TAP, Portugals Fluggesellschaft

Luftfahrt
Die portugiesische Fluggesellschaft TAP flog im ersten Halbjahr 2009 in ein Schuldenloch in der Größe von 72,4 Millionen Euro. Die Passagierzahlen schrumpften um 6,2 Prozent. Die Airline steht wenige Monate vor ihrem 65. Geburtstag vor dem Ende

Einhunderttausend Passagiere weniger im Mai dieses Jahres als im gleichen Monat 2008 ­ das ist die letzte öffentlich gemachte Buchungsbilanz der portugiesischen Fluggesellschaft TAP Transportes Aereos Portugueses. Seither hat sich die Lage nicht gebessert, bis Juni 2010 gilt ein Konsolidierungsplan, der sich veränderten Marktbedingungen anpasst und die Streichung von rund zehn Prozent der Flüge auf allen Routen vorsieht. Weihnachten und zu anderen reise-intensiven Daten soll zwar der normale Flugplan gelten, doch Geschenke erwartet niemand vom Weihnachtsmann. ,,Ein Wunder müsste her”, sonst droht der TAP die Bruchlandung zum Jahresende. Vorerst versucht TAP, das Wunder aus eigener Kraft zu vollbringen. Zahlreiche Ziele werden im Rahmen von Codeshare-Flügen mit Partnern weltweit angeboten. Zuwachs gibt es für die TAP bei den Verbindungen nach Spanien, Nord- und Westafrika. Auf brasilianischen Flughäfen war die Linie mit 67 Flügen pro Woche Marktführer, nun werden die Flughäfen in dem südamerikanischen Land in reduzierter Frequenz angeflogen, ,,wir wollen nicht riskieren, eine Destination ganz zu verlieren”, so ein Firmensprecher. 2007 übernahm TAP die Luftfahrtlinie Portugália, in den Jahren 2001 bis 2005 von der internationalen Luftfahrt-Consulter Skytrax als ,,Best European Regional Airline” ausgezeichnet. Zunächst brachte die Übernahme die TAP in die Gewinnzone, doch langfristig drohen die Verpflichtungen und das zum Deal gehörende Abfertigungs-Unternehmen Groundforce, die TAP vom Himmel zu holen. Paulo Brehm vom Dachverband der portugiesischen Reisebüros sieht die TAP als Opfer der Wirtschaftskrise. Doch auch andere Faktoren wirkten sich negativ auf die globale Reiselust aus. Dazu gehören die Angst vor möglichen Terroranschlägen und die Grippe-Pandemie H1N1 2009 (die Influenza hatte bereits Flug-Stopps der TAP nach Mexiko erfordert). Die Stoßwelle dieser Ereignisse liege zwar Monate zurück, doch seien die Auswirkungen langfristig, weil die Entwicklung dieser Reise-Hemmnisse nicht vorhersehbar ist. In Portugal ist die Zahl der Einreisenden stärker zurückgegangen als die der Portugiesen, die ins Ausland fliegen. Auch Inlandsflüge sind rückläufig. Billigfluglinien machen der TAP zu schaffen. Die britischen Easyjet und Ryanair haben Platz Zwei und Drei der Marktanteile auf portugiesischen Flughäfen erobert. Easyjet wuchs 2009 um etwa den Anteil, den die TAP verlor. Turbulenzen von außerhalb und innerbetrieblich Sand im Getriebe: TAP-Präsident Fernando Pinto bestätigt, dass der Lohnkostenanteil an den Firmenausgaben geringer ist als in den vergangenen Jahren, dennoch hat er seine Mitarbeiter in einem langen Brief gebeten, von weiteren Streiks abzusehen, die bereits zum Ende der Sommersaison Verzögerungen und Besuche des Staatsanwaltes einbrachten, da die TAP streikbedingt ausfallende Arbeitskräfte widerrechtlich durch Mitarbeiter anderer Sektoren ersetzte. Jeder weitere Streiktag belaste das Schuldenkonto mit je fünf Millionen Euro. Die Mitarbeiter protestieren gegen ausstehende, vertraglich zugesicherte Gehaltserhöhungen und Arbeitsplatzverlust durch die Auslagerung der Flugzeug-Wartung nach Brasilien. Der Ruf nach Privatisierung wird laut. Die TAP habe ,,ideellen Wert für den Staat”, meint der Journalist Paulo Santos. Doch die Zeit der Sentimentalität sei vorbei, wenn ,,der Koloss den Steuerzahler jeden Monat Millionen kostet”, so Santos. Auf jeden Fall werde die Zukunft der portugiesischen Fliegerei dem Transportminister der neuen Regierung ,,mehr Kopfschmerzen bereiten als der Hochgeschwindigkeitszug TGV”.

1945 gegründet, ist die TAP die größte und älteste Fluglinie des Landes. 1953 wurde sie privatisiert, nach der Nelkenrevolution 1975 wieder verstaatlicht. Ihr Streckennetz umfasst 66 Ziele in 27 Ländern. Seit März 2005 ist TAP Mitglied der Star Alliance, einem LuftfahrtNetzwerk von 24 Airlines, darunter auch die Lufthansa. Neben der TAP gibt es überregional und international operierende, kleine Airlines (White Airways, eine LowCost-Gesellschaft, EuroAtlantic Airway, SATA Air Açores mit SATA International und ATA Aerocondor). 1992 – 95 gingen gleich drei Linien in Konkurs: Air Sul, Air Atlantis und Air Columbus, die Charterflüge tätigten und deren Drehkreuz der Flughafen Faro war. Die aufsehen erregendste Pleite erlitt 1995 die Air Columbus, die durch den Konkurs des deutschen Reiseveranstalters MP Travel einen Hauptkunden verlor und das eigene Aus mit Auftragsdiensten für andere Fluggesellschaften gerade noch zwei Jahre hinausschieben konnte.

von HENRIETTA BILAWER

ESA 10/09

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