Hoffnungsvolle Jugend

Bereits im vergangenen Jahr berichtete ESA über den Kayak Club Castores do Arade, der National und Europameister im Fließband hervorzubringen scheint (s. ESA 9/12). In diesem Monat könnte der Club in Mexilhoeira da Carregação in seine Chronik auch einen Weltmeister-Titel eintragen. Diogo Lopes wird bei den Kanurennsport-Weltmeisterschaften in Kanada teilnehmen

Mittwoch, 10 Uhr, 32 Grad. Während andere Jugendliche noch im Bett oder schon am Strand liegen und die Sommerferien genießen sind die Kanuten des Kayak Club Castores do Arade (KCCA) vor dem Clubhaus am Arade-Fluss in Mexilhoeira da Carregação für ihr Training versammelt. Auch mit dabei sind die sechsjährige Iara und der vierjährige Ianis, die jüngsten Mitglieder des Clubs und Kinder des Trainers Nuno Silva und der Kanutin Ana Bebiano, die ebenfalls schon fleißig trainieren. Ihr älterer Bruder, Iago Bebiano, 12 Jahre alt, nahm vor kurzem an der Regatta Judex in Mérida, Spanien, teil und war Zweitplatzierter im K1 200 Meter. Wie er sich fühlte als er auf dem Podest stand? „Sehr gut“, sagt er scheu. Iagos Ziel ist es, eines Tag Weltmeister zu werden. Er weiß, dass er dafür hart trainieren muss. In seinem Club mangelt es nicht an guten Beispielen, denen er folgen kann.

Diogo Lopes, seit Ende Juni amtierender Jugend-Europameister im K1 200 Meter, ist einer davon. Als ESA Diogo letztes Jahr zu seinem Sieg bei der Nationalmeisterschaft interviewte, zeigte er sich sehr zurückhaltend und scheu. Mittlerweile sind dem 18-Jährigen aus Mexilhoeira da Carregação Mikrofone und Kameras vertrauter und er erzählt, dass sich für ihn mit dem Sieg in Polen ein Traum verwirklichte. „Oft ist es hart“, erklärt er, „unsere Freunde gehen aus, treffen sich, während wir trainieren müssen. Aber wenn wir dann auf dem Podest stehen, hat sich jede Trainingsstunde gelohnt.“ Vom 1.8. – 4.8. repräsentiert Diogo Lopes Portugal bei den Junioren und U23 Kanurennsport-Weltmeisterschaften 2013 in Welland, Ontario, Kanada. „Ich fühle mich sehr wohl, aber ich weiß, dass ich mit den Besten weltweit in Konkurrenz treten werde“, sagt der bodenständige Jugendliche. „Aber natürlich würde ich liebend gerne Weltmeister werden und werde mein Bestes dafür tun“, fügt er lächelnd hinzu. Sein nächstes großes Ziel ist es, Portugal bei den Olympischen Spielen 2016 zu repräsentieren. „Die nächsten drei Jahre werde ich dafür hart trainieren“, sagt Diogo entschlossen.
Eine weitere erfolgreiche Kollegin von Iago ist Beatriz Reis. Die 15-Jährige aus Portimão wurde Anfang Juli zur Nationalmeisterin im K1 200 Meter gekürt und war Zweitplatzierte beim K1 500 Meter-Rennen. Ihre Liebe für diese Sportart entdeckte sie schon als kleines Kind. „Ich sah mir immer die Kanurennen im Fernseher an und wollte es unbedingt ausprobieren“, erinnert sie sich, „Aber mein Vater ließ mich erst, als ich schon richtig Schwimmen konnte“. Das ist nun zirka fünf Jahre her. Zu Beginn war sie in einem anderen Club. „Aber ich wollte ernsthaft trainieren und wechselte deshalb zu den Castores (Bibern)“. Der Wechsel und die harte Arbeit mit Trainer Nuno Silva haben sich definitiv gelohnt. Ab September besucht Beatriz die 10. Klasse. Sie hofft, dass es ihr weiterhin gelingt, Sport und Schule zu vereinbaren. Der „Biber“ Cristian Baies ist laut seinen Kollegen im K1 1.000 Meter-Rennen unschlagbar. Anfang Juli brachte er den Beweis dafür in die Algarve: Den Titel des Jugend-Meisters in dieser Kategorie. Der Moldawier darf jedoch Portugal nicht repräsentieren und nimmt daher nicht an internationalen Wettbewerben teil. „Es ist sehr frustrierend für mich, als Landesmeister nicht an internationalen Meisterschaften teilnehmen zu können“, erklärt der ruhige 18-Jährige. Seit über einem Jahr wartet er auf die portugiesische Staatsbürgerschaft. Sein Vater hat sie bereits erhalten. Für Cristian setzte sich auch der Vorsitzende der portugiesischen Kanu-Föderation ein. Bislang ohne Erfolg. Trotzdem gibt Cristian die Hoffnung nicht auf und trainiert weiter. „Ich bin noch jung und kann noch ein bisschen warten“, sagt er lächelnd. Aber seine blauen Augen spiegeln Traurigkeit wider.

ESA wünscht Iago, Diogo, Beatriz und Cristian sowie allen anderen „Bibern“ viel Erfolg für die Zukunft und bedankt sich dafür, dass sie sich während des Trainings Zeit für das Gespräch genommen haben.

Anabela Gaspar
ESA 8/13

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