,,Das sag ICH dir!”

Auf das Phänomen bin ich durch meinen Kumpel Gottfried gestoßen. Wir sahen in den Nachrichten, wie Umweltschützer einen gestrandeten Wal retten wollten. Da meinte Gottfried: ,,Den kann einer alleine gar nicht tragen. Das sag ICH dir!” Und das sagte er so, als hätte er gerade die Relativitätstheorie erfunden. Ich war beeindruckt! ,,Äh…, ja…, heißt ja auch…, wer den Wal hat, der hat die Qual”, stammelte ich zunächst, und dann: ,,Dazu STEHE ich!” Nun war Gottfried beeindruckt. Weil es nämlich nicht darauf ankommt, was man sagt, sondern wie man es sagt. Das WIE gibt der Sache Gewicht. ,,Well roared, lion”, sagt Shakespeare dazu. ,,Halt”, wird jetzt vielleicht jemand einwenden, ,,das nervt, das Englische, kann man’s nicht auch in Deutsch schreiben?” Doch. Stimmt. Deutsch klingt sowieso besser, und sieht auch geschrieben besser aus. Das weiß man seit 1965. Seit die Rollingschtons Combo das Lied Ei ken get no Sädisfäktschn ins Micro brüllte. Aber das nebenbei.

Tatsache ist, dass das geistige Gewicht durch die Verpackung entsteht. Mal ein Beispiel. Oder um es GEWICHTIGER auszudrücken: HIER wird Ross und Reiter genannt. Also Tatort EU-Parlament. Wichtiges Thema auf der Tagesordnung. Die Sardinenquote. Und wer war dabei? Wer gab seinen Senf dazu? José Barroso. An sich belanglos. Und die Formulierung ,,er war dabei”, hörte sich auch so an: belanglos. Stimmte aber. Deshalb hieß es in der Pressemitteilung: ,,Bei der Verhandlung schaltete sich Barroso ein”. Er schaltete sich ein! Das klingt nach was! Da laust mich doch der Affe! Obwohl…, ,,schaltet sich ein”…, klingt eher nach Maschine. Affenmelkmaschine oder so. Aber egal. Im Allgemeinen kratzt das kein Borstentier. Hauptsache, es klingt gut. Gut klingen muss es auch immer im zweitältesten Gewerbe der Welt. Im ShowGewerbe. Dazu zunächst eine Frage: Was unterscheidet Schausteller und Schauspieler? Richtig. Der Schausteller heiratet ­ wenn überhaupt ­ einmal. Der Schauspieler andauernd. Aber nicht einfach nur so. Er heiratet auch zum siebzehnten Mal, träräää(!): ,,DIE LIEBE MEINES LEBENS!” Alle Besserwisser wissen es natürlich besser: ,,Die beiden passen zusammen wie der Igel zum Arschwischen” oder ,,Ja, ja…, wieder mal das Ergebnis eines Mittagessens aus der Flasche”. Der Star widerspricht selbstredend: ,,Wir sind wie die Turteltauben!” Und er hat recht! Nach vielleicht zwei Wochen stellt sich sogar heraus, dass sie nicht nur die Turteltauben waren, sondern auch die Turtelblinden. Sonst wär’ das nicht passiert. Aber nicht hören reicht in der Szene nicht, wenn es um die Verbindung mit dem Second-HandPartner geht. Man muss auch nicht sehen können. Deshalb sollen Prominente angeblich dazu übergehen, den Ehepartner zu leasen. Natürlich jeweils ,,DAS GESCHÄFT MEINES LEBENS!” Schade, dass sie nicht auch noch die Turtelstummen sind. Was IMMER gut klingt, das sind Zitate. Müssen nicht stimmen. Sich nur gut anhören. Etwa während eines kleinen Ehekonflikts, zwischen zwei fliegenden Tellern: ,,Hab ein Zitat für dich. Interdisziplinär, interkulturell, religionsübergreifend.” ,,Hä???” ,,Schon Lao Tse sagt, ‘Wer einen Nagel in die Wand schlägt und keine Uhr daran aufhängt, der kann trotzdem frieren!’. Denk DA mal drüber nach!” Schon ist der Streit vergessen. Ehe gerettet. Teller auch! Es ist schon toll, wie man in der deutschen Sprache mit einfachsten Mitteln aus der Laus den Dino machen kann. Genau so schön ist es, dass es auch andersrum geht. Aus dem Wal den Hering machen. Bei bescheidenen Menschen passiert das manchmal. Zum Beispiel, wenn ein Staatsmann was mit einem siebzehnjährigen Mädchen hat. ,,Man kann doch mal einen Zahlendreher haben. Hab gelesen, sie wär’ einundsiebzig!” Oder wenn sich jemand eine Promotion ergaunert: ,,Wie…, Promotion? Hab gedacht, ich soll eine Provokation schreiben! Mann kann doch mal ein Fremdwort verwechseln.” Die beste Geschichte dazu kommt aber aus dem Transportwesen. Ein Lkw-Fahrer wird an der Grenze angehalten: ,,Haben Sie was geladen?” ,,Nein. Absolut nichts.” ,,Öffnen Sie mal den Wagen.” Zum Erstaunen der Zollmöpse steht da ein Elefant, unter dem Bauch und auf dem Rücken jeweils ein halbes Brötchen angeklebt. ,,Na und”, meint der Fahrer, ,,man wird doch noch ein belegtes Brötchen mitnehmen dürfen!” Genau! Das sag ICH Ihnen.

klausdieter.s@clix.pt
ESA 4/11

 

 

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