Immer mehr Schweizer zieht es nach Portugal, insbesondere in die Algarve. Hier haben sich mittlerweile zwei Schweizer Clubs etabliert, die nicht nur als Treffpunkt für Gleichgesinnte dienen, sondern auch eine wichtige Rolle in der Gemeinschaft spielen
Die Anzahl der Auslandschweizer wächst stetig. Ende 2023 lebten 813.400 Schweizer im Ausland, ein Anstieg um 1,7 % im Vergleich zum Vorjahr. Das größte Wachstum verzeichnete die Schweizer Community in Portugal, mit einer Steigerung von 13 %. Aktuell sind etwa 7.000 Schweizer in Portugal registriert, davon 1.200 im Süden, bzw. in den Distrikten Évora, Beja und Faro. „Wenn man die Schweizer einbezieht, die zwischen Portugal und der Schweiz pendeln, ist die Zahl wahrscheinlich dreimal so hoch“, erklärt Thomas Kottmann, der Honorarkonsul für den Süden Portugals. „Die Schweizer haben Portugal entdeckt und sind begeistert“, fasst er zusammen. Die Gründe dafür seien vielseitig. „Zu den Hauptfaktoren zählen sicher die niedrigeren Lebenshaltungskosten, das angenehme Klima, die Sicherheit sowie die kulturelle Ähnlichkeit und die gastfreundliche und hilfsbereite Art der Portugiesen“, zählt Thomas Kottmann auf.

In Portugal gibt es mittlerweile vier Schweizer Clubs: je einen in Lissabon und Porto sowie zwei in der Algarve. Der erste Club in der Algarve wurde im April 2018 gegründet und zählt mittlerweile 210 Mitglieder. Ein zweiter Club, der kürzlich von französischsprachigen Schweizern ins Leben gerufen wurde, hat bereits 20 Mitglieder. „Der Röschtigraben ist neuerdings auch in der Algarve zu finden“, so Thomas Kottmann mit einem Lächeln. „Das Bestreben der Botschaft und auch von mir ist allerdings, dass die beiden Clubs sich zusammenschließen, damit man regional organisiert ist“, führt er aus. Denn die Organisation der Schweizer im Ausland erfolgt über die Clubs, die somit eine entscheidende Rolle spielen. Sie fördern nicht nur die Gesinnung und Geselligkeit unter Schweizern im Ausland, dienen dem Erfahrungsaustausch in Bereichen wie Krankenversicherung oder Autoeinfuhr und unterstützen in Not geratene Menschen, sondern fungieren auch als Bindeglied zum Konsulat, der Botschaft und der Auslandschweizer-Organisation (ASO).
Kürzlich fand erstmals in der Algarve die Konferenz Ibersuisse statt. Dabei handelt es sich um ein Treffen der 21 Schweizer Club-Präsidenten der Iberischen Halbinsel mit den Direktoren vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und der Auslandschweizer-Organisation sowie mit den Schweizer Botschaftern von Portugal und Spanien. Ziel der zweitägigen Tagung ist der Austausch von Informationen und Erfahrungen, insbesondere über die Organisation der Clubs und die Bedürfnisse der Schweizer Gemeinschaft in der Region sowie in welchen Bereichen verstärkt zusammengearbeitet werden kann.
Ein zentraler Punkt der diesjährigen Diskussionen war die Schaffung grundlegender Strukturen für die zukünftige Entwicklung der Schweizer Gemeinschaft auf der Iberischen Halbinsel. Aber auch politische Themen, wie das Wahlprozedere für Auslandsschweizer, wurden erörtert. Eine durchgeführte Umfrage unter den Clubs ergab wichtige Einblicke in deren Strukturen, Interessen und Herausforderungen.
Trotz des Wohlgefühls vieler Schweizer in Portugal besteht weiterhin Bedarf an Unterstützung und Gemeinschaft. „Die Schweizer Clubs bieten eine Plattform für Gleichgesinnte, Austausch und Hilfe“, so Urs Strebel, der neue Präsident des Schweizer Club Algarve, der alle in der Region lebenden Schweizer herzlich dazu einlädt, Kontakt aufzunehmen.
„Egal ob deutsch- oder französischsprechend“, betont er.
Neben regelmäßigen Treffen werden auch Aktivitäten organisiert, die es den Mitgliedern ermöglichen, Land und Leute besser kennenzulernen wie Bootsausflüge, Wanderungen, Fado-Abende, Besichtigungen von Olivenölmühlen, Fischzuchten oder Weingütern. Für diesen Monat ist ein Besuch in einer traditionellen Konservenfabrik nahe Lagoa geplant. Zukünftige Aktivitäten, einschließlich sozialer und karitativer Projekte, sollen die Integration der Schweizer Gemeinschaft in der Region weiter vorantreiben.
Text Anabela Gaspar
In ESA 06/24

