Offshore-Gesellschaften

INTERVIEW

Offshore-Gesellschaften: Dringender Handlungsbedarf

Halten Sie Ihre Immobilie noch immer im Namen einer OffshoreGesellschaft? Dann wird es allerhöchste Zeit etwas zu unternehmen. Denn der Stichtag für die Grundsteuer ­ 31. Dezember ­ rückt näher

ESA: Wer früher sein Haus über eine Offshore-Firma gehalten hat, galt als clever. Ist der zwischenzeitlich der Dumme, der heute immer noch sein Haus in dieser Rechtsform hält?
Coelho: Bis 2002 wurden die OffshoreGesellschaften steuerlich wie alle anderen Eigentümer behandelt: Seitdem (s. Esa 10/03) werden diese aber dadurch diskriminiert, dass sie zuerst 2 % Grundsteuer und seit 2003 sogar 5 % zahlen müssen. Zusätzlich müssen diese Gesellschaften, unabhängig davon, ob sie einen Gewinn erwirtschaftet haben oder nicht, Einkommensteuer bezahlen. Diese Steuer hält sich zwar in Grenzen, die 5 % Grundsteuer wird allerdings in vielen Fällen wirtschaftlich nicht tragbar sein.

Warum das denn, denn die 5 % sind auf die alten, geringen Einheitswerte für die meisten nicht gerade ruinös?
Auf die alten Einheitswerte wahrscheinlich nicht. Aber alle Immobilien werden bis spätestens 2013 einen neuen Einheitswert bekommen, der in den meisten Fällen ein Vielfaches des Bisherigen ausmachen wird und bei 5 %…!? Natürlich kann der gesamte Immobilienbestand nicht sofort bewertet werden. Zuerst werden die nun übertragenen Immobilien neu bewertet, sobald die Beamten in Fahrt gekommen sind, kommen auch die anderen an die Reihe.

Sind die neuen Einheitswerte bereits bekannt?
Ja, die richten sich nach verschiedenen Bewertungskriterien, von denen zwei besonders ausschlaggebend sind: Zum einen sind es die Konstruktions- und Grundstücksflächen und zum anderen ist es der so genannte Lagefaktor. Untergeordnet beeinflusst aber auch noch der so genannte Komfort- und Qualitätsfaktor den Einheitswert. Wenn die Kriterien also bekannt sind, kann sich letztlich doch jeder selbst ausrechnen, wann sich die Änderung der Rechtsverhältnisse für ihn amortisiert hat. 60 Wie viel dies kostet, muss von Fall zu Fall genau berechnet werden. Schließlich hat der Fiskus hat eine große Einflussmöglichkeit, weil der neu ermittelte Einheitswert ausschlaggebend sein kann. Ein wichtiges Thema, welches man auf keinen Fall unberücksichtigt lassen darf, kann auch die Gewinnsteuer sein. Denn entgegen der allgemein geläufigen Meinung, unterliegen auch Offshore-Gesellschaften dieser Steuer und bei einem Satz von 25 %, kann leicht ein größerer Betrag zustande kommen.

Was sollten Offshore-Hausbesitzer also jetzt ändern?
Da der Stichtag für die Berechnung der Grundsteuer immer der 31. Dezember ist, müssen die Betroffenen, von denen es tatsächlich noch welche gibt, etwas unternehmen: Entweder die Gesellschaft in ein weißes Steuergebiet umsiedeln oder das Objekt aus der Gesellschaft herausnehmen. Einige glauben ja vielleicht, weil sie bisher noch keinen Änderungsbescheid vom Finanzamt erhalten haben, dass man sie übersehen hat.

Geht der Kelch vielleicht an einigen vorüber?
Der Fiskus schläft auch in Portugal seit langem nicht mehr. Spätestens, wenn die neuen Einheitswerte festgelegt sind, werden die, die bisher untätig waren, erwachen. Ich möchte noch hinzufügen, dass die Tatsache, dass die Grundsteuerbescheide, welche man noch mit dem normalen Steuersatz (maximal 0,8 %) erhalten und bezahlt hat, niemanden davor bewahren wird, die fehlenden 4,2 % nachentrichten zu müssen. Ist die Annahme zulässig, dass die zukünftige Steuer-Entwicklung in Portugal weiterhin auf Pro-Privatbesitz und Contra-Offshore gerichtet sein dürfte? Keine Frage, den alten Zustand werden wir nicht wieder erleben, dafür hat sich das Rad zu sehr in die ,,anti-offshore”-Richtung gedreht.
Vielen Dank für das Gespräch.
WW

Über dieses Thema berichtete die ESA zuletzt in der Ausgabe 10/03. Da sich zwischenzeitlich einiges geändert hat, befragten wir erneut Rechtsanwalt Idálio Coelho aus Lagoa. Idálio Coelho hat in Deutschland studiert und ist dafür bekannt, dass er hauptsächlich auf dem Immobiliensektor tätig ist, mit der Problematik somit bestens vertraut.

ESA 10/05

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