Schmuck aus Knete – Originell und filligran

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Celina Batistas Schmuck fiel uns sofort ins Auge. Nicht nur die Farben und Motive, sondern auch, dass Celina ihre Inspiration aus Portugals Kultur und Traditionen schöpft. Nach einem ersten Kontakt stellten wir fest, dass die Künstlerin selbst eine Inspiration für andere ist. Es stand sofort fest, dass wir nicht nur ihre Handarbeiten präsentieren, sondern auch ihre Geschichte erzählen wollten

Text: Anabela Gaspar; Fotos: Celina Batista

Celina ist in Frankreich als Gastarbeiterkind geboren und zog mit neun Jahren mit ihrer Familie in das Heimatdorf ihres Vaters nahe Coimbra. Das kleine Mädchen wuchs zu einer jungen Dame mit einem Faible für ausgefallenen Schmuck heran, den sie selbst herstellte. Die ersten Stücke waren aus Draht und Glassteinen. „Der Draht war so hart, dass ich ihn nur mit Hilfe eines Schraubstockes und viel Mühe biegen konnte“, erinnert sie sich lachend. „Damals gab es auch die Material- und Werkzeugvielfalt noch nicht, die uns heute zur Verfügung steht“, so Celina weiter. Neben der Leidenschaft für alle möglichen Kunstformen, hegte die damalige Teenagerin auch eine Leidenschaft für Wissenschaften, vor allem für Biologie. Mit Blick auf eine sichere Karriere, beschloss Celina sich Letzterem zu widmen. Es sollte aber anders kommen.

Sie studierte Biotechnologie an der Uni Algarve und kehrte nach zehn Jahren Aufenthalt im sonnigen Süden wieder nach Coimbra zurück. Im Gepäck hatte Celina nicht nur ihren Master, sondern auch jede Menge handgefertigten Schmuck. „Denn gleich im ersten Jahr machte mich eine Studiumskollegin mit der Modelliermasse FIMO bekannt und es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt sie schmunzelnd. „In der ersten Nacht habe ich kein Auge zugemacht. Ich war von der Vielseitigkeit, dem Potenzial und den Farben der Modelliermasse sehr beeindruckt und setzte sofort erste Ideen um“, so Celina. Das erste Armband, das sie in dieser Nacht herstellte, bewahrt sie bis heute auf. Aus dem Entschluss, sich lediglich der Wissenschaft zu widmen, wurde also nichts. Celina nutze fortan jede frei Minute, um Schmuck herzustellen.
Nur zwei Jahre nach ihrer Rückkehr nach Coimbra, wurde ihr eine chronische Erkrankung diagnostiziert. Die anhaltenden Schmerzen, die Celina in den Muskeln und Gliedern verspürte, sowie die ständige Erschöpfung und die Schlafprobleme hatten nun einen „Namen“: Fibromyalgie. Es dauerte nicht lange bis die Schmerzen Celina zwangen, ihren Job aufzugeben. „Arbeitslos und chronisch krank musste ich mein Leben neu organisieren“, fasst sie zusammen. „Ich holte die Kiste, in der ich mein FIMO inklusive Zubehör aufbewahrte aus dem Keller und formte ein paar Stücke, um meinen kreativen Geist zu beschäftigen und etwas Geld zu verdienen“, erzählt Celina. Dann entdeckte sie eine neue Technik: „Sticken“ mit Modelliermasse. Statt Fäden wird dafür die Knete verwendet, um Blumen und andere typische Stickereimotive auf Anhängern zu kreieren. Die Stücke sind sehr stabil, denn Celina arbeitet ausschließlich mit der ofenhärtenden Masse. „Sie ist deutlich fester als andere und ermöglicht daher besonders das Erstellen detailreicher Arbeiten. Nach 30 Minuten im Ofen ist sie richtig hart, fast wie Keramik. Weshalb diese Knete auf Portugiesisch cerâmica plástica heißt““, berichtet Celina.

Mit der Zeit und der Technik, die Celina sich angeeignet hat, ist sie zu immer komplexeren Motiven übergangen und vereint diese mit Portugals Kultur und Traditionen. Sowohl die Motive als auch die Farben sind vom Coração de Viana, ein traditionsreiches Schmuckstück aus der nordportugiesischen Region Minho, inspiriert; von den blau-weißen azulejos, die so viele Wände im Land verzieren; den farbenfrohen Motiven der traditionellen Stickerei der Lenços dos Namorados, mit bunten Bildern und Versen bestickte Tücher, die junge Damen ihren Verehrern gaben; vom kunterbunten Hahn von Barcelos, der aus Portugals Keramik nicht wegzudenken ist. Auch die Nossa Senhora de Fátima und der heilige Sankt Antonius verzieren Celinas Stücke. Den Santo António gibt es auch als Glücksbringer und kleine Figur.
Selbst ihren Künstlernamen, der gleichzeitig ihr Markenname ist, holte sie sich aus dem Wortschatz der Algarve: Marafada. Damit wird eine Person bezeichnet, die frech und impulsiv ist. „Ich habe mir einen Namen überlegt, der mich definieren würde. Ich bin ein starker, hartnäckiger, gutmütiger Mensch, aber wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich es mir wünsche, gehe ich schnell mal in die Luft. Marafada passte wie angegossen. Zudem begann alles in der Algarve, also beschloss ich meinen Namen der Region zu widmen, in der ich so glücklich war, so viele gute Freunde zurückgelassen habe und in Zukunft gerne zurückkehren würde“, erklärt Celina. „Trotz meiner Krankheit, der damit einhergehenden Einschränkungen und obwohl es in Portugal nicht einfach ist vom Kunsthandwerk zu leben, ist das Kunsthandwerk heute meine Einnahmequelle und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das tun kann, was ich am meisten liebe!“, verabschiedet sie sich.

Arte Marafada
Celina Batista vertreibt ihren Schmuck ausschließlich über ihre Facebook-Seite
facebook.com/arte.marafada

und e-Mail: arte.marafada@gmail.com

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