Formosa informieren, bevor es gleich nach dem Parkplatz rechts in den Pinienwald geht. Eine Karte zeigt das gesamte Grundstück und die zu wandernde Route, die durch gelb bemalte Holzpfosten gut markiert ist. Der erste Teil der Strecke führt zum Informationszentrum, das seinem Namen gerecht wird und aufschlussreiches Material bereit hält. Leider sind die meisten Führer – viele davon kostenlos – nur in Portugiesisch und Spanisch. Dazu gibt es Schaukästen mit Informationen über Fischfang und die zum Erhalt der biologischen Vielfalt der Algarveküste durchgeführten Maßnahmen. Danach geht es links den mit großenm Steinplatten ausgelegten Pfad entlang, zwischen Pinien, brasilianischen Pfefferbäumen, Medronho- und Oleander-Büschen sowie kleinen Olivenbäumen. Hier und da sind neben dem Pfad Informationstafeln über die Tier- und Pflanzenwelt angebracht. Nächster Haltepunkt sind ehemalige Salinen, die nun der Fischzucht dienen. Nicht zum Verzehr, sondern um die Fischpopulation vor der Küste zu erhöhen. Zwar dienen die Lagunen und Kanäle der Ria Formosa vielen Fischen als „Kinderstube“, doch da die Algarveküste sehr sandig ist und den Fischen daher keinen Schutz bietet, verlassen sie diese als Erwachsene. Daher ließ das Meeresinstitut IPIMAR im Laufe der letzten Dekade künstliche Riffe zwischen Alvor und Cacela Velha bauen und nahm die Fischzucht in Betrieb. Die gezüchteten Fische werden markiert und die Fischer darum gebeten, den Fang dieser Fische dem IPIMAR zu melden. Somit kann festgestellt werden, ob die Riffe ihren Zweck erfüllen. Entlang der Fischzucht gen Süden sind in der Ferne die vorgelagerten Inseln, Sandbänke und dahinter der weite Atlantik zu erkennen, im Westen sind die ersten Häuser von Olhão und im Südwesten die der Insel Armona zu sehen. Ein Steg führt einige Meter über das Wasser und dient Bewohnern als Angelplatz. Bis vor nicht allzu langer Zeit lag hier ein Tunfischfang-Boot vor Anker. Eines der letzten in Portugal. Die Verwaltung des Naturparks hatte es restauriert und nutzte es für Ausflüge. Nun liegt es ausgedient auf der Düne und man kann sich kaum vorstellen, dass dieses Boot einst die Netze des Tunfischfangs zog. Die Fang-Methode, die auch heute noch benutzt wird, wird „Almadraba“ genannt, ein arabisches Wort, das „Ort des Kampfes“ bedeutet. Zuerst werden die Tunfische durch ein Netzlabyrinth, das am Meeresboden verankert ist, geleitet. Dann bilden die Fischer mit ihren Booten und Netzen ein Becken, in dem die Tunfische eingekesselt werden. Zuletzt werden die Netze angehoben und die Thunfische an Bord gehievt. Richtung Osten führt ein Holzsteg die Besucher über die Dünen bis zu einer alten Gezeitenmühle. In den 1980er Jahren wurde hier noch Getreide gemahlen. Die Mühle wurde damals mit Hilfe des Müllers von der Parkverwaltung renoviert. Heute scheint sie wieder dem Zerfall überlassen zu sein, kann jedoch besichtigt werden. Im größeren Raum sind die sechs Mahlgänge, über deren „Turbinen“ das im Becken angestaute Wasser bei einsetzender Ebbe geleitet wurde. Den Rundweg weiter folgend, erreicht man ein zweites Salzwasserbecken. Ein Damm sorgt dafür, dass der Wasserstand nicht den Gezeiten ausgesetzt ist, damit Wasservögel hier stets Nahrung finden. Zu den hier zu beobachtenden Vögeln gehören der Stelzenläufer, der Alpenstrandläufer, der Kiebitzregenpfeifer, der Große Brachvogel oder der Seeregenpfeifer, aber auch Graureiher und Störche. Sie ernähren sich von winzigen Organismen, Krusten- und Weichtieren, die in diesen niedrigen Gewässern leben. Für die Vögel unsichtbar, kann man die Tiere von einer Holzhütte aus beobachten. Lange wurden diese Wasserbecken lediglich als Ursache für Moskitoplagen und Gestank gesehen, bis man ihren hohen biologischen Wert entdeckte. Nicht nur dienen sie den Wasservögeln als Nahrungsquelle, sondern auch sämtlichen Fischen, Krusten- und Weichtieren als „Kinderstube“. Nur einige Meter entfernt, erwartet den Besucher ein weiterer Beobachtungsposten. Dieses Mal mit Blick auf eine Süßwasserlagune, die das ganze Jahr über Wasser führt. Hier tummeln sich Reiher, Löffel-, Krick- und andere Enten, Schildkröten liegen faul in der Sonne. Um die verschiedenen Spezies erkennen zu können, sollte man den Vogelführer von SPEA dabei haben (im Informationszentrum erhältlich, auch auf Deutsch). Es ist ein kleines Paradies auf Erden, das zum Verweilen einlädt. Man hat den Eindruck, einen Dokumentarfilm live zu erleben. Nächster interessanter Punkt sind ehemalige Salztanks. Diese Ruinen erinnern uns an die Zeit der römischen Besetzung der Region und daran, dass die Industrie der Fischsalzung während dieser Zeit in der Algarve deutlich stieg. Diese Tanks stammen aus dem 1. Jahrhundert nach Christus und dienten neben der Fischsalzung auch der Herstellung von Garum: das Standardgewürz der römischen Küche, das dadurch entstand, dass man Fische einschließlich ihrer Eingeweide mit Salzlake vermischte und in offenen Becken teilweise monatelang der Sonne aussetzte. Dieses Gemisch wurde dann ausgepresst und mehrfach gefiltert, bis man eine klare, bernsteinfarbene Flüssigkeit erhielt. Einige Schritte weiter nördlich kommt man beim Centro de Recuperação e Inve­ stigação de Animais Selvagens, kurz RIAS gennant, an. Hier werden kranke oder verletzte wilde Tiere gepflegt, um sie danach wieder in ihren natürlichen Lebensraum zurück zuführen. Aber auch wilde Tiere, die illegal gehalten wurden, finden hier ein neues Zuhause oder werden an Zoos weiter gegeben. Allein in der letzten Oktober-Woche wurden vier Gänse- und ein Mönchsgeier abgegeben. Große Greifvögel, die auf dem Weg zu ihrem Winterquartier erschöpft oder verletzt vom Himmel fallen und nicht weiterfliegen können, da sie wegen ihrem Körpergewicht aus erhöhten Stellen und bei günstigem Wind starten müssen. Die Tiere können nicht besichtigt werden, aber die Mitarbeiter sind sehr freundlich und geben gerne Informationen zum Aufgabenbereich von RIAS. Vom RIAS geht es einige Meter weiter vorne, rechts durch einen schmalen Pfad zwischen dichter Vegetation bis zu einer ehemaligen Quinta weiter. Das Haus ist nicht allzu groß, doch einige Details, wie z.B. eine alte Kutsche, deuten daraufhin, dass dies mal ein reiches Anwesen war. Direkt neben dem Haus sind auch eine alte Nora (Radbrunnen) und ein kleines Aquädukt zu sehen. Im Haus hinter dem Radbrunnen war bis vor zirka zwei Jahren eine Zuchtanstalt der Portugiesischen Wasserhunde. Nach Auseinandersetzungen mit der Verwaltung des Naturparkes zogen die Züchterin Carla Peralta und ihre Vierbeiner jedoch um. Nächste Station sollte laut Führer das Haus von João Lúcio sein, einem der bekanntesten Dichter der Algarve. Ein schönes Herrenhaus, das heute als Museum und Bibliothek zu dem Hauptthema Natur und Umwelt dient. Das Tor, hinter dem man über die Bahnlinie bis zum Haus gelangt, ist jedoch verschlossen. Also folgen wir dem schmalen Pfad in der Mitte durch den Pinienwald, der uns zurück zum Startpunkt bringt. Hier sollen die seltenen Chamäleons leben, wir konnten leider kein einziges Exemplar entdecken. Fazit: Unglaublich und beeindruckend, dass auf einer so kleinen Fläche eine so große biologische Vielfalt entdeckt werden kann.

Anabela Gaspar

ESA 12/13

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