Satire – ,,Ölf, zwölf, drölf”

,,Ölf, zwölf, drölf”

Wenn man mal gespitzten Auges in die Welt lauscht, fällt eines auf: überall steht der Hannibal der Pädagogik vor der Tür. Früher hieß es von Lehrern oder Eltern: ,,Du kriegst gleich den Satz des Pythagoras. Und zwar hinter die Löffel!” Wo solcherart rohe Gewalt herrschte, durfte man sich da wundern, dass Kinder alles Mögliche schlugen? Purzelbäume, Lärm oder sich gegenseitig? Ja, durfte man. Heute ist es anders: ,,Warum Prügel, wenn nicht auch pädagogischer Essensentzug, Isolationshaft oder Spielverbot hilft?” Und es hilft tatsächlich: Ein kleiner Junge spielt mit der elektrischen Eisenbahn. ,,Alle einsteigen, Kinder nach hinten, Männer in die Mitte, Schlampen nach vorne.” Am nächsten Bahnhof dasselbe: ,,Kinder nach hinten, Männer in die Mitte, Schlampen nach vorne.” Das hört die Mutter in der Küche und schimpft: ,,Das heißt »die Frauen nach vorne«. Eine Stunde Spielverbot!” Nach der Stunde spielt der Junge weiter: ,,Einsteigen! Kinder nach hinten, Männer in die Mitte, Frauen nach vorne.” ,,Siehst du”, sagt die Mutter, ,,geht doch!” Fährt der Junge fort: ,,Und wegen der Schlampe in der Küche haben wir jetzt eine Stunde Verspätung.” Ganz modern und eine Demonstration überlegener menschlicher Pädagogik ist das Imitationslernen. Das Nachmachen. Auf einem Wissenschaftskongress berichtet ein Tierforscher aus Mailand stolz: ,,Wir haben weiße Mäuse so konditioniert, dass sie auf einen Klingelknopf drücken, wenn sie etwas zu essen haben wollen.” Währenddessen im Labor: Eine der weißen Mäuse sieht eine Feldmaus: ,,Komm her”, ruft sie, ,,wir haben die Weißkittel dressiert. Die bringen uns Essen, sobald wir klingeln!” Wie kann das sein? Wer erzieht hier wen? Meine Freundin Lisa hat dazu ihre eigene Theorie: ,,Na ja…, italienische Forscher…, wenn man in Rimini manche Männer und ihr Denkzentrum sieht…, kann das Zufall sein, dass im Wort »Genitalien« das Wort »Italien« enthalten ist?” Schlimm! Hier werden Vorurteile gepflegt! Immerhin denkt man doch bei der PisaStudie ­ die blöderweise an eine Stadt mit einem schiefen Turm erinnert ­ an unsere Freunde südlich der Alpen. Und daran, wo der Grips steckt. Nämlich nördlich der Alpen. In Bayern. Die Bayern liegen in Schlau-Tests immer so weit vorne wie der Speck vor der Maus. Dank der Bildungspolitik der CSU. Stoiber hat die Leute schlau gemacht. So schlau, dass sie jetzt nicht mehr CSU wählen. ,,Mach deine Kinder nicht klug, sonst kommen sie dir dumm”, sagte man früher bei uns im Dorf. Am besten lernen Kinder aber immer noch dadurch, dass wir Erwachsene ihnen kluge Tipps geben. Das habe ich bei meinem Neffen Tobias gesehen, als er bei mir Steine geschleppt hat.

Viele Erwachsene behaupten, Kinder würden heutzutage nichts mehr lernen und gingen auch nicht gerne zur Schule. Falsch! Ich habe einige Jugendliche befragt: ,,Was waren deine drei schönsten Jahre?” Viele antworteten wie aus der Pistole geschossen: ,,Das erste Schuljahr!” Und was das Lernen betrifft: Die meisten können sogar fließend ,,ölf, zwölf, drölf” zählen und die Abschluss-Biologiefrage ,,Aus welchem Ende scheißt der Hund?” beantworten. Außerdem sind sie extrem arbeitsfreudig. Auf die Frage ,,Kommst du mit zur Wein-lese?”, hört man fast immer ein spontanes ,,Gerne, aber ich wusste gar nicht, dass der Wein lesen kann.” Nimmt es da Wunder, dass es in Deutschland sogar einen Verstandsüberschuss gibt? Wie…, glauben Sie nicht? Doch. In einer Anzeige des Umweltministers habe ich gelesen: ,,Heizen Sie mit Verstand!” Wahnsinn! Also ich kenne es, dass man mit Kohle oder Öl heizt…, aber mit Verstand? Da muss es in einem Land schon sehr viel davon geben, wenn man ihn verbrennen kann. Andererseits wird’s aber wohl auch einige geben, die jämmerlich frieren müssen. Trotzdem, es gibt diesen Verstandsüberfluss und deshalb hier ein kleiner Test: Sie stehen in einem Raum mit einer Badewanne. Die Wanne ist voll Wasser und Sie bekommen wahlweise einen Eimer, eine Tasse oder einen Teelöffel und die Aufgabe, die Wanne möglichst einfach zu leeren. Was würden Sie machen? Nun, haben Sie’s? Sie können diesen Test mal bei einer behaglichen Geburtstagsfeier machen lassen, während Sie sich eine Kanne Rotwein aufsetzen und lustig den Zitatenkenner mit lateinischen Wasserzitaten rauskehren: ,,Manus manum lavat ­ eine Hand wäscht die andere, ha, ha, ha”. Ich kenne Ihre Haut zwar nicht, aber ich möchte nicht drin stecken, wenn alle anderen nass sind und Sie wie eine Möwe oder Bargeld lachen und gleichzeitig die Badewannen-Lösung verraten: Am einfachsten zieht man den Stöpsel.
Klaus-Dieter S.

 

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ESA 08/08

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