Kulturzentrum ZEFA

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Stets im Wandel

Der Galerist Rolf Osang beschrieb das Kulturzentrum ZEFA bei Almancil als „einzigartig in der Algarve“. Es ist tatsächlich ein außergewöhnlicher Ort des Schaffens, der mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick erscheint

Der Weg zum Kulturzentrum ZEFA wurde offiziell vom Rathaus von Loulé ausgeschildert. An der westlichen Zufahrt nach Almancil steht unter dem Wegweiser zur Kartbahn das Schild „Centro de Arte“. Das ZEFA befindet sich knapp 800 Meter hinter dem Karting und ist leicht an dem großen bunten Tor zu erkennen, das zu einem weitläufigen Gelände führt, auf dem einige Skulpturen sowie Grafitti zu sehen sind. Trotz offizieller Ausschilderung handelt es sich nicht um ein öffentliches Kulturzentrum oder eine Galerie, sondern um den Privatbesitz von António Bota Filipe und Cândida Paz. Einem ehemaligen Oberst der portugiesischen Armee und einer ehemaligen Pharmazeutin, die mit zirka 50 Jahren einen Lebenswechsel beschlossen. Sie besuchten die Lissabonner Kunstschule IADE und widmen sich mittlerweile seit über 30 Jahren der Kunst.
1999 weihten sie das Kunstzentrum bei Almancil ein. Seitdem verwandelte das Paar zusammen mit anderen Künstlern das gesamte Anwesen, das aus drei Villen, weiteren kleineren Gebäuden und Gartenanlagen besteht, in eine enorme Galerie, in der sie Kunstbegeisterte nach Absprache gerne willkommen heißen. Das Anwesen, das hier und da ein wenig an Pipi Langstrumpfs Villa Kunterbunt erinnert,befindet sich im steten Wandel, denn es entstehen fast täglich neue Werke. Trotz seiner 88 Jahre und seines zerbrechlichen Auftretens geht Bota Filipe weiterhin seinem Drang nach, alles um sich herum künstlerisch zu verwandeln.

„Das Schönste im Leben ist die Architektur“, so Bota Filipe. Dass er ein besonderes Faible für sie hat, ist auf dem Anwesen auf Anhieb zu erkennen. Nichts an den Gebäuden ist normal oder üblich. Absolute Hingucker sind die „Dachterrassen“ der beiden unteren Gebäude. Zwischen Anführungstrichen, weil Terrasse defintiv nicht das beschreibt, was man dort sieht. Am besten beschreibt man es mit einer enorme Skulptur auf dem „Dach“, die gleichzeitig eine Art Labyrinth mit versteckten Ecken bilden, die zum Verweilen einladen. Auf dem oberen Gebäude, das dem Paar als Residenz dient, ragen überall Metallinstallationen in den Himmel und selbst die ehemalige Unterbringung für die Hunde ist ausgefallen und dient nun der Ausstellung von Kollagen und Malereien. Wer sich genau umsieht merkt, dass es nirgends zwei gleiche Türen gibt. Sei es im Außen- oder im Innenbereich, nicht einmal die Schranktüren. Alle unterscheiden sich farblich, durch aufgetragene 3D-Motive sowie durch Klinke oder Griff. Und Stapel von alten Zeitungen und Magazinen werden hier zum Amphitheater und Sitzmöglichkeiten. „Ich versuche stets erfinderisch zu sein“, erklärt Bota Filipe lächelnd.
Seine Liebe zur Architektur führt aber auch dazu, dass er den Bauunternehmern und Hauseigentümern, den Städten der Algarve allgemein, sehr kritisch gegenübersteht. Über verglaste Balkone kann er sich tierisch aufregen, aber auch generell darüber, dass so viele Häuser eine Kopie eines anderen sind. Das Haus eines Nachbarn hat ihn so sehr gestört, dass er den Blick dorthin durch eine Installation aus Metall und Spiegeln blockierte.
Ebenfalls sehr kritisch steht er den Behörden und dem Bildungssystem gegenüber. Kunst würde auf lokaler wie auf landesweiter Ebene wie ein Stiefkind behandelt. Nicht nur wegen mangelnder Kulturfonds, sondern auch, weil Kunst nicht Teil des Lehrprogramms ist. Als sie das ZEFA eröffneten war es ihr Ziel, mit den Schulen zusammenzuarbeiten. Die Schüler sollten dort die Möglichkeit erhalten, das Gelernte zu sehen. „In Portugals Schulen wird Kunst schlichtweg nicht unterrichtet. Ständig wird von der Erziehung zur Kunst gesprochen, aber umgesetzt wird es nicht. Die Kinder haben keine Ahnung“, regt sich Bota Filipe auf. Eine Zeit lang besuchten Klassen aus dem Raum Loulé noch das Zentrum, doch dann gab das Paar die Zusammenarbeit auf. „Oft scheiterte es schon daran, dass das Rathaus der Schule nicht einmal den Bus zum Transport der Schüler zur Verfügung stellte“, erzählt er kopfschüttelnd weiter.
Vielleicht erinnern sie sich daher mit strahlenden Augen an die Wochen, noch ein Jahr vor der offiziellen Einweihung, in denen die Finalisten der Lissabonner Kunstschule ARCO hier zu Gast waren und ihrem kreativen Geist freien Lauf ließen. Einige ihrer Werke sind noch zu sehen  und in erstaunlich gutem Zustand! So beispielsweise das Mural „Moda Polska“ von Paulina Olowska, die mittlerweile zu den renommiertesten polnischen Künstlern gehört und deren Werke in namhaften Kunsthallen zu sehen sind.
Wieso diese Kooperationen mit Kunstschulen nicht weitergeführt werden? „Das macht keinen Sinn. Schließlich wissen Kunststudenten genau so viel oder sogar mehr als ich“, so Bota Filipe schmunzelnd.

Weitere bekannte Künstler, deren Werke bei ZEFA zu sehen sind, sind Vicente de Brito aus Faro. Seine großformatigen und bunten Gemälde und Collagen ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf sich und sind leicht erkennbar. Zwei seiner Werke hängen im Privathaus des Paares. Zwei weitere, darunter  das Portärt seines Vaters, entdeckt man inmitten der Installation „Bacanal“ (Umgangssprache für Orgie) von Filipe Bota im ersten der beiden unteren Häusern. „Diese antiken Zimmermöbel gehörten nämlich dem Vater von Vicente de Brito und er wollte sie wegwerfen“, erzählt Bota Filipe. „Doch ich bekam sie von ihm und nun sind sie ein Kunstwerk“, fasst er zusammen.
Einige der zu sehenden Keramikwerke sind von dem renommierten US-amerikanischen Künstler Arnold Zimmerman, der in den 1980ern in Portugal an Symposien teilnahm und in den 1990ern in Portugal arbeitete und Freundschaft mit Bota Filipe schloss. Der 2014 verstorbene Architekt und Maler Nuno San-Payo, der über Jahrzehnte die portugiesische Gesellschaft für Kunst leitete, war für die linke Seite der Wandmalerei an der großen Mauer neben den beiden Gebäuden zuständig. Für die rechte Seite zeichnete Helder Baptista zuständig, der 2015 verstarb und eigentlich ein renommierter Bildhauer war. Seine Werke verzieren landesweit öffentliche Plätze. Der englische Künstler Charlie Holt erzählt anhand einer enormen Wandmalerei mit atemberaubenden Details die Geschichte von „Das steinerne Floß“ des Literaturnobelpreisträgers José Saramago. Alleine für die Besichtigung dieses Werkes sollte man sich einen Nachmittag freinehmen. Doch es gibt mehr, viel mehr zu sehen.
Die schwarzen Skulpturen „Verstümmelte“ und „Monster“ in der Gartenanlage, überdimensionale Keramikstücke sowie die meisten Installationen und auch viele der Gemälde und Wandmalereien in den Häusern sind von Bota Filipe. Er war auch das kreative Genie hinter den mit Aluminiumfolie überzogenen sanitären Anlagen im Badezimmern, die auf jeden Fall einen starken Eindruck hinterlassen. Während Bota Filipe eine sehr eigensinnige Person ist, hat Cândida Paz – wie ihr Name, der so viel wie „Zarter Frieden“ bedeutet, bereits verrät – ein eher zartes und versöhnliches Wesen. Bescheiden erklärt sie, dass sie nur für einige Gemälde und Collagen zuständig ist. Dabei war sie auch diejenige, die ihrer Wut darüber, dass man ihre geliebte Hündin gestohlen hatte, durch die Malerei an der Mauer zum Privathaus Ausdruck verlieh. Zehn Jahre unterrichtete sie zudem zeitgenössische Kunst in der Senioren-Universität von Faro UATI und weckte – gemäß ihres ursprünglichen Vorhabens – das Interesse anderer für Kunst.

Text & Fotos: Anabela Gaspar in ESA 02/2019

ZEFA – Centro de Arte Contemporânea
Caminho das Pereiras
Almancil
Besichtigung nach Absprache
mit Cândida Paz unter Mob. 934 203 405 möglich

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