Tauchgebiet-Algarve

Ein seltener Zufall führte zu interessanten wissenschaftlichen Beobachtungen vor der Algarve-Küste, die vor Kurzem in dem Journal of Coastal Conservation veröffentlicht wurden.
Ende 2012 wurde für die Umsetzung des Tauchgebietes „Ocean Revival“ die 1.400 Tonnen schwere, 85 Meter lange und von Schadstoffen befreite Korvette Oliveira do Carmo zwei Seemeilen vor dem Strand Prainha bei Alvor versenkt. Bei Stürmen zu Beginn 2013 brach die Korvette in zwei Teile. Das Heck blieb an der Stelle, wo das Schiff versenkt wurde, während der längere und schwerere Bugteil von den Strömungen etwa 200 Meter verschleppt wurde. Seitdem suchen Taucher nur den Bug auf. Somit hatten Gonçalo Calado, ein Biologe der Lissabonner Universität Lusófona und João Encarnação von der Tauchschule Subnauta in Portimão, die Möglichkeit, die Auswirkungen von Tauchgängen auf die Unterwasserlebewesen im frühen Kolonisationsstadium zweier künstlicher Riffs zu studieren. Die Korvette bot eine einzigartige Beobachtungsmöglichkeit, da beide Teile gleichzeitig versenkt wurden und den gleichen Bedingungen ausgesetzt waren, aber nur ein Teil von Menschen aufgesucht wurde.
Die Studie zeigt eindeutig, dass Taucher Auswirkungen auf die in Riffs lebenden Spezies haben. Rund um den Bug ist die Anzahl der Gorgonien, auch Seefächer genannt, viel geringer als nahe des Hecks. Diese empfindliche Spezies konnte vor allem den Taucherflossen nicht standhalten. Andererseits scheinen sich Thoracica, eine Überordnung von Krebstieren, den Menschen gut anzupassen, da ihre Anzahl im Bug höher ist.
Die Ergebnisse der Studie können nun bei der Verwaltung von Ökosystemen genutzt werden. „Beispielsweise könnten Tauchgänge während der Ansiedlung der Benthosgemeinschaften verboten werden“, so Calado. Als Benthos werden die Lebensgemeinschaften im und auf dem Meeresboden bezeichnet, zu denen hauptsächlich wirbellose Tiere gehören. Eine weitere Möglichkeit, welche die Korvette bietet, ist zu erforschen, wie die Unterwasserlebewesen sich der Präsenz der Menschen anpassen.
Insgesamt wurden vier Schiffe der portugiesischen Marine versenkt um „Ocean Revival“ anzulegen und somit den Tauchtourismus in der Algarve zu beleben. Die Idee stamm von Luís Sá Couto, Eigentümer einer Tauchschule in Praia da Rocha, der wusste, dass die Region etwas Spektakuläres anbieten musste, um mit weltweit beliebten Tauchzielen konkurrieren zu können. „Die schönste Erfahrung eines Tauchers ist, ein Schiffswrack zu erforschen“, so Sá Couto, der die öffentlichen Behörden für das Projekt begeistern konnte.

Share.

Comments are closed.