Satire – Qrz & knab

Qrz & knab

Nein. Nicht das, was Sie jetzt bei ,,Kurz & knapp” vielleicht denken. Hat nichts mit dem französischen Präsidenten und der Fürst-Lady im knappen Kostüm zu tun. Dann hieße es ja auch: Der Kurze und die Knappe. Nein, das verkürzte ,,kurz & knapp” hat überhaupt nichts mit Politik zu tun. Im Gegenteil. Politik ist ja mehr für ,,lang und nix” bekannt. Sie kennen die alte Anekdote? Ein Politiker fragt seinen Kollegen: ,,Was hast du gestern eigentlich in deiner langen Rede gesagt?” ,,Nichts.” ,,Das ist mir klar. Aber wie hast du’s ausgedrückt?” Das ist natürlich ein Vorurteil. Wo jeder weiß, dass Politiker gegen Geschwafel so immun sind wie der Russe gegen Vodka. So geht es auch im normalen Leben zu. Kurz & knapp. Manchmal extrem kurz. ,,Herr Ober, in meiner Suppe schwimmt ein Hörgerät!” ,,Hä?” Sehen Sie? Ein einziger Satz und ein Grunzlaut. Aber: und nun kommt’s! Diese neun Wörter erzählen uns eine ganze Geschichte. Die Geschichte von einem Gast, der Pech hat, von einem älteren Kellner, der immer noch arbeiten muss, und das, obwohl er harthörig ist. Faszinierend, oder? Witze können sowas. Hier noch einer. Kurz, aber dafür auch schlecht. Trotzdem: Es sind nur drei Sätze und die erzählen uns ein ganzes Familien-Drama. ,,Herr Graf, ich kündige meine Stelle als Dienstmädchen, ich möchte heiraten.” ,,Ja, glauben Sie denn, das Sie es da besser haben?” ,,Besser nicht, aber öfter.” Oder hier die Tragödie vom telefonierenden Fernfahrer: ,,Chef, es wird später, der Außenspiegel vom Lkw ist verstellt.” ,,Dann richte ihn gerade, du Idiot.” ,,Geht nicht, der Lkw liegt drauf.” ,,Dann pack wenigstens die Ladung auf den Hänger.” ,,Würd’ ich ja, aber ich komm nicht ans Feuer.” Für diese Story würde ein Jurist 27 Seiten schreiben. Und ein Politiker eine halbe Stunde reden. Mindestens. Mehr als solch eine lange Rede verraten uns manchmal auch die fünf Wörter eines Lied-Titels. Schon 1984 hieß ein Song von Queen ,,I Want To Break Free”. ,,To break” heißt ja bekanntlich ,,brechen”, also vulgärübersetzt: ,,Ich möchte mich freikotzen”. Da möchte man gar nicht wissen, was dem armen Freddy Mercury damals in München alles passiert ist. Übertroffen wird dieser Titel nur noch vom intelligentesten deutschen Karnevalslied. Nur acht Wörter! Die erzählen uns aber ein ganzes Lebensdrama: ,,Er heißt Waldemar, weil es im Wald geschah.” Was soll man dazu sagen? Außer, dass das Wort ,,geschah” in diesem Zusammenhang nichts mit dem gleich klingenden japanischen Begriff ,,Geisha” zu tun hat. Und auch nichts mit dem friesischen Satz ,,geh’scha ganz krumm”. Aber das nur nebenbei.

Jedenfalls: mit kurzen Sätzen ganze Geschichten erzählen, das hat was! Noch besser sind nur einzelne Begriffe, die uns sofort des Pudels Kern verraten. Nehmen wir den modernen Begriff ,,Public-Viewing”. Besser und kürzer als ,,Da-wo-jede-MengeVerschwitzte-glotzen-und-brüllen”. Besser und kürzer wäre nur der Begriff ,,Massenglotzen”. Gut, es sind gleich viele Buchstaben wie ,,Public-Viewing”. Trotzdem spart man Zeit. Weil man keinen Bindestrich mitsprechen muss. Aber nochmal zur Politik. Wie wir alle wissen, ist unseren gewählten Vertretern das Schwasy völlig fremd, das Schwafelsyndrom. Keinen Bock mehr? Zack, Brocken hinschmeißen, fertig. Die Rücktritteritis hat sogar den Bundespräsidenten erwischt. Traurig. Historisch allerdings zum Fingerlecken: Das erste Mal in der Geschichte der Neuzeit, dass ein Spitzenpolitiker gehen musste, weil er versehentlich die Wahrheit gesagt hat. Aber der knappe Abgang hatte Stil. Telefonat mit der Kanzlerin: Horst Köhler: ,,Horst geht.” Angela Merkel: ,,Oh.” Geht doch! So soll es sein: Immer das Pulver flach und den Ball trocken halten. Noch besser wäre nur dies gewesen, um keinen Schwafelverdacht aufkeimen zu lassen: Postkarte, Präsidenten-Marke anschlecken, rauf, fertig. Pfiffig, wie die Kanzlerin ist, wäre sie sofort drauf gekommen, dass auf der Marke auch kurz und bündig ,,Horst geht” steht. ,,Ist doch klar zu erkennen wie die erste Zeile einer Augentest-Tafel”, hätte sie dann der Opposition erklärt. ,,Aber wieso ist die Unterschrift so dunkelrot?” Da ist nun Jürgen-rettet-den-Wald-esst-mehrSpechte-Trittin Fachmann: ,,Keine Tinte. Rotwein.” ,,Hä?” ,,Im Wein liegt Wahrheit.” So geht’s zu in der Politik. Horst geht. Der Ernst auch. Wie sagt wieder Konfusius? Geht der ernste Ernst hinaus, dringt sofort der Spaß ins Haus. Genau. Und zwar mit einem Witz. Nur drei Zeilen. Über die Tragödie schreiben andere ein ganzes Buch: ,,Mein bester Freund Markus ist gestern mit meiner Frau durchgebrannt.” ,,Seit wann ist er denn dein Freund?” ,,Seit gestern”.
Jochen Krenz klausdieter.s@clix.pt

 

,,Furchtbar nette Leute”Band II
von Klaus-Dieter S. ist erhältlich über unserem Verlag Editurismo zum Preis von 8 zuzüglich Porto: Portugal 2, EU 5.

ESA 09/10

Share.

Comments are closed.