Wassermangel

Kostbare Flüssigkeit

Wasser gilt uns als alltägliches Gut und ist scheinbar immer und in unerschöpflichen Mengen zugänglich. Bei der Nutzung tritt die Wertschätzung in den Hintergrund. Doch nach diesem Winter, einem der trockensten der letzten 30 Jahre, geht das Gespenst der Wasser-Rationierung um

Farblos, geruchlos, geschmacklos, doch: Ohne Wasser kein Leben. Über zwei Drittel unseres Körpers bestehen daraus und zirka 75 Prozent der Erde sind mit Wasser bedeckt. Für die nachhaltige Entwicklung, die Intakterhaltung der Umwelt, die Gesundheit und die Beseitigung von Armut und Hunger hat die Verfügbarkeit von Wasser entscheidende Bedeutung. Deshalb erklärten die Vereinigten Staaten die Jahre von 2005 bis 2014 zur internationalen Dekade ,,Wasser ­ Quelle des Lebens”. Die Aktion beginnt am Welttag des Wassers, dem 22. März 2005. UN-Ziel ist, bis zum Jahr 2015 den Anteil der Menschen, die hygienisches Trinkwasser nicht erreichen und die Zahl derer, die keinen Zugang zu grundlegenden sanitären Einrichtungen haben oder es sich nicht leisten können, zu halbieren. Doch für die Algarve und dem Alentejo könnte die Wasserdekade keinen schlechteren Anfang nehmen, als der zu Ende gehende Winter. Als im vergangenen Oktober Umweltminister Luís Nobre Guedes von Wasserknappheit sprach und eine Wasser-Rationierung in der Algarve für möglich hielt, schimpften Politiker, Bürgermeister und Unternehmer, das Image der Region und des Tourismus´ werde beschädigt. Doch Nobre Guedes bewies Weitblick. Die Wetterwarte in Tavira, Portugals einzige meteorologische Station, die zum europäischen Datennetz des ECA&D (European Climate Assessment & Database) gehört, hat gemessen, dass zwischen Oktober und Dezember 2004 nur 40 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge des gleichen Zeitraumes der vergangenen 30 Jahren fielen. Der normale Wert für diese Jahreszeit wäre 245 mm Niederschlag, doch dieses Mal bliebe er bei unter 100 mm. Nuno Loureiro, Forscher der Universität der Algarve (UAlg), analysierte die Daten und erkannte, dass es ,,nicht nur immer weniger regnet, und deshalb der Erdboden auch immer weniger fähig ist, das Wasser auch aufzunehmen”. Über die letzten 63 Jahre ging die Niederschlagsmenge im Schnitt pro Jahr um 1,67 mm zurück. Dazu kommt, dass die Tagesdurchschnitts-Temperatur seit 1990 um 0,06 Grad gestiegen ist. Dieses Phänomen führt zur vermehrten so genannten Evapotranspiration; also Feuchtigkeitsabgabe mit allen meteorologischen, hydrologischen und botanischen Einflussfaktoren. Daraus ergibt sich ein niedriger Wassergehalt im Boden. Für die Landwirtschaft ist dies fatal, für die Zukunft drohe der Region die Versteppung, warnt Nuno Loureiro: ,,Notmaßnahmen müssen getroffen werden. Die Verbraucher müssen lernen, Wasser zu sparen. Kampagnen wie ,,Schließen Sie den Wasserhahn, während sie die Zähne putzen”, hören sich vielleicht naiv an, doch sie sollten aufrütteln. Für Loureiro hat der Bau des OdeloucaStausees keinen Vorrang. Wichtiger sei zu erforschen, wie der Erdboden mehr Wasser aufnehmen könnte, denn ,,Was nützen uns Stauseen, wenn es nicht regnet?”

Text: ANABELA GASPAR
ESA 03/05

Trockene Böden und leere Talsperren bedeuten weniger Wasser für Haushalte und Landwirtschaft. UAlg-Agronom Amílcar Duarte hält die Schäden an den Zitrusplantagen bereits für sehr groß: ,,Manche sind komplett ruiniert.” Im Januar beschloss das WasserversorgungsUnternehmen Águas do Algarve (AdA), das Wasser des Bravura-Stausees für den Sommer aufzubewahren. Seitdem werden die Bewohner der Region nur mit Wasser des OdeleiteStaussees und aus neun Bohrlöchern versorgt. Sollte der Wasserspiegel der Stauseen weiter sinken, wird auch die Wasserqualität abnehmen und, so Conceição Gago, bei der Regionalen Entwicklungskommission CCDR für die Wasserqualität zuständig, ,,nicht mehr für den Konsum geeignet sein”. AdA-Sprecher Artur Ribeiro sieht keinen Grund zur Sorge. Er will von Rationierung nichts hören. Sollte das Wasser der Stausseen nicht ausreichen, werde das alte WasserversorgungsSystem der Rathäuser, das aus 30 Bohrlöchern, besteht, wieder aktiviert. In einigen Gemeinden dürfte das nicht mehr möglich sein. Nach einem Rohrbruch zum Jahreswechsel 2003 saßen Teile von Portimão und Praia da Rocha tagelang buchstäblich auf dem Trockenen, weil das alte System nicht mehr an die allgemeine Versorgung angeschlossen ist. Águas do Algarve stellte beim Umweltminister vorsorglich einen Antrag für zwölf weitere Bohrlöcher in der Gegend von Benaciate bei Messines. Artur Ribeiro bittet lediglich, das Wasser nicht mit der Bewässerung von Gärten zu verschwenden. Für den schlimmsten Fall hat das AdA eine Lösung parat: ,,Wenn das Wasser nicht vom Himmel kommt, holen wir es aus dem Meer.” Ein Projekt zur Meerwasser-Entsalzung sei fast fertig. Im Alentejo ist die Situation äußerst ernst. Im Januar starben im Bezirk Mértola viele Tiere: Die Weiden waren ausgetrocknet, die Tränken leer. Die Bevölkerung wurde aus Tanks versorgt, das Wasser lief nur einige Stunden am Tag aus dem Hahn. Die bevorstehende Ernte wird ohne Zweifel einer der schlechtesten der letzten Jahren sein.

Der Mensch kann ohne Wasser nicht überleben und in westlichen Wohlstandsgesellschaften wird verschwenderisch damit umgegangen. Seit 1900 ist der tägliche Wasserverbrauch von 20 Litern auf 140 Liter gestiegen. Wir verbrauchen pro Tag im Durchschnitt: 40 L Wasser zum Baden oder Duschen 30 L Wasser zum Wäsche waschen 30 L Wasser für die Toilettenspülung 13 L Wasser für die Hygiene (z. B. Hände waschen) 12 L Wasser beim Geschirr spülen, 12 L Wasser für die Bewässerung der Garten- und Zimmerpflanzen Im Laufe des Lebens verbrauchen wir zwischen 55.000 L und 65.000 L Wasser, 140 L Wasser/Person am Tag ­ obwohl ein gesunder Mensch täglich nur ca. 2,5 L Wasser zum Überleben braucht. Davon werden ca. 1,3 L getrunken, 0,9 L mit fester Nahrung aufgenommen.

Wasserfakten – Die Erdoberfläche ist zu 72 % mit Wasser bedeckt. Davon sind 97% Meerwasser, 2,7 % Süßwasser und nur 0,3 % Trinkwasser. – Wasser ist die einzige Substanz auf der Erde, die gleichzeitig in den drei verschiedenen Zustandsformen fest, flüssig und gasförmig vorkommt. – Nach Sauerstoff ist Wasser die Substanz, die wir am meisten brauchen und der wir am wenigsten misstrauen. – Der Mensch besteht bei seiner Geburt aus ungefähr 97 % Wasser. Bei einem Erwachsenen beträgt der Wasseranteil nur noch ca. 63 %, da mit zunehmendem Alter der Körper verhärtet und sein Wasserbindungsvermögen schwindet. – 92 % des menschlichen Blutes besteht aus Wasser. – Das Gehirn setzt sich zu 90 %, die Muskeln zu 75 %, die Leber zu 69 % und die Knochen zu 22 % aus Wasser zusammen.Der durchschnittliche, erwachsene Körper enthält etwa 43 Liter Wasser. – Der Mensch trinkt pro Jahr ungefähr das Fünffache seines eigenen Körpergewichts an Wasser. Bis zu seinem Tod trinkt er etwa 25.000 bis 30.000 Liter Wasser. – Der menschliche Körper kann in der Regel nicht mehr als drei Tage ohne Wasser auskommen. 10 % Wasserverlust erzeugt schwere Mangelerscheinungen. Wasserverlust von über 20 % kann zum Tode führen. – Der menschliche Körper ist in der Lage, durch Oxidation von Zucker, Fett und Protein einen Teil seines eigenen destillierten Wassers zu erzeugen.

ESA 03/05

 

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