Der beste Freund des Menschen

Jetzt wird’s kompliziert. Eigentlich stimmt nämlich die Überschrift nicht. Für deutsche Augen. Gemeint ist Der beste Freund des Mannes. Aber da im Lateinischen und Portugiesischen Der Mann und Der Mensch identisch sind, also homo oder homen, stimmt die Überschrift dann doch wieder.

Soweit zu den Spitzfindigkeiten. Aber wo wir schon einmal dabei sind, Gehirnschweiß abzusondern, vielleicht noch ein schwieriges Rätsel: Frage: Warum nehmen Männer oft eine Frau mit in ihr Bett? Antwort: Weil das Auto da nicht reinpasst. Und so sind wir auch endlich beim Thema. Der beste Freund des Mannes ist nämlich das Auto. Das kam bei einer Umfrage der Zeitschrift Autoerotik heraus. Die Frage lautete: Was oder wen würden Sie am liebsten auf eine unbewohnte Insel von der Größe einer Tischtennisplatte mitnehmen: A) Frau, B) Hund, C) Kiste Bier, D) Auto, E) Buch? Antwort D schoss den Vogel ab, kurz vor C, während E, das Buch, aber immerhin einen gesunden 5. Platz erzielte mit ungefähr 0,7 %. Jetzt wird vielleicht der eine oder andere fragen: „Kann das sein?“ Es kann sein. Bei Licht betrachtet, bietet das Auto nämlich viele Vorteile. Es springt auf Knopfdruck an, widerspricht nicht, hat keine Migräne, es bellt nicht, man kann es nicht verschütten und Eselsohren bekommt es auch nicht. Deshalb demonstrieren manche Männer ihre Zuneigung gegenüber dem Töff-Töff auch dergestalt, dass sie ihm einen eigenen Namen geben. Gute Namen! Während die Namensgebung bei Menschen schwierig ist und eher zufällig geschieht – wer weiß denn von einem Baby namens Friedlieb, ob der Junge später nicht den Beruf des Diktators erlernt? – hat der Name bei Autos und Tieren schon eher eine Bedeutung. Ich kenne jemanden, der hat seinem Hund den Namen „Niagara“ gegeben. Weil diesem angesichts jedes Leckerbissens der Speichel in Strömen fließt. Und seinen Porsche nennt er Harald. Nach Harald Juhnke. Weil das Auto so viel schluckt. Apropos Namen: Verdächtig ist es allerdings, dass so viele Autobegriffe in eigentlich unverdächtigen Wörtern versteckt sind. Zum Beispiel im Wort „Autopsie“. Gut, das ist vielleicht nachvollziehbar, wenn man gewisse Leute rasen sieht. Dann ist da die Redewendung „…wir fahren gen Italien“. Darin steckt das verräterische Wort „Genitalien“. Ob der Besitzer eines Ford Capri diese Redewendung erfunden hat? Sollte man darüber vielleicht mal nachdenken? Eigentlich nicht. Zumal das Nachdenken im Gegensatz zum Gasgeben oder Autowaschen nicht unbedingt die erste Wahl bei vielen Auto-Fundamentalisten ist. Gerade für jene ist die Welt nämlich klein. Garage und Autobahn. Und der Motorsport ist extrem simpel. Als Gewinner beim Autorennen – wobei die nicht rennen, sondern fahren – muss man einfach früh Gas geben und spät bremsen. Doch nun kommt es knüppeldick für die Vierrad-Fundis. 15. Juni! Der „Autofreie Aktionstag“ in Europa. Die Folge: verwaiste Städte, leere Autobahnen und flennende Männer. Als wäre das nicht schon Problem genug, teilt sich der 15. Juni in diesem Jahr den Feiertag mit dem „Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen“, mit dem „Global Wind Day“ und dem „Internationalen Tag der Musik“. Ohne Quatsch. Fällt diesmal alles auf den 15. Juni. Also was tun, ohne sich zu zerreißen? Da gibt’s nur eins: Am Sonntag den kranken Opa im Rollstuhl auf der leeren Autobahn zu einem Windpark schieben. Dabei ein Lied trällern. Aber kein Lied von Modern Talking, das würde dem Grundgedanken „gegen die Misshandlung älterer Menschen“ widersprechen. Jedenfalls ist es mal gut, dass das Auto wenigstens an einem Tag des Jahres in seine Schranken verwiesen wird. Wo es doch schleichend, von vielen unbemerkt, alle Bereiche des Lebens erobert hat. Sogar das Berufsleben: da gibt es den Autodidakten. Das ist jemand, der dem Auto Lesen und Schreiben beibringen muss. Andere wiederum schreiben Bücher darüber, was ihre Karre so alles angestellt hat. Das ist dann eine Autobiografie. Hat übrigens sogar Otto Rehagel geschrieben. Wird behauptet. In Wirklichkeit handelte es sich dabei aber um eine Ottobiografie. Nicht so schön ist es dagegen, dass es Menschen gibt, die einen Hass auf das eigene Fahrzeug empfinden und dass die Autoaggression sogar als Krankheit anerkannt ist. So weit zur Satire und nun zur satirefreien Zone. Die besten Geschichten schreibt nämlich immer noch das Leben. Hab ich in Deutschland erlebt. Verkehrsnachrichten beim Regionalsender. Dann die Durchsage: „Deutschland fährt fair!“ Anschließend die Meldung, wo Radarfallen stehen. „Wie bitte? Ach, daher weht der Darmwind!“ Fair. Kommt von gefairlich. Oder? Ich meine: entweder ich fahre fair, oder ich brauche die Radarfallen-Warnung. Aber das merken die PS-Fundis beim Verkehrsfunk gar nicht mehr. Was die Auspuffgase so alles anrichten können!

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