Chancengleichheit bei Behinderung

Hindernisse
Der Grad einer Behinderung wird nicht nur durch die körperliche Verfassung des Betroffenen bestimmt, sondern auch durch die Art und Weise, in dem das Umfeld Chancengleichheit für Lebensqualität und aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben gewährleistet.
Portugal gehörte zu den ersten Ländern weltweit, die 2007 die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte der Menschen mit Behinderungen unterzeichneten, doch fehle die Umsetzung in Landesrecht und Praxis, beklagt Rosa Guimarães von der Associação Portuguesa de Deficientes (APD). Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert als ,,Handycap”, wenn eine Person ,,Schaden erleidet, weil sie keine oder nur unzureichende Fähigkeiten besitzt, eine Tätigkeit auszuführen, die Alter, Geschlecht und soziokulturellen Faktoren gemäß als üblich angesehen wird”. Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember wollen Betroffene in Portugal auf ihren Alltag aufmerksam machen. Portugal erste institutionalisierte Förderung und Integration Behinderter entstand 1977 mit dem Secretariado Nacional de Reabilitação (SNR), dessen erste Aufgabe darin bestand, eine Statistik über physisch beeinträchtige Menschen zu erstellen. Heute leben in Portugal 905.500 Personen, auf die diese Definition zutrifft, gut 9 % der Bevölkerung, ein EU-Mittelwert. In der Algarve sind es gut 32.000 Menschen, das entspricht 9,4 % der regionalen Bevölkerung. Etwa ein Drittel der Betroffenen ist über 65 Jahre alt. Unter den über 75-Jährigen haben 76 % Behinderungen, so die APD. Es reiche nicht, wenn Politiker und Gesellschaft sich gegenseitig bestätigen, mit sozialpolitischen Maßnahmen Fortschritte zur Gleichstellung Behinderter zu erzielen. Das ,,sollte im 21. Jahrhundert selbstverständlich sein”, so ADPSprecherin Rosa Guimarães und erklärt, ,,eingeschränkt bewegungsfähige Personen sind etwa in den meisten öffentlichen Gebäuden auf Hilfe angewiesen”. Projekte wie der ,,gelbe Pfad, die Rota Acessível, in Portimão” als barrierefreier Weg zwischen Sehenswürdigkeiten, Ämtern und Einkaufszone sei allenfalls ,,ein gut gemeintes Symbol”, das sogar verdeutliche: ,,Behindert ist man nicht, behindert wird man”. Eine Behinderung bedeutet wirtschaftliche Nachteile. Mit steigendem Alter nimmt die medizinische und finanzielle Unterstützung prozentual ab: Erhalten bis zur Volljährigkeit noch vier von zehn behinderten Kindern solche Hilfe, sind es in der Altersgruppe ab 55 nur noch 22 Prozent. Behinderte sind dreimal so oft arbeitslos wie NichtBehinderte. Unter ,,den Armen sind Behinderte die Ärmsten”, so Rosa Guimarães. Nichtbeachtung ihrer Bedürfnisse führe Menschen mit Behinderungen vor allem in Erziehung und Bildung, Beruf, Wohnung und im Straßenverkehr in die Isolation. Im Schnitt besitzen über 42 % der Personen mit physischen, geistigen oder mentalen Einschränkungen keine Schul- oder sonstige Ausbildung, dies gilt sogar für 56 % der Menschen mit Sprachstörungen. Der Staat gibt als Arbeitgeber ein schlechtes Beispiel: Landesweit arbeiten rund dreitausend Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Dienst, das ist weniger als ein Prozent aller Staatsdiener. Und drei von vier dieser Mitarbeiter hatten ihre Stelle bereits, als die Beeinträchtigung eintrat. Ein Gesetz schreibt seit 2001 vor, Stellen für Behinderte freizuhalten, was aber nicht geschieht, bestätigt Helena Rato von Institut der Öffentlichen Verwaltung (INA). Es gebe ,,unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bei der Integration”. Trotz umfassender Technologisierung fehle es an Ausrüstung, um etwa Arbeitsplätze für Hörgeschädigte zu schaffen. Der Fortschritt für Sehbehinderte sei größer. Die Regierung plant immerhin, die Invalidenrente dem Niveau derer anzupassen, die ihre Bezüge nach arbeitslebenslanger Beitragszahlung beziehen.

Text: HENRIETTA BILAWER

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Menschen ohne Behinderung sollten sich ,,eine Welt vorstellen, in der man die Schnelligkeit eines Olympiasprinters benötige, um den Bus zu erreichen, über zwei Meter groß sein müsse, um an den Lichtschalter zu kommen oder nur mit den Fähigkeiten eines Hochspringers eine Treppe überwinden könne. Und: Geschätzte 25 % aller Internetnutzer sind Menschen mit Behinderungen. Auf www.pcd.pt öffnet sich das portugiesische Internetportal für Menschen mit Behinderungen. Die Associação Portuguesa de Deficientes steht auf www.pcd.pt/apd.
Alle portugiesischen Verbände sammeln sich in http://cnod-deficientes.org.
Europaweit stellen sich Verbände bei www.dpi-europe.org vor.
Die Seite www.inr.pt gibt mit Ton Auskunft für Sehgeschädigte.
Die deutsche www.bmas.de/portal/2888 dokumentiert das Übereinkommen über die Rechte behinderter Menschen.
Das European Disability Forum führt aus www.edf-feph.org durch das Rechts-Dickicht mit einem Link zum Reiserecht.
Auskunft mit Spezialzubehör, Ausrüstung und Hilfe im Alltag listet www.inr.pt/content/1/45/entidades-privadas auf.
Reise- und Freizeitangebote hat http://db1.rehadat.de/rehadat/Reha.KHS auch für die Algarve.
Barrierefreie Portugal-Reisen stellt www.accessibleportugal.com vor.

ESA 12/09

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