Besuch im Zoo

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Eine Arche für viele Tiere

Der Zoo de Lagos feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. ESA berichtet über seine Geschichte und darüber, was es dort zu sehen und erleben gibt und was in Sachen Forschung und Artenschutz hinter den Kulissen geschieht

Text: Anabela Gaspar Fotos: Zoo de Lagos

Entspannung, Bildung, Forschung und Artenschutz. Alles unter einem Dach. Der Zoo präsentiert rund 1.200 Tiere aus 150 Arten von fünf Kontinenten, darunter seit Kurzem die einzigen Kängurus in Portugal. Dahinter steht ein Mann, Paulo Figueiras, und seine Liebe zu Tieren. „Als Kind hatte ich nur ein Aquarium mit Fischen zu Hause. Andere Tiere ließ meine Mutter nicht zu“, erinnert sich Paulo. Als er das Grundstück nahe Barão de São João übernahm, beschloss er sofort, dass es die Heimat vieler Tiere werden sollte. Zuerst nur für Hunde und Pferde, „aber immer wenn ich die Größe des Terrains sah, dachte ich, dass ich noch weitere Tiere aufnehmen konnte“, erzählt er weiter. Vor allem Vögel, für die er schon immer eine Vorliebe hatte, und Affen fanden dort letztendlich ein neues Zuhause. Die ersten Affen kamen aus einem Zoo im Norden Portugals. „Das Rathaus übernahm dort den Zoo und beschloss, nur die ornithologische Sammlung zu behalten. Daraufhin beschloss ich die Affen zu übernehmen“, fasst er lächelnd zusammen. Am 16. November 2000 öffnete sich sein privater zoologischer Garten offiziell als Zoo de Lagos für das Publikum.

Wichtig ist es für Paulo klarzustellen, dass die Tiere, die dort beobachtet werden können, nicht aus der freien Wildbahn stammen. „Es handelt sich ausschließlich um Tiere, die aus anderen Zoos und Erhaltungszuchtprogrammen stammen. Viele sind Arten, die in der freien Natur gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind“, erklärt er. Die Tiere seien es gewohnt in Gefangenschaft zu leben und dem hiesigen Klima angepasst. „Viele Besucher fragen beispielsweise ob es den Pinguinen hier nicht zu warm ist. Dabei steht auf der Infotafel, dass es sich um Brillenpinguine handelt, die einzigen Pinguine Afrikas. Das Klima der Algarve ist also mit dem ihres natürlichen Lebensraums sehr ähnlich“, so Paulo. Die Zoos und Tiergärten von heute seien mit den früheren Tiersammlungen nicht vergleichbar. „Vielmehr haben sie sich zu Artenschutzzentren entwickelt, deren gesellschaftlicher Auftrag unter anderem in der Erhaltung bedrohter Arten durch Zucht, der Wiederauswilderung und in der Bildung besteht“, zählt Paulo auf.

Als Mitglied des portugiesischen Vereins der Zoos und Aquarien APZA, sowie des iberischen AIZA und des europäischen EAZA, ist der Zoo de Lagos in Artenschutz- sowie in Zuchtprogramme für bedrohte Tierarten involviert. Im Rahmen des Hornbill Nest Adoption Programm sponsert der Zoo Nistkästen für Nashornvögel in Thailand und Indien, wo die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes dieser Vögel, die in großen Bäumen nisten, ein wachsendes Problem ist. Auch beteiligt sich der Zoo an dem kolumbianischen Proyecto Titi zur Erhaltung des Lisztaffen, die von der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht gelistet sind. Ferner organisiert der Zoo Veranstaltungen, um Spenden für Organisationen zu sammeln, die sich dem Artenschutz widmen, wie der International Otter Survival Fund (IOSF), das Centre de Rehabilitation des Primates de Lwiro in der Demokratischen Repubik Kongo oder die Southern African Foundation for the Conservation of Coastal Birds (SANCCOB), die sich für die Erhaltung und den Schutz von Fischottern beziehungsweise Affen und Seevögel einsetzen.

Auch in Sachen Forschung und Bildung leistet der Tierpark seinen Beitrag. Sowohl die umfangreiche Affen- als auch die Vogelsammlung sind oft Gegenstand von Studien und für Schulklassen wurden Pädagogikprogramme ausgearbeitet, bei denen es um Arten- und Naturschutz geht und die den unterschiedlichen Altersgruppen sowie Schulprogrammen angepasst sind.

Die Haltungsbedingungen und ansprüche in den Zoos haben sich laut Paulo in den letzten Jahren auch entscheidend verändert. Vergitterte und gekachelte Gehege würde man kaum noch finden und in den der Natur nachempfundenen Gehegen gelinge es, den Grundbedürfnissen der jeweiligen Tiere weitgehend gerecht zu werden. Im Zoo de Lagos laufen viele Tiere auch frei, so beispielsweise die Wallabys im Australien Trail Bereich. Dies trägt nicht nur zu einer besseren Lebensqualität der Tiere bei, sondern gewährt auch den Besuchern einen besseren Einblick in das Verhalten der Tiere.

Für dieses Jahr waren diverse Aktionen im Rahmen des 20-jährigen Bestehens geplant. Einige mussten wegen der Pandemie abgesagt werden, andere liegen auf Eis. Zwischen März und Mai musste der Zoo schließen. „Es war das einzige Mal in 20 Jahren!“, so Paulo, „Wir schließen nie, auch nicht zu Weihnachten oder Silvester. Schließlich müssen die Tiere täglich gefüttert und gepflegt werden“. Dies war auch während des Lockdowns der Fall. Doch ohne Besucher – alleine durch die Absage der Schulklassen fielen 8.000 Besucher weg – wurden die finanziellen Mittel für Futter und Pflege knapp. Die Lage ist weiterhin bedenklich, da enorme Kosten anfallen, die Besucherzahl aber um 70 Prozent zurückging.

„Der Zoo erfüllt alle Bedingungen, um einen coronasicheren Tag zu verbringen“, so Paulo. „Die Menschenmassen, die man in anderen Parks der Region sieht, haben wir hier nie. Ein sicherer Abstand ist immer gewährleistet und wir erfüllen alle von der Gesundheitsbehörde auferlegten Regeln und Maßnahmen. Das Gelände ist sehr weitläufig, bietet viel Schatten, ein Restaurant und eine Snack-Bar sowie einen Picknickplatz. Dies ist nun auch der zweite Sommer, in dem sich Groß und Klein am Boulders Beach erfrischen können. Der kleine Pool gleich am Eingangsbereich ist vom Becken der Brillenpinguine durch eine Scheibe getrennt, sodass man den Pinguinen bei ihren Schwimmkünsten zuschauen kann. Und Kinder können in der kleinen Farm Esel, Ziegen & Co.
füttern. Alles beste Voraussetzungen für einen erlebnisreichen Tag.

In ESA 08/2020

Zoo de Lagos
Medronhal, Quinta Figueiras
Barão de São João
8600-013 Lagos
Tel. (+351) 282 680 100
geral@zoolagos.com
www.zoolagos.com

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