“Wie geht´s mir?”

Folgender Vorfall hat sich kürzlich auf dem diplomatischen Glibber-Parkett ereignet. Auf dem G-211-Gipfel, bekannt auch als G-Schwätz. Da sind alle Länder vertreten. Einschließlich Helgoland, Legoland, Schlaraffenland und Taka-Tuka-Land.

Dort traf EU-Barroso auf Obama. Barroso nassforsch:
„Barri, alter Haudegen, wie gehts mir so?“ Ein kurzer Blick von Obama zu seinen vierundzwanzig Beratern, ein kurzes Flüstern in den Gehörgang des Präsidenten und dann:  „José, alter Heißsporn. Könnte dir besser gehen. Einer deiner Kollegen hat vor vier Minuten einen Freund angerufen.“
„Na und?“ meinte Barroso.
„Hat gesagt, er hätte deinen Stuhl angesägt.“
Barroso: „Oh. Na ja…, hab tierischen Schmacht. Was gibts denn hier zu Mittag?“ Ein weiter Blick von Obama an seine Runde, ein abermaliges Flüstern. Dann: „Das Labor telefoniert gerade mit deinem Arzt. Deine Blutwerte sind nicht so berühmt. Nimm besser die halbrohe Büffelleber. Gut fürs Blut.“
„Danke, Barri, danke!“, strahlte Barroso, „Und wie gehts dir so?“
„Spitzelmä…, äh…, spitzenmäßig. Spitzenmäßig! Danke.“
Nun kam David-Langohr-Cameron vom anderen Saalende angehetzt: „Ihr habt gerade übers Essen geredet. Ich hätte gerne Lachs. Nicht gekocht. Mariniert.“
„Ah!“, meinte Barroso, „Just mariniert, wie ihr Engländer ja auch zur Eheschließung sagt, aber warum sollte der Lachs denn gerade geheiratet haben?“
So launig gehts dort zu.
Was aber den Informationsvorsprung gewisser Leute betrifft, da gibt es neuerdings ein paar Leute, die auch da zu nörgeln haben. Alte Leute vorwiegend. So ab Fünfunddreißig.
In Berlin war sogar eine Demonstration gegen die alltägliche Bespitzelung angekündigt. Tatsächlich kamen auch jede Menge Busse mit Demonstranten. Das heißt, genau genommen waren es nur zwei Busse. Herr und Frau Busse mit ihren beiden Kindern. Wobei die Kinder nur Mitläufer waren. Jüngere Leute sehen Bespitzelung nämlich ganz wertfrei. So wie mein Neffe Tobias.
„Wieso? Problem? Mit Abhören? Für uns, die wir mit dem Babyphon aufgewachsen sind, ist das ein Grundbedürfnis.“
Eben! Warum sollte er auch mit Abhören ein Problem haben, wenn es die europäischen Regierungen nicht haben. „Auf dem Ohr sind die Eurokraten schwerhörig“, meinte Tobias. Das ist allerdings falsch. Untersuchungen durch unabhängige Ohrenärzte, durch Ohrolo­gen, haben ergeben, dass jene Politiker sogar sehr gut hören können. Mit anderen Worten: sie sind nicht schwerhörig, sondern hörig.
Aber die Wörter kann man schon mal verwechseln. Tobias ist sowieso gut im Verwechseln von Begriffen. Neulich meinte er: „Deine Schuhe sind bisschen angeschmutzt. Die musst du mal klagenfurten.“
„Wie bitte?“
„Äh…, ich meine, die musst du innsbrucken.“
„Ich soll was?“
„Ach! Nein. Wienern ist das Wort. Die Schuhe musst du wienern!“
Mir selbst kann ein derartiger Lapsus natürlich nicht passieren. Also erwiderte ich: „Pass du mal lieber auf, dass du deine Latschen nicht verbernst…, äh…, verzürichst…, Quatsch…, die sollst du nicht verbaseln…!“
So läuft die Kommunikation mit meinem Neffen. Kann man da erwarten, dass er lauschmäßig auf der Höhe der Zeit ist? Kann man nicht.

Und so verbreitet er auch manchmal drollige Rätsel über das mächtigste Langohr der Welt:  „Spitz die Augen, lass die Ohren leuchten!“, meinte er zu mir. „Hörst du das Rumoren in der Erde?“
„Erdbeben der Stärke 4,5“, vermutete ich.
„Falsch. Wenn es stimmt, dass sich jemand aus Verzweiflung in seinem Grab umdrehen kann…, dann ist das Mutter Teresa, die sich dort wie ein Ventilator dreht…, aus Verzweiflung, wer mit ihr alles einen Friedensnobelpreis bekommen hat.“
Aber wie gesagt, Tobias ist sowieso lauschmäßig nicht ganz auf der Höhe der Zeit.
Cleverer ist da mein Freund Gottfried. Er hat immer gute Geschäftsideen, aber nicht genügend Kapital, um die danach lechzende Welt selbst damit zu versorgen. Jetzt hat er gehört, dass bei der ganzen Lauscherei auch Industriespionage betrieben wird. Das war seine Chance. Er telefonierte also mit der Fahrplanauskunft. Gleich am Anfang benutzte er eines der  gefährlichsten US-Wörter und hoffte, dass sich die Spezialisten einklinkten. Also sprach er schön deutlich „Krankenversicherung“ und dann seine Idee: „Handys für Hunde und glutenfreie Mobilfunktarife.“
Kann gut sein, dass die Dinge übermorgen bei Walmart, Carrefour oder Lidl angeboten werden.
Manchmal ist Gottfried allerdings auch ziemlich gemein. Irgendwo hat er gelesen, dass man die fremden Horcher hin und wieder mit etwas füttern muss, was deren Hirn, dem menschlichen Daten-Feudel, Aktivität abverlangt. Irgendwas, worauf sie sich keinen Reim machen können. Verwirrung stiften. Im Januar wählte er die Nummer der Telefonseelsorge, sagte deutsch aussprechend „Wickilieks“ und dann: „Eine Uhr, die vor geht, stimmt niemals. Eine Uhr, die steht, stimmt immerhin zweimal am Tag. Alles klar?“
Die armen, verschwitzten Leute in Virginia wälzen heute noch 
Entschlüsselungstabellen.

Text: Jochen Krenz
klausdieter.s@clix.pt
ESA 5/14

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