Buddha zwischen alten Bäumen

Portugals Könige machten das mittelalterliche Städtchen Óbidos ihren Gemahlinnen zum Hochzeitsgeschenk. Die Gegend war etwas Besonderes, was 500 Jahre alte Landhäuser wie die Quinta dos Loridos heute bis bezeugen: In ihrem Garten entsteht ein buddhistischer Park

Die gewaltigen Transportkisten, die vom Lissabonner Containerhafen nach Norden ins siebzig Kilometer entfernte Bombarral gebracht werden, kommen zwar aus China, haben aber keineswegs Nachschub für die zahlreichen fernöstlichen Billig-Geschäfte zum Inhalt. Es handelt sich bei der Fracht um Statuen aus Marmor und Granit: Buddha-Figuren, Säulen, Fabeltiere, Vögel, Tempelwächter, Drachen, Pferde ­ Elemente buddhistischer Ornamentik. Dreihundert davon werden zurzeit im Park der Quinta dos Loridos aufgestellt und der Garten entsprechend gestaltet. Die gesamte Anlage soll in diesem Sommer eröffnet werden, Spaziergänge durch den Garten sind schon jetzt möglich. Der Kunstmäzen José Berardo, einer der reichsten Männer Portugals, hat 1989 die Quinta dos Loridos Anlage mit Herren, eine haus aus dem 15. Jahrhundert, erworben. Mit seinem Sohn Renato gestaltete er Pläne für einen Park mit fernöstlicher Ruhe und Mystik. Berardo ließ bereits auf Madeira, seiner Heimat, einen Park anlegen, der zu den meistbesuchten Ausflugszielen der Insel zählt. Der Park in Bombarral soll der größte Orientalische Garten außerhalb des Orients werden. Die 75 Hektar große Quinta dos Loridos besitzt Jahrhunderte alte Bäume, Grünflächen und einen See. Auf dem Gelände werden derzeit die teilweise zehn Meter hohen Skulpturen so aufgestellt, dass sie sich harmonisch in die teils naturbelassene, teils von Gärtnern geformte Landschaft einfügen. Berardo hat jede Figur anfertigen lassen. Der Besucher betritt eine andere, für Portugal ungewohnte Welt: Chinesische Baumeister fertigen ein typisches Portal mit Lampions und verzierten Säulen, das den Weg zum See freigibt. Beeindruckend sind drei Pagoden, von denen eine bereits fertig und als architektonisches Meisterwerk zu bezeichnen ist: Der an einen Hang gelehnte Turmtempel besteht aus siebenunddreißig Bauelementen, von denen jedes auf sein benachbartes gestützt ist. Orientalische Botanik mischt sich mit dem Bewuchs des alten portugiesischen Gartens: Im Park sind 700 verschiedene Bambus-Arten und Süßgräser angepflanzt. Berardo, der für sein Mäzenatentum internationale Auszeichnungen erhielt ­ darunter den Orden der französischen Ehrenlegion ­ möchte, dass sich ,,die Gäste wie auf einer Reise durch Tibet oder andere Zentren des Buddhismus wie Indien oder Vietnam fühlen”. Der Garten soll ein Ort der Ruhe und Entspannung sein. Es komme nicht auf religiöse Grundstimmungen oder Ansprüche an. Berardo möchte aber erreichen, dass Menschen mit starrem religiösen Weltbild sich in der Atmosphäre des Orientalischen Gartens Gedanken über Sinn und Inhalt ihres Daseins machen. Die ruhige Schönheit der Parkanlage könne dazu beitragen, dass Menschen ,,wahrnehmen, dass wir im Grunde alle gleich sind”, so Berardo. Der Gedanke wird dadurch gefestigt, dass allen Besuchern am Eingang gleichgestaltete Umhänge mit orientalischen Mustern angeboten werden. Der Gast erreicht zuerst den See, an dem er über einen hölzernen Fußboden an Monumentalstatuen vorbeigeht. Holzbohlen oder gewalzte Wege führen durch den Park; Natur wird nicht durch künstliches Material überdeckt. Es gibt Plätze für ein Picknick, Teehäuser und ländlich belassene Zonen: Dort dominieren Weintrauben. 1480 ließen sich hier italienische Bankiers nieder, deren wirtschaftlicher Einsatz von König Dom Manuel I mit Ländereien belohnt wurde. Der restaurierte Bau des Haupthauses zeugt von italienischem Barock und neben ausgedehnten Obstplantagen liefern 45 Hektar Weinberge seit Jahrhunderten Trauben für edle Tropfen: Castelão, Fernão Pires, Merlot, Tinta Roriz, Chardonnay, Arinto, Alvarinho und Pinot werden seit fünfzehn Jahren vor allem zu einem viel gelobten Perlwein nach der Champagner-Methode verarbeitet. José Berardo ist stolz auf sein Projekt, zu seiner Investition schweigt er: ,,Geht es um Kultur, rede ich nicht über Geld”.

HENRIETTA BILAWER
ESA 6/06

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