Aufstand gegen Lithium

Im vergangenem Monat erhielten die Väter der Lithium-Ionen-Batterie den Chemie-Nobelpreis. Einen Tag vorher haben Menschen in Bolivien mit Straßenblockaden gegen ein deutsch-bolivianisches Abkommen zur Gewinnung von Lithium im Salzsee Uyuni protestiert. Auch in Portugal wächst der Widerstand gegen das „Weiße Gold“. Sechszehn Bürgerbewegungen protestierten Ende September in Lissabon gegen den Lithiumabbau. Zudem boykottierten die Bewohner von Montalegre die Parlamentswahlen Anfang Oktober. Der Aufstand begann jedoch lange vorher und führte dazu, dass die Regierung die öffentlichen Ausschreibungen der Konzessionen für die Prospektion und Förderung des Lithiumkarbonats, die in diesem Sommer hätten durchgeführt werden sollen, auf die nun beginnende Legislaturperiode verschob. Offiziell wurde die Verschiebung mit der Ausarbeitung des Gesetzes begründet. Denn laut Umweltminister Matos Fernandes, soll der Abbau des begehrten Minerals unter „sehr strengen Umweltregeln“ erfolgen.
Portugals Staat ließ Ende 2016 einen Bericht zum Lithiumpotenzial des Landes erfassen; neun mögliche Orte für den Abbau wurden gefunden. Diese sollen international ausgeschrieben werden. Für den Umweltminister ist das „eine Investition in eine Zukunft, die auf erneuerbaren Energien beruht und in der Portugal nicht nur Rohstofflieferant sein will. Die Bergwerke und eine Lithiumraffinerie bedeuten Tausende von Arbeitsplätzen und Investitionen von mehreren Hundert Millionen Euro“. Natürlich solle die Umwelt so gut es geht geschützt werden und selbstverständlich würden die Gemeinden der Gegend auch am Gewinn beteiligt werden. Doch die Menschen der betroffenen Gebiete bleiben skeptisch. Sie befürchten die Zerstörung der Landschaft und die Verseuchung des Bodens und des Wassers, denn für ein Kilo Lithium muss etwa eine Tonne Granit zerkleinert und ausgewaschen werden und das geht nur mit teils aggressiven Chemikalien. Nicht zuletzt befürchten die Bewohner die Auswirkungen auf ihre Gesundheit.
Doch liegt im Lithium tatsächlich eine nachhaltige Zukunft? Die Umweltschutzorganisation Quercus legte einen Bericht zu den CO2-Emissionen des Lithiumabbaus vor, die auf den Daten von drei Minen basieren, die sich bereits in einer fortgeschrittenen Arbeitsphase befinden (Cepeda in Montalegre, Barroso in Barroso und Argemela in Covilhã). Das Ergebnis: Pro Bergbau sollen im Vergleich zu 2017 zusätzlich 2,53 % CO2 (1,79 Mio. t CO2/Jahr) ausgestoßen werden. Kurzgefasst: Der Staat wird die für 2030 angepeilte Klimaneutralität nicht erreichen können. Quercus fordert daher, dass der Staat die sogenannte Lithiumstrategie sofort aussetzt.

Share.

Comments are closed.