Spitzengenuss

Das Weingut Quinta da Vinha produziert erst seit 2007 Weine, machte jedoch seit dem erstem Jahr durch verschiedene internationale Auszeichnungen auf sich aufmerksam und gehört inzwischen zu den meist prämierten Weingütern der Algarve. Ein klarer Beweis für die Qualität der Weine des jungen Unternehmens von José Manuel Cabrita

Lächelnd und energiegeladen empfängt mich José Manuel Cabrita auf seinem Weingut Quinta da Vinha nahe Fontes da Matosa, Silves. Es herrscht reger Betrieb, denn derzeit wird eine neue Adega direkt neben der Bestehenden gebaut. In dem neuen, modernen Gebäude wird der Wein zukünftig in einer enormen Halle gekeltert und in einem klimatisierten Raum in großen Holzfässern altern. Zudem soll im ersten Stock, mit Blick auf die 6,6 Hektar große Rebfläche, zukünftig der Verkostungsraum untergebracht werden. Der alte Weinkeller soll dann als Lagerraum dienen. Über all diese Pläne berichtet José Cabrita während wir einen Schluck von seinem Rotwein Cabrita 2009 probieren, der 2011 beim Concurs Mondial de Bruxelles mit der Grande Médaille d´or prämiert wurde. Über siebentausend Weine waren im Wettbewerb, seiner erhielt die höchste Auszeichnung des renommierten Weincontest. Es war jedoch nicht die erste internationale Prämierung. Davor hatte José u.a. 2009 beim International Wine Challenge in London die Bronze-Medaille erhalten, beim Wine Masters Challenge in Estoril 2009 Silber und beim Concurs Mondial in Brüssel 2010 Gold. Zuletzt erhielt der Winzer 2012 für seinen Rotwein Cabrita 2009 Reserva eine Gold-Medaille in Italien. Auf natio­naler Ebene räumten seine Weine, die „am Gaumen halten was sie in der Nase versprechen“, ebenfalls verschiedene Preise ab. Winzer wurde er durch einen Schicksalsschlag.

Josés Vater, José André, erwarb 1977 das damals mit den traditionellen Algarve-Rebsorten Crato, Manteúdo, Negra-Mole und Castelão bebaute Weingut, erweiterte es und produzierte, wie José Cabrita lächelnd erklärt, einen „trinkbaren Tafelwein“. „Er hatte wenig Erfahrung und auch nicht die Mittel, um Spitzenweine zu produzieren. Mal gab es einen guten Jahrgang, mal einen schlechten“. Nachdem sein Vater 1998 starb, übernahm José das Weingut, um nicht auch das Werk des Vaters sterben zu lassen. Selber Wein produzieren wollte er jedoch nicht. Sein Ziel war es, die Trauben der Weinkooperative in Lagoa zu verkaufen und baute die Rebsorten Trincadeira, Touriga-Nacional und Aragonez an. Doch die finanziellen Schwierigkeiten der Kooperative führten dazu, dass José oft vergebens auf seine Zahlung wartete, und daher beschloss er 2007, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. „Mein erster Schritt war, jemanden zu finden, der auch etwas von Weinproduktion verstand“, erzählt er gut gelaunt. Seitdem arbeitet er mit den Önologen des Unternehmens WineID. Eine Entscheidung, die sich schnell als die richtige erwies, denn sein erster Rotwein wurde sogleich in Brüssel mit der Silbermedaille ausgezeichnet und 2008 erhielt er Gold. „Mit Ausnahme der Rosé- und Weißweine, mit denen ich mich nicht bewerbe, wurden alle meine Weine ausgezeichnet“, fasst José zusammen, ohne jedoch dabei überheblich zu klingen. Vergisst dabei aber, dass 2012 auch sein Rotwein Cabrita Reserva Blanc 2010 in Brüssel die Goldmedaille erhielt. Das kleine Familien-Weingut produzierte im vergangenen Jahr 15.000 Flaschen Rotwein und jeweils 8.000 Flaschen Rosé- und Weißwein. Dieses Jahr rechnet José Cabrita mit etwas mehr, will die Produktion aber nicht erheblich steigern. In seinem Weinkeller, der bestens ausgestattet ist, werden auch Weine von sechs weiteren Winzern der Umgebung produziert. „Dadurch rechnen sich besser die Investitionen, die ich hier ständig tätige, um die höchste Qualität zu erreichen, und die Extraein-nahmen helfen mir, die laufenden Kosten zu tragen“. Wer wird einmal seine Arbeit fortführen? Auf diese Frage antwortet José mit etwas Traurigkeit in der Stimme.  „Ich denke nicht, dass meine beiden Töchter dies machen werden. Der Jüngeren gefällt es zwar; sie hilft auch gerne bei der Weinlese und -produktion und zieht sogar in Betracht, einen Önologie-Kurs zu belegen“, erzählt José. „Aber ihre Liebe gehört der Musik, sie studiert Akkordeon, und ich will sie nicht dazu zwingen, ihren Traum aufzugeben. Das wird sie mir irgendwann vorwerfen.  Lächelnd fügt er hinzu „a esperança é a última a morrer“ (Die Hoffnung stirbt zuletzt).

Anabela Gaspar
ESA 10/13

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