Satire – Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt !

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt !

Ein Ruck geht durch Europa! Haben Sie’s auch gespürt? Schluss mit Miesmacherei. ,,Positive Energie” heißt die Devise. Dabei gab es auch schon im letzten Jahr jede Menge positive Meldungen, die im täglichen Einerlei fast untergegangen wären, wenn…, ja, wenn ich Ihnen nicht die wunderbarsten Superlative notiert hätte. Also: positiv und superlativ geht’s ins neue Jahr! Der beste Beweis, dass Computer unfehlbar sind, lieferte eine Telefongesellschaft in Remscheid. Ein Koch, der jeden Monat für 45 Euro telefonierte, bekam im September eine Rechnung über 8,5 Millionen Euro. Nach einer Beschwerde bekam er das Angebot, monatlich 65.000 Euro in Raten abzustottern. Irgendwann stellte aber ein Mensch (!) fest, dass sich ein Fehler eingeschlichen hatte. Die Firma meinte: ,,Der Koch soll froh sein. Ein anderer Kunde hat eine Rechung über 12 Millionen bekommen”. Die schlausten Menschen Europas wohnen einer Erhebung zufolge in London. Nicht beantwortet wurde folgende Frage: Wenn sie so schlau sind…, warum wohnen sie dann in London? Die konstruktivste Kritik an der Berliner Vereinbarung zur großen Koalition übten die Bosse der deutschen Autoindustrie. Die Politiker seien Versager, sagten sie sinngemäß. Womit sie Recht haben. Ein Bundeskanzler bekommt keine 10 % von dem Gehalt, das sich die Manager einstecken. Wenn das kein Versagen ist?! Die Politiker wunderten sich nur, dass die Kritik von jemandem kam, der außer dem Zuhälter noch ein schlechteres Image hat als sie selbst. Die Bürger wundern sich über die Kritik der Bosse natürlich nicht. Sie wundern sich auch nicht, wenn die Meuchelmörder die Hühnerdiebe als Kriminelle brandmarken. Die erfreulichste Reform in Deutschland kommt immerhin einem zugute: Michael Schumacher. Das Rentenalter soll künftig auf 67 Jahre raufgesetzt werden. Da atmet Schumi aber so richtig auf. Bis jetzt hat er die ganze Zeit Fracksausen davor gehabt, mit 65 das Lenkrad vom Ferrari abzugeben. Die erfreulichste Entwicklung der Wohlstandsgesellschaft sind sogenannte CharityParties, wo Grinse-Prominente und Adels-Friseure eine Mörder-Kohle hinblät78 tern und dafür geknipst und üppig mit dem Besten vom Besten vollgestopft werden. Die Tische biegen sich wie Palmwedel und die Erlöse und die Reste gehen an ,,Brot für die Welt”. Ich hätte da ein prima Motto für die nächste Party: ,,Wir fressen für die Armen!” Die besten Übersetzungen von Filmtiteln vom Englischen ins Deutsche wurden wieder prämiert. Angeführt wird die Hitliste von zwei Western. Der amerikanische Titel ,,The Law and Jake Wade”, also ,,Das Gesetz und Jake Wade” lief in Deutschland unter dem Namen ,,Der Schatz des Gehenkten”. Ein Gehenkter kommt im Film zwar nicht vor und ein Schatz auch nicht. Aber immerhin wird im Titel darauf hingewiesen, dass jemand abgemurkst wird. Platz zwei nimmt der Film ,,My Darling Clementine” ein, dessen Titel irgendwie nach Liebesfilm klingt. Ebenso die korrekte Übersetzung: ,,Faustrecht der Prärie”.

Das größte Rätsel bietet immer noch die deutsche Sprache. Warum heißt es Steppdecke und nicht Deppstecke, wenn unter einer Steppdecke ein Depp steckt? Und warum nennt man so viele Menschen Dilettanten und nicht Diletonkels, wo doch die meisten Politiker männlich sind? Der eindrucksvollste Beweis, dass unsere Sprache lebt, wird hier erbracht. Bisher dachte man, beim Vortragen eines Schüttelreims schüttelt sich der Mensch. Niemand hat sich bisher Gedanken darüber gemacht, wie sich der Reim fühlen mag. Wie er empfindet, das offenbart sich hier: Es schüttelt sich der Schüttelreim, rüttelreimt das Trüffelschwein. Die drei geheimsten Geheimnisse der gnadenlos erfolgreichen Brüsseler EUPolitik sind gelüftet worden. 1. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. 2. Manche Arbeit muss man hundert Mal verschieben, bis man sie vergisst. 3. Lieber zehn Mal eine Rede halten als ein Mal ein Wort. Die pfiffigste Idee im Sport hatte bei der Tour de France der Vize-Gewinner Ivan Basso. Damit sein Rennrad leichter wurde, hat er es über Nacht in den Gefrierschrank gelegt. Gut, dass er Radfahrer und kein Springreiter ist. Der witzigste Witz beruht immer noch auf Schadenfreude: Es klingelt am Vormittag, und die Hausfrau öffnet die Tür. Jens, ein Freund ihres Mannes steht draußen. Er bietet ihr tausend Euro, wenn sie mit ihm ins Bett geht. Nach einigem Überlegen siegt die Gier und sie willigt ein. Am Abend fragt ihr Mann: ,,Sag mal, war Jens da?” ,,Äh…, ja…, warum?”, stottert sie. ,,Gott sei Dank”, meint er, ,,Jens wollte mir die tausend Euro zurückbringen, die ich ihm geliehen hatte.”
Klaus-Dieter S.

 

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