U – Be – We

Mal eine Frage: Kennen Sie ein Wesen, das immer macht, was es will? Ein Wesen, das uns so manchen Schabernack spielt, das sich immer im ungünstigsten Augenblick meldet, das sich verdünnisiert, wenn man es brauchen könnte und das uns sogar in der Nacht erschreckt?

„Der Hund“, sagen jetzt vielleicht einige.
„Mein Mann“, spekuliert vermutlich die eine oder andere Ehefrau.
Alles falsch. Jedenfalls ein bisschen. Gemeint ist das UBeWe, wie es der Fachmann nennt. Der Laie sagt dazu „das Unterbewusstsein“. Und unter Kennern ist es tatsächlich so etwas wie ein Tier. Aber mehr Schwein als Hund, weil es sich im Schlamm unserer Seele herumsuhlt. Das echte Schwein kann man zudem sehen, hören und riechen. Und essen.
Kann man mit dem UBeWe alles nicht machen. Dafür besitzt es einen unerschöpflichen Vorrat an Dingen, welche wir nicht brauchen. „Aha“, sagt jetzt vielleicht jemand, „dann ist das UBeWe sowas wie das KaDeWe!“ Ein bisschen. Nur, dass es mehr im Unter- oder Hintergrund wirkt. „Ach! So wie die ähnlich klingende UBS?“
Kommt auch nicht ganz hin. Das ist nicht so einfach. Deshalb mal ein Beispiel:
Ein ehrlicher Abgeordneter des Euro-Parlaments liegt an der schönen Algarve am Pool auf der Liege und bereitet eine Rede vor. Das Handy klingelt und wie üblich fragt jemand: „Wo bist du gerade, was machst du gerade?“ Also antwortet Geheimrat Ehrlichmann: „Bereite meine Rede vor. Liege hier am Pool auf der Lüge…, äh…, Liege, Liege…“
Zack! Schon hat das UBeWe zugeschlagen, das kleine, hinterhältige Luder, das Verräterwiesel. Wird von uns genährt und gepäppelt und plötzlich schlägt es zu.
Am besten kann man das hinterlistige Wesen immer noch mit einer uralten Story schildern. Uralt, aber aktueller denn je: Ein Psychiater will das Unterbewusstsein eines Patienten erforschen. Er zeichnet auf ein weißes Blatt Papier einen kurzen Strich.
„Was sehen Sie hier?“, fragt er.
„Eindeutig ein Paar bei der Liebe.“
Nun setzt der Arzt einen Punkt aufs Papier. „Und was sehen Sie nun?“
„Auch ein Paar bei der Liebe.“ Also malt der Doktor einen kleinen Kreis und stellt dieselbe Frage.
„Das ist ja schon wieder ein Paar bei der Liebe“, staunt der Patient.
„Ihr Unterbewusstsein“, staunt der Psychiater…, also Sie denken ja wohl nur an Sex!“
„Wieso ich? Sie sind es doch, der die ganzen Schweinereien malt!“, entrüstet sich der Patient.
Und der Mann hat recht. Denn auch der Seelenklempner hat ein UBeWe, das im unbrauchbarsten Moment herausgeschlüpft kommt.
Davon gibt es eine weitere Geschichte. Auch diese ist nicht neu, aber noch aktuell. Zeigt übrigens auch, dass das UBeWe sogar beim Schlafen nicht schläft:
„Mein Mann ruft im Traum immer ›Sabine, Sabine‹“, berichtet eine äußerst attraktive Patientin.
„Na und, freuen Sie sich doch, dass er auch im Unterbewusstsein an Sie denkt“, lobt der Psychiater.
„Aber ich heiße Claudia.“
„Na umso besser“, lenkt der Doktor ein, „kein Grund zur Aufregung, dann sind Sie ja gar nicht gemeint. Mach hundert Beischlaf…, äh…, hundert bei…, also mit hundert Euro sind Sie dabei.“ Und wieder hat das UBeWe zugeschlagen, und zwar doppelt. Allerdings sind dies noch eher harmlose Geschichten.
Ein anderer Fall offenbart uns, dass das Unterbewusstsein lebensgefährlich werden kann.
„Soldat Friedemann“, sagt der Richter, „erklären Sie doch einmal, warum Sie Ihren Spieß erschossen haben!“
„Der Spieß wollte ein Gruppenfoto von uns Rekruten machen. Mit Gewehr. Dann sagte er ›So, jetzt macht mal Cheese‹. Und da hab ich geschossen. Was sollte ich machen? Wenn der den Cheese-Befehl gibt?“ Genau. Da hat er halt schieß gemacht. Wobei hier allerdings der Übergang vom UBeWe des Rekruten mit seinem durchaus üblichen, unterschwelligen Hass auf den Spieß zu ganz normaler Dusseligkeit fließend ist. Das ist nämlich auch ein Problem des Unterbewusstseins: man weiß nie, wo sich das Biest eingenistet hat und welcher menschlichen Eigenschaft es sich bedient: Hass, Neid, triebhafte Gelüste, Gier, und was es alles an menschlichen Schwächen gibt. Wir selbst kennen sie unter Umständen noch nicht einmal, aber das UBe-Wiesel kennt sie alle und spielt mit uns Blinde Kuh.
Also ist mal eine Warnung angebracht. Auch wenn wir das Gefühl haben, das UBeWe sei im Bermudadreieck unserer Seele verschwunden: das täuscht. Es lauert nur. Und zwar auf eine Gelegenheit. Falls also mal wieder die Steuerfahndung ins Haus kommt: schnell das Unterbewusstsein knebeln. Nicht, dass Sie zu den Steuerfritzen sagen wollen „Ich weiß von nichts“ und das UBeWe drängelt sich vor und tönt aus Ihrem Sprechorgan „Ich schweiz von nichts“.
Jochen Krenz
klausdieter.s@clix.pt
ESA 8/13

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