Satire – Freunde-Inflation

Freunde-Inflation

Kennen Sie diese Anekdote?! Helmut Kohl traf in der Bundestagshalle Dr. Lieblingsfeind Biedenkopf. ,,Äh…”, sagte Biedenkopf verlegen, ,,ich hab kein Kleingeld. Könnten Sie mir 20 Pfennig für’s Telefon leihen? Ich muss einen Freund anrufen.” ,,Klar”, meinte Kohl, ,,ich kann Ihnen sogar 40 Pfennig leihen, dann können Sie alle Ihre Freunde anrufen.” Das war mal. Geschichte. Damals herrschte menschentechnisch gesehen Iglu-Klima. Und es soll wirklich Menschen gegeben haben, die kaum Freunde hatten. Heute ist das zum Glück anders. Überall kuschelt die Waldorf-Liga und die Menschen können sich vor ihren Freunden kaum retten. Also positiv gesehen. Es gibt sogar Zeitgenossen, die fühlen sich zum anderen Geschlecht hingezogen. Das habe ich bei meinem Bekannten Norbert festgestellt. Norbert ist 32, hat den Kühlschrank, die Bierkiste und das Sofa als Freunde. Er lebt noch bei Mutti, hat aber ein eigenes Zimmer mit lauter Schmusedecken. ,,Norbert”, habe ich ihn mal gefragt, ,,willst du dir nicht mal eine Freundin anschaffen? Weiblich. So eine richtige Frau.” ,,Eine Frau?”, staunte er, ,,ganz für mich alleine? Wieso? Hab doch meine Schmusedecken.” Und jetzt sah ich ihn tatsächlich mit einer Freundin. ,,Nix mehr mit Schmusedecken?”, neckte ich ihn. ,,Ja…”, nuschelte er kleinlaut, ,,so eine Freundin ist doch ganz praktisch. Fusselt nicht so.” Das klingt nach Liebe. Trotzdem: Mit einer einzigen mitmenschlichen Beziehung liegt Norbert noch nicht so richtig im FreundeInflations-Trend. Aber jeder fängt mal klein an. Selbst Kim Schmitz hat mal klein angefangen. Wie…? Sie haben noch nie was von Kim Schmitz gehört? Der war vor paar Jahren der Deutsche mit den meisten Freunden. Logisch: Wer ehrlich, freundlich und charakteredel ist, der hat eben viele richtige Freunde. Zufällig war Kim Schmitz aber auch noch stinkreich, was aber mit seiner Viel-Freunderei rein gar nichts zu tun hatte. Die hunderte von echten Freunden haben ihm immer geholfen und ihn stän78 dig besucht. Vor allem, als er pleite war und im Knast saß. Das heißt…, vielleicht nicht direkt alle…, aber so zwei oder drei…, dafür aber regelmäßig. An jedem 29. Februar. Echte Freunde gehen nämlich gemeinsam durch dick und dünn. Und sie halten in der Not zusammen. Auch darüber gibt es eine Anekdote: Zwei gute Freunde schlendern mit Wanderschuhen durch die Savanne. Plötzlich taucht hinter ihnen ein Löwe auf. In fliegender Hast öffnet der eine Mann seinen Rucksack, zieht ein Paar Turnschuhe heraus und wechselt die Schuhe. ,,Bist du verrückt?”, brüllt der andere. ,,Glaubst du, mit Turnschuhen bist du schneller als der Löwe?” ,,Was interessiert’s mich, ob ich schneller als der Löwe bin”, erwidert der Freund. ,,Hauptsache, ich bin schneller als du!” Deshalb hat Bernhard K. nur Freunde, die sich keine Turnschuhe anziehen können. Natürlich war ich über die Statistik rechtschaffen traurig, stempelte sie mich doch als Trauerkloß ab. Zur Sicherheit fragte ich aber einen Freund: ,,Glaubst du, dass 90 % der Frauen über sich selbst lachen?” ,,Klar”, meinte er und machte mir Mut, ,,die haben auch allen Grund dazu.” Die besten Erfahrungen mit menschlichen Freunden hat aber mein Neffe Tobias gemacht. Er hat jede Menge Freunde. Und wenn er in der Schule mal auf dem Schlauch steht, flüstern sie ihm die Antwort vor. Das hat er vor den Ferien erst wieder bei einem Test zu schätzen gelernt. Drei Fragen hatte ihm der Lehrer gestellt: 1. Wann fand der 1. Weltkrieg statt? Antwort: ,,Vor dem 2. Weltkrieg.” 2. Wie lange dauerte der Dreißigjährige Krieg? Antwort: ,,Ganz schön lange.” 3. Wie heißt einer der größten Flüsse der Welt in Südamerika, leider umweltbelastet? Antwort: ,,Urinoco.” Sagenhaft: alles von seinen Freunden eingeflüstert und bis auf einen lächerlichen Buchstaben korrekt. Da sag noch einer was gegen Freunde!
Klaus-Dieter S. Klausdieter.s@clix.pt

,,Handverlesene Freunde!”, triumphiert er. ,,Eltern und Verwandte kann man nicht aussuchen. Freunde schon.” Trotzdem können auch menschliche Freunde ganz hilfreich sein. Das habe ich selbst erfahren. In einer Zeitschrift namens ,,Laura” las ich folgendes: ,,Frauen haben mehr Humor als Männer. 90 % der Frauen können über sich selbst lachen, aber nur 77 % der Männer.”

,,Furchtbar nette Leute,,
Band II
von Klaus-Dieter S. ist erhältlich über unserem Verlag Editurismo zum Preis von 8,00 zuzügl. Porto: Portugal 2,00, EU 4,00 oder im Pingo Doce/ Caféteria in Lagos

ESA 08/06

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