Sozialversicherungspflicht

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in Portugal

Als Arbeitnehmer in Deutschland kennt man die Sozialversicherungspflicht, aufgeteilt nach Beitragssätzen für die Rentenversicherung, Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung. Die Sozialversicherungspflicht für Arbeitnehmer gibt es auch in Portugal und beinhaltet Rentenversicherung, Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung (keine Pflegeversicherung). Der erhobene Prozentsatz ist pauschal und wird nicht gegliedert in die einzelnen Versicherungsarten. Der kleine Unterschied, die Aufteilung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern beträgt in Portugal nicht jeweils 50 % (wie in Deutschland) sondern liegt bei zirka 32 % Arbeitnehmer und zirka 68 % Arbeitgeber. Von dem abgabepflichtigen Arbeitslohn zahlt der Arbeitnehmer 11 % und der Arbeitgeber 23,75 % an die Sozialversicherungskasse. Komplett anders als in Deutschland ist die Sozialversicherungspflicht der Einzelunternehmer in Portugal geregelt. Im Gegensatz zu Deutschland besteht für Unternehmer in Portugal Sozialversicherungspflicht. Bemessungsgrundlage ist bei Selbständigen der Gewinn, ermittelt entweder nach den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Buchführung oder nach dem vereinfachten Verfahren. Der Bemessungszeitraum ist der 1.10. des laufenden Jahres bis zum 30.9. des Folgejahres, die Bemessungsgrundlage ist der Gewinn des Vorjahres. Etwas kompliziert, hier ein Beispiel: Laut Steuererklärung 2012 beträgt der Gewinn e 24.000, laut Steuererklärung 2013 Gewinn e 30.000. Ab dem 1.10.2013 bis zum 30.9.2014 ist die monatliche Bemessungsgrundlage e 2.000 (= Gewinn 2012 e 24.000/12) und ab dem 1.10.2014 bis zum 30.9.2015 ist die Basis e 2.500 (= Gewinn 2013 e 30.000/12). Bei Minderung des Gewinnes im laufenden Jahr kann Antrag auf Anpassung gestellt werden. Die Sozialversicherungspflicht beginnt mit Anmeldung des Gewerbes, die Beitragsfrist berechnet sich nach einem etwas komplizierterem Verfahren. Erfolgt die Gewerbeanmeldung in den Monaten Oktober, November oder Dezember, beginnt die Beitragszahlung nach 12 Monaten. (Beispiel: Anmeldung zum 1.11.2013, Beitragspflicht ab 1.11.2014). Wird das Gewerbe angemeldet in den Monaten Januar bis September, beginnt die Beitragszahlung zum 1.10. des Folgejahres (Beispiel: Anmeldung 1.01.2014, Beitragspflicht ab 1.10.2015). Bei Gewerbeanmeldungen in dem Zeitraum Januar bis September ist die Beitragsfreiheit also bis zu 21 Monaten. Was auch immer die Gesetzgeber sich dabei haben einfallen lassen, diese Regelung ist irgendwie eigenartig. Wichtig ist aber auch, dass der Versicherungsschutz bereits ab Gewerbeanmeldung besteht. Die Beiträge für die einzelnen Monate sind fällig bis zum 15. des Folgemonats. Wie bei allen Gesetzen, so gibt es auch bei der Sozialversicherung diverse Besonderheiten. Hier nur einige Beispiele: Gesellschafter- Geschäftsführer, bereits bestehende Sozialversicherungspflicht innerhalb der EU, Haushaltshilfen, Befreiungen bei niedrigem Einkommen, etc. Hier ist individuell Rat einzuholen. Zu beachten ist auch noch folgendes: Losgelöst von der o.a. Sozialversicherungspflicht besteht noch eine zusätzliche Abgabe in den Fällen, in denen ein Einzelunternehmer mehr als 80 % seiner Einnahmen von einem einzigen Auftraggeber erhält. Auf diese Vergütung ist dann eine Zusatzabgabe (von dem Auftraggeber) zu zahlen in Höhe von 5 %. Beispiel: Ein Handelsvertreter mit einem Jahresumsatz von 20.000,- € arbeitet zusammen mit der Firma A (= e 18.000 Provision), Firma B (= e 1.500 Provision) und der Firma c (= e 500 Provision). Die Firma A muss an Sozialversicherung noch e 900 (e 18.000 x 5 %) abführen. Es handelt sich hierbei um eine Zusatzabgabe, zahlbar zusätzlich zu den normalen Sozialversicherungsabgaben des Handelsvertreters. Hier die Beitragssätze: siehe Foto. Bemessungsgrundlage ist immer der nächste niedrigere Wert und dann die nächst niedrigere Stufe. Auch hier zum besseren Verständnis ein Beispiel: Der Gewinn des Jahres 2013 beträgt e 30.000; die monatliche Bemessungsgrenze ist e 2.500, dies bedeutet Stufe 7. Maßgebend ist aber die nächste niedrigere Stufe 6.; der monatliche Beitrag wird also festgesetzt mit e 582,72; das sind im Jahr e 6.992,64. Jetzt kann man sich so langsam die Frage stellen, warum man überhaupt noch ein Gewerbe anmelden soll. Einkommensteuer bei e 30.000 Gewinn ca. e 9.000 (als Lediger), Sozialversicherung ca. e 7.000 (s.o.), gesetzliche Unfallversicherung ca. e 500, Gebühren, sonstige Pflichtabgaben, etc. ca. e 2.000, insgesamt also e 18.500 bei e 30.000 Gewinn. Macht das Arbeiten dann noch Spaß bei Abgaben in Höhe von ca. 62 %?

Heinz Dieter Hünermund

ESA 06/14

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