Da wird der Hund in der Pfanne verrückt

Wieder einmal bin ich ausgerutscht und voll auf die Fontanelle geknallt. Ausgerutscht auf dem Parkett der deutschen Sprache. Dabei meinte ich es nur gut.

,,Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!”, hatte ich gerufen, was ja als Ausdruck freudigen Erstaunens eine durchaus gängige Redensart ist. Nicht so günstig war, dass ich das im Chinarestaurant angesichts des üppigen Büfetts gesagt habe. Flink wie ein Windhund auf der Flucht vorm Koch war der Wirt da: ,,Nix Hundchen wau-wau, sein Huhnchen gack-gack!” Dabei war er drauf und dran, mir die Essstäbchen über den Scheitel zu ziehen. Da hätte ich Dösel aber auch vorher dran denken können, dass die Söhne aus dem Reich der Mitte mit dummen Vorurteilen zu kämpfen haben. Vor allem mit dem, dass in ihrer Küche mehr Dobermänner als Chinamänner zu finden sind. Das Parkett der deutschen Sprache ist aber auch einfach zu glibberig. Was darf man überhaupt noch sagen? Zu allem Überfluss machen sich dann auch noch gemeine Menschen in Witzen über das Dilemma lustig. Ein Beispiel: Markttag. Ein Ehepaar betrachtet skeptisch einige unbekannte, radieschenähnliche Früchte. ,,Die werden importiert, also eingeführt”, erklärt die Marktfrau. ,,Siehst du”, sagt der Mann zu seiner Frau, ,,du hättest sie natürlich wieder gegessen.” Was, zum Teufel, darf man also noch sagen? Und als wäre dies Problem nicht schon schlimm genug, wird es noch schlimmer: Wer darf was sagen? Ein Eldorado für Missverständnisse. Nehmen wir mal das Schillerzitat ,,Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.” Ein harmloser Satz. Wenn sich nun aber der alte Ganovenjäger Eduard Zimmermann zu dem Zitat hinreißen ließe…, das wäre schon irgendwie makaber. Ein anderes trauriges Beispiel: Ärztestammtisch. Nach einem lustigen Abend verabschieden sie sich. Der Urologe sagt: ,,Ich verpiss mich jetzt.” Der Augenarzt: ,,Wir sehen uns.” Der Gynäkologe: ,,Und grüßt eure Frauen. Ich schau mal wieder rein.” Manchmal kann es sogar richtig gefährlich sein, wenn man nicht beachtet, wer was sagt: Ein Ausländer ruft bei der Deutschen Bahn an. ,,Da liegt ein Gleis auf dem Bahndamm”. ,,Na und”, schimpft der Bahnbeamte, ,,gehört da auch hin”, und knallt den Hörer auf. Nach ein paar Minuten ruft der Chinese abermals an: ,,Jetzt haben sie den almen alten Mann übelfahlen!” Sowas ist von Übel. Die Spitze des Verhängnisses , weil es für uns selbst böse enden kann, ­ist aber die dritte Glatteisstufe auf dem Germanistikparkett: wer was zu wem sagt. Damit hat mein Neffe Tobias eine leidvolle Erfahrung gemacht. Vor einem Flug von Hamburg nach Faro warnte ich ihn: ,,Sei auf der Hut. Da fliegen heute manchmal Proleten mit, die hätte man früher noch nicht einmal in die U-Bahn gelassen. Die sind laut, aggressiv, vulgär und trinken viel.” Wie es der Zufall wollte, standen vor ihm beim Check-in-Schalter zwei Paare, auf die passte meine Beschreibung wie der Faust zum Gretchen. Oder? Tobias war sich nicht ganz sicher. Also fragte er lieber höflich: ,,Entschuldigen Sie, sind Sie Proleten?” ,,Hä?”, brüllte einer, ,,Soll ich dir die Murmel weghauen, Flachwichser?” ,,Na ja”, meinte Tobias kleinlaut, ,,ich dachte sie wüssten das.” Das hätte buchstäblich ins Auge gehen können. Dabei war die Frage eigentlich harmlos. Nur eben an die falsche Adresse abgeschickt. Selbst Lob kann manchmal nach hinten losgehen, wenn man es an die falsche Adresse schickt. ,,Neue Besen kehren gut!” Das ist für manche Menschen mit einem neuen Job sowas wie eine Seligsprechung, nur dass sie noch leben. Wenn den Satz aber ein junger, aufstrebender CDU-Abgeordneter zu Frau Merkel sagen würde, wäre das nicht so günstig. Sie würde die Sache mit dem Besen vielleicht wieder auf ihre Frisur beziehen. Die Folge: Der CDU-Bubi könnte sich seine Karriere von der Backe wischen. Glücklicherweise kann man aber auch mit der deutschen Sprache Gutes für sich selbst bewirken. Mit einem richtigen Wort im richtigen Moment zur richtigen Person kann man sogar imponieren. Am meisten beeindrucken Zitate. Das wirkt immer. Morgens nachlesen, abends zitieren: Erst die Quelle präsentieren: ,,Matthäus 12, Vers 34″. Dann das Zitat rausschleudern: ,,Wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über”. Das sagen Sie dann auf der Weihnachtsfeier zu Ihrem Chef, wenn er sich gerade übergeben muss. So macht man Karriere!

Klaus-Dieter S.
klausdieter.s@clix.pt
ESA 3/06

 

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