Anna Nass

Mal ein Oktober-Rätsel: Am 9. Oktober 1846, im Zeichen der Waage, im dritten Hydranten mit Aszendent Gewürzgurke, wurde der berühmte Erfinder Julius Maggi geboren. Frage: Was hat er wohl erfunden?


Kleiner Tipp: Es war nicht das von innen beleuchtete Stopfei.

Trotzdem wird es zum runden hundertachtundsechzigsten Wiegenfest von Julius Maggi mal Zeit, die Tüftler zu würdigen.

Und da stellt sich nun ganz geschmeidig eine weitere Frage. Warum setzen sich einige Erfindungen durch, nach anderen kräht schon nach kurzer Zeit kein Schwein mehr?

Nehmen wir mal die Temperatur. Seit sie von Anders Celsius erfunden wurde, ist sie praktisch überall gegenwärtig. Sogar im Iglu oder Wigwam bei Ureinwohnern, welche das Wort gar nicht aussprechen können.

Dagegen ist es um eine andere Erfindung ziemlich ruhig geworden. Um das oben erwähnte beleuchtete Stopfei. Obwohl es unser erster Kanzler Konrad Adenauer erfunden hat. Vielmehr: weil er es erfunden hat. Der gewitzte Leser wird bereits den Unterschied gemerkt haben und sich zu dem emotionalen Exzess in Form des Ausrufes „Aha!“ hinreißen lassen.

Mit Recht. Da liegt nämlich der Hase im gemachten Bett! Immer wenn Personen zufällig so hießen wie ihre Erfindung, haben die Produkte und der Ruhm des Erfinders überdauert. So konnten besagter Anders Celsius, Robert Diesel, Ernst Litfaß oder Karl Toffelsalat ihre Sachen über die Jahre retten. So gesehen war es reines Pech von Konrad Adenauer, dass er nicht Konrad Stopfei hieß; oder dass er nicht zufällig das beleuchtete Stopfadenauer entdeckt hatte.

Jetzt wird vielleicht jemand fragen: „Wie funktioniert das eigentlich, dass man etwas entdeckt, welches wie man selbst heißt?“

Das ist leicht erzählt. Am Beispiel eines Amerikaners.

Name: Samuel Colt. Der saß um 1830 irgendwo im Wilden Westen, im Schatten unter einer Ananaspflanze, und grübelte: „Was kann ich denn heute mal erfinden? Was braucht der friedfertige Amerikaner am dringendsten? Vielleicht einen Colt!“ Und so hat er ihn einfach erfunden.

Hin und wieder kommt es aber auch mal vor, dass berühmte Erfinder gar nicht immer so hießen wie ihre Entdeckung. Das wird bei der Erfinderin der oben erwähnten Ananas vermutet:
Anna Trocken saß zum Zwecke
der Erholung auf der Decke,
als ihr Dackel Etelhart
ihr ans Schinebein pinkeln tat.
Seit dieses wurd’ bekannt
wird sie Anna Nass genannt.

Zufall, dass gerade sie die Ananas entdeckte? Vielleicht.

Sie hätte sich natürlich auch umbenennen können, so wie das ein anderer berühmter Erfinder gemacht hat. Berthold Schieß. Er erfand um 1350 das Schießpulver. Als er merkte, was er angerichtet hatte, ärgerte er sich darüber allerdings schwarz und nannte sich fortan Berthold Schwarz.

Auf der anderen Seite gibt es auch Erfinder, die den leichten Weg gewählt haben. Also rein namenstechnisch. Weil nicht jeder Michel Made heißen und die Made in Germany erfinden kann. Diese Schlaumeier haben einfach drauflos erfunden, irgend etwas, und haben es dann nach sich selbst oder Freunden getauft. Gottlieb Daimler beispielsweise. Nannte sein Auto Mercedes. Nach der Tochter eines Freundes. Da können wir heilfroh sein, dass sie nicht Lore hieß. 
„Hol doch mal die Lore aus der Garage“ könnte missverstanden werden. Adam Opel wiederum fand seinen eigenen Namen total toll. Gut, dass er nicht Kotzcynzky hieß. 
Oder Osama.
Um die Verwirrung komplett zu machen, täuschten manche Erfinder aber auch mit ihren Namen lustig herum. So erfand ein gewisser Manfred Curry nicht etwa die Currywurst – diese erfand eine Dame mit einem völlig falschen Namen, nämlich Herta Heuwer im Jahre 1949 – sondern Curry erfand eine Klemme für Leinen auf Booten.

Daran kann man sehen:

Auch hier wie überall
verwechselt man schon mal.

Dass die Verwechslungsgefahr vor allem bei Erfindungen riesengroß ist, sieht man daran, wie der Name entstanden ist.

Das war so: Irgendwo in einer Höhle hat sich ein in Felle gehüllter Schimpansen-Nachfahre das Alphabet ausgedacht. Sechsundzwanzig Buchstaben. Er legte die Buchstaben auf den Felsen. „Schreck lass nach, grunz. Nur fünfundzwanzig, grunz, grunz!“ Einer fehlte. Der Befellte bückte sich, und da fand er es. Das „R“. War runtergerutscht. Seitdem nennen sich solche Leute R-Finder, oder vereinfacht Erfinder. Das kann übrigens – dies mal am Rande – kein Chinese gewesen sein, der seit jeher r-mäßig auf dem sterbenden Schwan reitet und sich dort Elfindel nennt. Das ist Pech. Und kompliziert. Vor allem bei Banküberfällen: „Hände hoch. Das ist ein Laubübelfall.“ 

Kann er sich beschweren, wenn der Kassierer ihm einen Sack mit gemischtem Herbstlaub überreicht? Kann er nicht.

Eines Tages aber wird ihm vielleicht bei einem neuerlichen Raub zufällig ein „R“ untergeschoben. Dann ist auch der Mann aus dem Reich der Mitte ein echter R-Finder und kein Kopieler mehr.
Text: Jochen Krenz
klausdieter.s@clix.pt
ESA 10/14

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