Satire -Öl & Feuer

Öl & Feuer

Franz ist ein Bekannter von mir und ein herzensguter Mensch. Und er weiß alles. Behauptet er jedenfalls. Vor allem aus der Tierwelt. Deshalb heißt er überall Franz-der-forsche-Froschforscher. ,,Franz”, fragte ihn mein Neffe Tobias, ,,wieso heißt die Giraffe Giraffe? Ich brauch’ das für die Schule.” ,,Ist doch logisch”, meinte er, ,,das ist einfach ein Schreibfehler. Früher hangelte sich der Langhals wie ein Schimpanse von Baum zu Baum und grapschte mit dem Maul nach allem, was hoch war. Deshalb machte ihm der liebe Gott den Hals noch länger und nannte ihn Gier-Affe.” Tobias schrieb die Antwort auch brav auf und der Lehrer schrieb ihm eine Fünf darunter. Und wieder einmal war meine Theorie bestätigt: Es gibt Dinge, die sind für sich genommen wunderbar. Also hier auf der einen Seite der nette Franz und auf der anderen Seite ein wissensdurstiges Kind. Aber man sollte sie niemals zusammenkommen lassen. Das ist, als würde man Affen mit Rasierklingen spielen lassen. Darauf ruht kein Segen. Jetzt werden Sie sagen: ,,Gut…, Einzelfälle.” Doch halt: Sie tappen in die Falle des Irrtums. Leider wimmelt unser Alltag von solchen Öl & Feuer-Beispielen. Der traurigste Fall ist uns sogar allen selbst geläufig. ,,Um wen mag es da gehen?”, werden Sie jetzt vielleicht grübeln. Ich will es mal so sagen: Der eine sieht in Bochum morgens um acht aus wie ein Pott voll Mäuse und in den Ferien in der Algarve ist er drollig wie der Märzhase. Und der andere sieht in Bochum morgens um acht aus wie ein Pott voll Mäuse und in den Ferien in Thailand ist er drollig wie der Märzhase. Nun…? Richtig: der Lehrer und sein Schüler. Solange sie sich nicht sehen, sind sie die glücklichsten Menschen der Welt. Aber wenn man sie auf einander loslässt… Puhhhh! Hagel und Granaten! Glücklicherweise gibt es aber auch noch ein paar Dinge, die zueinander passen. An erster Stelle fällt mir da die Intelligenz der Menschen ein. Gepaart mit klugem Kaufverhalten. Beispiel: Düsseldorf im MedienMarkt. Kevin K. will ein Handy kaufen. Ihm gefällt das deutsche. Mit dem kann man fotografieren, internetten und spielen. Sogar telefonieren. ,,He, Mediamensch”, fragt Kevin den Fachmann, ,,kann man damit auch Kaffee mahlen?” Kann man nicht. Kann man aber mit dem teureren, japanischen Exemplar. Also kauft der gar nicht blöde Kevin das japanische Handy. Allerdings hat er keine Kaffeebohnen. Er verabscheut Kaffee. Aber er hat nun ein Handy, das Bohnen mahlt, und sein Kumpel nicht. Kann der sich auch nicht leisten, weil er von Siemens entlassen wurde, weil die keine Handys mehr bauen. Wegen der gierigen Manager. Sehr gut passen auch kluge Männer und Frauen mit viel Grips zusammen. Ohne mich loben zu wollen: Das habe ich selbst erlebt. In meinem Lieblingscafé saß eine attraktive Frau mir gegenüber, mit einer auffälligen Schrift auf dem T-Shirt.

Da stand nun aber nicht, was ich wovon abziehen sollte. Also hab’ ich mich nicht weiter drum gekümmert, tolerant wie ich bin. Stichwort: Toleranz! Vor allem wenn die Frau tolerant ist, passen Männer und Frauen gut zusammen. So wie bei meiner Cousine Heidi und ihrem Mann, die vor kurzem Silberhochzeit hatten. Eine Bilderbuchehe! Zur Silberhochzeit genehmigte sie ihm sogar eine Flasche Bier. ,,Das soll jetzt aber nicht heißen”, meinte sie dabei, ,,dass du alle 25 Jahre ‘ne Flasche Bier kriegst.” Am allerbesten sind aber Klugheit und blonde Frauen vereinbar. Das beweist dieser Vorfall: Ein Anwalt sitzt in einer Kneipe bei einer blonden Frau. ,,Ist schon was dran, dass Ihr Blondinen blöd seid. Ich will’s dir beweisen. Du stellst mir eine Frage und ich dir eine. Wenn ich es nicht weiß, gebe ich dir zweihundert Euro. Wenn du es nicht weißt, musst du mir wegen deines intellektuellen Handikaps aber nur zehn Euro zahlen. ,,Gut”, sagt die Blondine. ,,Was sieht aus wie eine Gurke, ist aber rot und wenn es friert wird es flüssig und gelb und kann fliegen?” Der Anwalt überlegt und überlegt und schließlich flucht er: ,,Verdammt, weiß ich nicht. Hier hast du deine zweihundert Mäuse. Und was ist das nun?” ,,Weiß ich auch nicht”, sagt die Frau, ,,hier hast du zehn Piepen.”
Klaus-Dieter S. klausdieter.s@clix.pt

,,Oh, eine Frau mit Latein-Kenntnissen”, dachte ich, strahlte wie ein Mondkalb, grinste wie ein Honigkuchenpferd und nickte eifrig. Daraufhin drehte sie sich um und zeigte mir die Rückseite.

,,Furchtbar nette Leute,,
Band II
von Klaus-Dieter S. ist erhältlich über unserem Verlag Editurismo zum Preis von 8,00 zuzügl. Porto: Portugal 2,00, EU 4,00 oder im Pingo Doce/ Caféteria in Lagos

ESA 12/06

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