Fischer gegen EU-Regeln

Ab diesen Monat tritt eine neue EU-­Richtlinie in Kraft, die ein Punkte­system bei schwerwiegenden Fischerei­verstößen einführt. Die Fischer der Algarve betrachten sie mit kritischen Augen. Im Norden Portugals streikten die Fischer schon im vergangenen Monat.

Das System sieht vor, dass bei schweren Vergehen die Strafpunkte in die Fang­lizenz des jeweiligen Bootes eingetragen werden. Wenn im Laufe von drei Jahren eine festgelegte Anzahl von Punkten angesammelt wird, verliert das Fangboot für zwei oder mehrere Monate die Zulassung. Laut den Fischern der Algarve liegt das Problem dieser Richtlinie da­rin, dass die gesamte Besatzung und der Reeder des Schiffes bestraft werden, statt derjenige, der den Verstoß begangen hat. „Wenn der Steuermann für das Vergehen zuständig ist, wieso sollte dann der Reeder und die gesamte Besatzung dafür büßen?“, fragt ­Miguel Cardoso vom Fischerverband von ­Olhão. Deswegen plädiert der Verband dafür, dass die Punkte in der Fanglizenz des Verursachers eines Verstoßes eingetragen werden und nicht in die Schiffs­papiere. Einzige Ausnahme: Wenn der Steuermann gleichzeitig der Reeder ist. Laut Mário Galhardo vom Verband Barlapescas ist die neue Regel „vollkommen ungerecht.“ Hugo Martins vom Fischerverband in Quarteira erinnert daran, dass die gesamte Besatzung arbeitslos wäre, wenn dem Schiff die Zulassung entzogen wird, was zu einem „sozialen Problem“ führen könne. Sandra Olim vom Fischerverband von Fuseta ist anderer Meinung. Sie stimmt den neuen Regeln zu. Die Geldstrafen zwischen € 50 und € 5.000 seien nicht ausreichend. „Einige respektieren Schonzeiten, Fanggröße oder -gebiete nicht und zahlen lieber die Strafe. Vielleicht überlegen sie es sich zweimal, wenn sie wissen, dass sie die Fanglizenz verlieren können“, so Olim.

Die Eintragung der Fangmenge im Logbuch an Bord trifft ebenfalls auf Kritik. Das ist nicht neu, doch bislang trugen die Fischer die Menge erst nach Abladen und Wiegen des Fangs in der Auktionshalle im Logbuch ein. „Im Netz sind unterschiedliche Fischarten und auf dem Boot können wir sie nicht aussortieren, um separat zu wiegen“, so Jorge Vairinhos von Barlapescas. Die Fischer müssen schätzen. Das Gesetz sieht eine Fehlermarge von zehn Prozent für die Schätzungen vor. Darüber hinaus gibt es Geldstrafen.

Foto: Bruno Filipe Pires / Open Media Group

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