Algarve-Weine

Portugal und seine großen Weine, Teil 8

Wein aus der Algarve ­ die neue Entdeckung

Die Golfplätze kamen, und die Weingärten der Algarve schwanden. So kann man den Niedergang der Weinkultur in den Achtziger- und Neunzigerjahren auf den Nenner bringen. Aber dies stimmt nicht ganz. Entscheidend war auch die geringe Qualität der meisten Reben

Wenn während der fast 50-jährigen Diktaturepoche von Salazar war vor allem Massenertrag angesagt. Als nun der Tourismus die Algarve erreichte, standen die Weinerzeuger vor einem Dilemma: Weitermachen oder das Gelände an Investoren oder an den Staat (für Autobahnbau und Ähnliches) zu einem guten Preis verkaufen? Welches Gelände: Ein gewellter Küstenstrich, gesäumt von einer atemberaubend schönen Felsen- wie Sandküste, durchsetzt von mäandernden Tälern und Hügeln, Bergen gar, deren Schönheit nicht atemberaubend ist, aber die Seele und das Herz rundherum anspricht. Mit Feigenbäumen und Schirmpinien, Zitronen, Orangen, Mandeln, Korkeichen, Mimosen, alles blüht ­ und wie! Nur wer diese Provinz in ihren stillen Ecken und Nischen kennt, kann sich als Kenner der sonnigen Algarve bezeichnen. Vinho Regional oder DOC? Viele Winzer verkauften ihr Gelände. Oder sie ließen es brach liegen. Und weil die Sonne auch den Charakter der hiesigen Weine bestimmt, haben die roten ein samtiges Geschmacksprofil, sind fruchtig und gefallen mit blumigen Akzenten. Die meisten sind als Vinho Regional zugelassen, weil das eine höhere Auswahl an Rebsorten zulässt. Dabei haben sich Touriga Nacional, Aragonez, Cabernet Sauvignon und Syrah sowie Merlot und andere Sorten besonders gut angelassen. Bei enger gesteckten DOC-Erzeugnissen (es gibt vier) sind nur die Sorten Castelão, Negra Mole und Trincadeira erlaubt. Sir Cliff Richard bringt’s Die Cooperative in Lagoa wird ab 2009, nachdem sie sich mit der von Lagos verbündet hat, die offizielle Weinkellerei der gesamten Westalgarve sein. Im Laufe des Jahres soll auch die neue Weinkellerei nahe Lagoa gebaut werden (s. ESA 12/07). Die Cooperative in Portimão machte längst dicht. Vielleicht wäre das algarvische Weinlied sang- und klanglos ausgeblendet worden, hätte sich nicht ein englischer Songstar für den Wein aus der Algarve stark gemacht. Seine Schwäche für Europas sonnige Südwestkante hatte er schon drei Jahrzehnte lang gehegt und gepflegt, doch jetzt begann er mit der eigenen Herstellung. Bei Guia baute Sir Cliff Richard ab 1997 die ersten Rebstöcke an, zur Jahrtausendwende gab es schon MilleniumsTropfen. Die sich gut verkaufen ließen. Das sprach sich rasch herum. Andere Weinbauer folgten und orientierten sich bei der ,,Gestaltung” ihrer Weine vorwiegend am Erfolgsrezept der Weinmacher im benachbarten Alentejo. Hilfe aus Lissabon und Brüssel Verantwortung zeigte der Staat und förderte. 25 % der noch intakten Rebfläche wurden teils neu bepflanzt und umstrukturiert. Mit 30.000 Hektolitern produziert man derzeit zwar noch nicht einmal ein halbes Prozent der nationalen Erzeugung ­ aber die Kehrtwende ist geschafft. Investoren haben inzwischen auch im Wein ein neues Betätigungsfeld gefunden, und Enologen erkannten, dass die Bodenbeschaffenheit an zahlreichen Stellen der Algarve dank ausreichend Kalk und vielen Mineralien geradezu ideal ist. Ideal ist auch, dass das Wort Algarve einen so wunderbaren Klang hat und dass man gleich vor der Haustür ein kaufkräftiges Klientel findet. Die lieben Residenten. Jetzt ist das Rennen unter den Enologen eröffnet, und zum Vorteil der Weinfreunde wird der Wettbewerb die hohe Qualität nur fördern. Renaissance bei Rosé Bei den weißen Weinen ist die knackige Verdelho-Traube der Renner. Sie wird auch von Sir Cliff Richard bevorzugt. Eine wahre Renaissance erleben die Rosé-Weine, bei Erzeugern wie Weintrinkern. Im Lande werden erst seit sehr wenigen Jahren hochklassige Produkte erzeugt, vielleicht weil sie so kompliziert zu keltern sind. Doch die Mühe lohnt sich: ,,Portugals bester Rosé” (so das größte Weinmagazin des Landes) kommt nicht vom Douro, nicht vom Alentejo ­ er kommt aus der Algarve: In seinem Weingut ,,Quinta do Barranco Longo” produziert Rui Virgínia einen exzellenten Roséwein, der schon höchste Premien errang. Winzer João Mendes produziert in der ,,Quinta do Morgado da Torre” in Alcalar bei Alvor gute Tropfen. An der Westküste versuchen sich einige Enologen ebenfalls in Rosé-Weinen, einige davon als Bioweine. Viel versprechend sind auch die Anstrengungen in der Quinta do Vale bei Estômbar. Bei Tavira gibt es ehrliche Tropfen, von fanatischen Freunden nicht nur in der Kneipe Fialho (Sítio do Pinheiro) genossen. Und auch im Tal des Rio Guadiana findet sich einige private Erzeuger, die wunderbare Rotweine direkt an Interessenten verkaufen. Einfach dem Schild ,,vende-se vinho” folgen. Da kann man nichts falsch machen. Versprochen.

ESA 1/09

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