Satire – Kaum noch Schafe in Afghanistan

Kaum noch Schafe in Afghanistan

Nehmen wir mal folgenden Fall an: Tatort Pullach: BND. Jene Behörde ist dafür bekannt, dass sie in der Schlange ganz vorne gestanden hat, als der Liebe Gott die Intelligenz verteilt hat. Blöderweise haben sie aber einen chinesischen Undercover-Agenten hingeschickt, Lang Lei Tung, den Agenten 0071/2. Und der hat ,,hiel” gerufen, wurde nicht verstanden und kam nicht an die Reihe. Pech. Trotzdem ist 0071/2 beschäftigt worden, und zwar erfolgreich: ,,Chef!!! Hab den Verdächtigen erledigt. Abserviert!” ,,Waaaas? Du solltest ihn observieren, du debile Triefnase, nicht abservieren!” Wesentlich intelligenter geht es beim US-Geheimdienst zu, bei der CIA. Logisch, heißt ja schon so: ,,Central Intelligence Agency”. Auch dort meldete sich ein Agent bei seinem Ober-Spion. Im Außendienst, in Kabul: ,,Alles klar Chef. Gibt kaum noch Schafe in Afghanistan.” ,,Was soll der Scheiß?” ,,Wieso Scheiß? Sie haben mich doch als Schafschützen angeworben!” ,,Nicht als Schafschützen, du Hammel! Als Scharfschützen!” Warum ich Ihnen das erzähle? Weil es traurig ist, dass unser Leben manchmal von einem einzigen Buchstaben beeinflusst wird. Von einem, den man weglässt, verwechselt oder versehentlich einfügt. Das kann böse enden. Bedauerlicherweise sind selbst Wissenschaftler diesem Phänomen hilflos ausgeliefert. Zum Beispiel die Professoren der Universität Leverkusen. Die haben kürzlich herausgefunden, dass ein Gen die Ursache für Fettleibigkeit ist. Das hätte ich ihnen auch sagen können. Auch, dass sie einen Buchstaben vergessen haben. Die Ursache ist das Zum-Kühlschrank-Geh’n. Nun ist es aber so, dass das Ein-Buchstaben-Unglück nicht etwa neu ist. Schon in meiner Kindheit hat Peter Frankenfeld folgende Geschichte erzählt: Ein Herr Schindler verkaufte einem Mann einen Jagdhund. Einen Schweißhund. Leider stellte sich aber heraus, dass er weder jagte noch schwitzte. Deshalb schrieb der Jäger einen Brief an den Hundezüchter: ,,Geehrter Herr Schindler! Das ,,w”, dass in Ihrem Namen fehlt, hat der Hund zu viel!” Das war im letzten Jahrhundert! Muss man sich da wundern, dass die Leute mittlerweile dazugelernt haben? Muss man nicht. Manche versuchen nämlich neuerdings nicht nur mit der Änderung eines Buchstabens Schindluder zu treiben, sondern sogar mit Zahlen. Was sagen Sie zu diesem Geldschein, den mir ein fliegender Händler ­ der bald ein sitzender Händler sein wird ­ andrehen wollte?

Das heißt, die Zahl ,,50″ war intelligent gemacht, aber dass auf der Rückseite ,,fuffzich” geschrieben war, das entlarvte den Schein dann doch als plumpe Fälschung. Auch wenn mit ,,Adenauer” unterschrieben war. Nun werden Sie vielleicht denken: ,,Gut, im Deutschen und mit Zahlen, da kann dergleichen passieren. Aber das wars dann auch!” Weit gefehlt! Selbst im Englischen ist der EinBuchstaben-Teufel unterwegs. Ich habe mal einen jungen Demonstranten gesehen, der wollte für Frieden, also ,,Peace” demonstrieren. Weil ihm der letzte Buchstabe verrutscht ist, demonstrierte er aber für Pfirsiche. Auch gut. Und mancher Student fragt sich schon: Wie raucht man die? Ganz schlimm ist es, wenn nicht nur ein Buchstabe verwechselt wird, sondern gleich mehrere. Dadurch ­ das wissen nur Eingeweihte ­ hat im Sommer die SPD ihren Vorsitzenden verloren. An seinem letzten Amtstag sagte Kurt Beck im kleinen Kreis: ,,Ich bin Kurt Beck.” Steinmeier verstand aber ,,Ich bin kurz weg”, und schwupps, war der Pfälzer weg vom Fenster. Blöd, wenn man nuschelt. In der Politik ist es sowieso brutal, wenn man Buchstaben verwechselt oder vergisst. Ein Buchstabe geht noch: ,,Ich liebe Schwein” statt ,,Schwerin”, das ist nicht so schlimm. Aber in Berlin soll sich da was zugetragen haben… Der CDU-Rebell Friedrich Mai traf Frau Merkel mit ihrer männlichen Führungsriege. Eigentlich wollte Mai nur ,,Mahlzeit” sagen. Dummerweise hat er aber paar Buchstaben verwechselt und gesagt: ,,Sieh da…, die Kanzlerin mit ihrer Bande von Speichelleckern.” Sowas ist Pech. Kann aber mal passieren, dass man was verwechselt. Mir natürlich nicht. Jedenfalls nicht so wie dem armen Mai, der sich da nicht gerade mit Rum bekleckert hat. Mit Glück schickt man ihn zum irren Arzt. Mit Pech wird er verbrannt. Nach Sibirien. Erst einmal sollte Mai aber vom Agenten 0071/2 Lang Lei Tung beschattet werden. Dummerweise ist aber seine Tarnung aufgeflogen. ,,Tut mir leid, Chef. Aber der hat gefragt, wer hier so komisch riecht.” ,,Ja und?” ,,Ich sollte doch als verdreckter Ermittler arbeiten.” ,,Nicht als verdreckter, du Soja-Würstchen, als verdeckter.”

Klaus-Dieter S. klausdieter.s@clix.pt

ESA 11/08

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