Kapitalisierung der Kultur

In Lissabon steht die ,,Kapitalisierung der Kultur” auf dem Plan und die Balance, die Touristen, Anwohner und Investoren an einem solchen Ort finden müssen. Das betrifft auch den Veranstaltungsort Parque das Nações, für die Weltausstellung 1998 am Tejo-Ufer gebaut, wo zuvor teils verwahrloste Industrieanlagen der chemischen und der Ölindustrie den Boden kontaminierten. Das Areal wurde saniert, es entstanden Wohn- und Büroräume der Extraklasse, Freizeitanlagen, ein Yachthafen, ein Bahnhof und ein Einkaufszentrum. Bis heute ist der Bauboom ungebrochen: In wenigen Jahren sollen im Parque das Nações 25.000 Menschen leben. Wasser ist das Öl des nächsten Jahrtausends, als Bedrohung und als nützliches Gut. Ob Tsunamis oder über die Ufer tretende Flüsse (das passiert auch in Portugal), es scheint zu viel Wasser zu geben. Küstenregionen befürchten einen Anstieg des Meeresspiegels. Was aber fehlt, ist Trinkwasser, dessen Bedarf ständig steigt. Die Iberische Halbinsel ist besonders betroffen. Statistisch nimmt der Trinkwasservorrat in Spaniens Talsperren an jedem Nicht-Regentag um ein Prozent ab. Das spürt auch Portugal: Etwa die Hälfte des Wassers in portugiesischen Flussläufen, Seen und Talsperren hat seinen Ursprung in Spanien. Und beide Länder führen in Europa die Liste der Staaten mit dem höchsten Wasserverbrauch an. Seit 2005 haben fehlender Regen und Versteppung den portugiesischen Staat 820 Millionen Euro gekostet. Europaweit wurde in drei Dekaden über eine Milliarde Euro für Dürre-Folgen ausgegeben. Die Wassernot werde das Hauptproblem dieses Jahrhunderts, meint Fred Pearce, britischer Journalist und Umweltberater des Magazins New Scientist, in seinem neuesten Buch ,,Wenn die Flüsse versiegen”. Die Bestandsaufnahme beginnt bei jedem Einzelnen: Im Schnitt verbraucht ein Europäer rund 150 Liter Wasser am Tag. Für die Herstellung von einem Kilo Reis oder einem Liter Milch sind 2.000 bis 5.000 Liter Wasser nötig, in den Zutaten für einen Hamburger stecken 11.000 Liter, in einem Kilo Kaffeepulver 20.000 Liter Wasser. In einer marktorientierten Welt, so Pearce in einem Interview des California Literary Review, sollte der Preis für Wasser in den Industriestaaten dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgen. Nur dies erziehe zum sparsamen Umgang. Die Weltausstellung Expo 2008 im spanischen Saragossa vom 14.6. bis 14.9.2008 widmet sich dem Thema ,,Wasser und nachhaltige Entwicklung”. Portugal möchte dort innovative Ansätze zur Wasserwirtschaft für die Iberische Halbinsel vorstellen. Die Suchbegriffe ,,nachhaltig” und ,,Wasser” fördern zusammen im WWW rund 130.000 deutschsprachige Einträge zu Tage. Schwer, da Ernsthaftes von Sensation zu trennen. Die Fülle zeigt aber: Das Thema verdient Beachtung Die Homepage der www.waterfrontexpo.com zeigt 12 Fallstudien zum nachhaltigen Städtebau in Uferzonen. Das Institut für sozial-ökologische Forschung hat auf www.nachhaltigkeit-neu-denken.de Beiträge zu vielen Aspekten. Trinkwasserprojekte für die Zukunft schildert www.wasserstiftung.de. Experten aus Wasserwirtschaft und Abfallbeseitigung dokumentieren ihre Arbeit auf www.wasserstiftung.de. Die EU stellt ihre Politik unter http://ec.europa.eu/news/environment/ 070719_1_de.htm# dar. ,,Wasser in 400 chinesischen Städten knapp”; ,,Irak will Trinkwasserabkommen”: Schlagzeilen zeigen: Wasser kann, wie Öl, Kriegsgrund sein. www.toomuch cookies.net/archives/968/wasserknappheit-auch-in-europa.htm sammelt Texte und Links dazu und zu Wohlstandskapricen wie etwa Schneekanonen. Die neue Seite http://databases.eucc-d.de listet alle küstenbezogenen Veranstaltungen in Europa mit Links zu denselben. Die größte Schau in diesem Rahmen wird die www.zaragozaexpo2008.es

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