Satire – Der Affe fällt nicht weit vom Stamm

Der Affe fällt nicht weit vom Stamm

Als aufgeklärter Mensch halte ich natürlich gar nichts von Witzen auf Kosten von Minderheiten. Dieser hier ist besonders schlimm. Deshalb gebe ich ihn auch wieder: Zwei Blondinen sitzen im Auto und fahren an einer Wiese vorbei, auf der eine andere Blondine im Gras versucht, mit einem Boot zu rudern. ,,Siehst du”, sagt die eine im Auto, ,,solche wie die sind es, die unseren Ruf ruinieren.” ,,Genau”, sagt die andere, ,,wenn ich schwimmen könnte, würde ich rüberschwimmen und der dummen Kuh dafür eine scheuern.” Übel. Hier wird eine Minderheit ­ in diesem Falle die Kuh ­ mit uns Menschen verglichen. Aber was kann die arme Kuh dafür, dass es Menschen gibt, die taub wie eine Nuss und blind wie ein Huhn ohne Korn sind. Hat sie das verdient? Wer versorgt uns denn mit der Milch, dem Weißbier der Alm? Wer liefert die Fladen als Hauptbestandteil des gleichnamigen Brotes? Und wer sorgt für so wunderbare Vorsilben in Begriffen wie Ku-ng fu, Ku-rtisane oder Ku-gelschreiber. Die Kuh! Deshalb ist es endlich angebracht, dass wir einmal gründlich unsere tierischen Freunde ehren. ,,Tu ich doch”, werden Sie jetzt vielleicht sagen, ,,zum Christfest habe ich eine polnische Mastgans eingeladen.” Gut…, das ist ein feiner Zug, zumal Liebe durch den Magen geht. Aber reicht das? Es reicht nicht! Das können wir der Katze in den Scheitel schmieren! Was sagt ein Lappe, der 12 Rentiere besitzt? ,,Das rentiert sich.” Wem es dagegen schon lange reicht, das sind die Tiere. Nicht genug, dass wir ungefragt ihren Namen in Begriffen wie ,,respektieren” oder ,,Ratiergummi” gebrauchen. Sowas sollte unterbleiben. Auch tierische Redewendungen sollten wir respektvoll unterlassen. Ich zum Beispiel würde nie welche gebrauchen. Dabei haben mich Tiere schon immer begleitet. Bereits in meiner frühesten Kindheit bin ich von 58 einem klappernden Storch gebracht worden. Danach lag ich bis zur Einschulung auf einer sechsjährigen Bärenhaut. In meinem Dorf war ich oft das schwarze Schaf, wusste aber, wie der Hase läuft und hatte meistens ein paar Kröten im Portemonnaie. Mein liebstes Tier war das Schwein, das ich hatte, weshalb ich Klippfisch heute den Vogel abgeschossen habe und wie die Made im Speck dort lebe, wo der Hund begraben liegt, wo aber kein Hahn nach mir kräht. Sowas! Da laust mich doch der Affe und brat’ mir einer `n Storch! Ein Recht, beleidigt zu sein, hätten die Tiere aber. Oder ist es etwa richtig, dass sich manche Menschen ein Tier um den Arm binden, ein Cartier? Oder dass sie zum Tier werden, wenn sie nichts mehr zu tun haben, zum Privatier? Halbwegs einsichtig ist es dagegen, dass der Mensch zum Tier mutiert, wenn er im Hotel einen Bückling imitiert. Dann nennt er sich Portier. Sie sehen: Mit dem Tier wird ganz schön viel Schindluder getrieben. Und das, obwohl es gar keines namens Schindluder gibt. Sonst gäbe es längst in besseren Restaurants Schindluderfilet in Rotweinsauce. Wie nützlich Tiere sein können, habe ich übrigens selbst erfahren. Meine Freundin Lisa meinte, ich sollte mir für meinen Labtop mal eine vernünftige Maus kaufen. Habe ich auch gemacht. Ich hätte aber nicht gedacht, was die so wegfrisst. Ganz schön teuer. Trotzdem hat sie aber letztlich die Haushaltskasse entlastet. Weil Lisa seitdem weg ist. Und sie bleibt weg. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Seit ich die Maus habe, weiß ich aber wenigstens, wie man Tiere glücklich machen kann. Mit Musik. Doch Vorsicht! Auch da gibt es Grenzen. Das zeigt diese Geschichte: Im Urwald sitzt ein Mann und spielt wunderbar Geige. Langsam gesellen sich Affen, Gazellen, Zebras, Leoparden und einige junge Löwen im Halbkreis dazu, lauschen gespannt und warten, was da kommt. Schließlich kommt er: Ein uralter Löwe. Der schaut einmal kurz, ein Prankenhieb, und um den Geiger ist es geschehen. Sagt der eine Affe zum anderen: ,,Siehst du, was ich gesagt habe. Wenn der Taube kommt, ist es mit der Fiedelei vorbei.”
Klaus-Dieter S. klausdieter.s@clix.pt

Ohne dass wir es bemerken, sind wir von etwas umgeben, dass der Lateiner hortus bestiarium nennt. Was so klingt, ist jetzt nicht etwa der Bundestag, eine Aktionärsversammlung oder ein Fußballstation. Es ist der Zoo. Aber da wir schon beim Fußballstation sind: Auch da gibt es ein interessantes Tier. Dazu ein Rätsel. Was passiert, wenn einer dieser Randalier-Fußballfans eine Fliege verschluckt? Antwort: Dann hat er mehr Hirn im Magen als zwischen den Ohren. Womit ich die Fliege jetzt keinesfalls beleidigen wollte.

,,Furchtbar nette Leute”Band II
von Klaus-Dieter S. ist erhältlich über unserem Verlag Editurismo zum Preis von 8 zuzügl. Porto: Portugal 2, EU 4 oder im Pingo Doce/ Cafeteria in Lagos

ESA 12/08

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