Votos de boa adrenalina

Das stand neulich unter einer E-Mail, die Abenteuertrips ankündigte. Also Wünsche für gutes Adrenalin statt der üblichen muitos cumprimentos, der vielen Grüße. Und in der portugiesischen Arbeitswelt hört man neuerdings immer mehr: Bom trabalho – gute Arbeit!
Sagt man das im Deutschen eigentlich auch? Durch Rumfragen erfahre ich, dass es den Ausdruck „Frohes Schaffen“ gibt. Weiteres googeln zeigt sogar einen Film mit diesem Titel. Der Untertitel lautet allerdings „Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“. Das gibt zu denken.
Und in der Tat ist das deutsche „Frohes Schaffen“ meistens eher ironisch gemeint, im Sinne von: Ich gehe jetzt nach Hause und ihr armen Schweine müsst noch bleiben und arbeiten. Frohes Schaffen allerseits!
Hier in Portugal ist es dagegen ganz ernst gemeint. Die Angestellte an der Hotelrezeption, die Bedienung im Museumscafé, die Führerin in der Portweinkellerei, ich als Reiseleiterin. Wir halten zusammen, wir sind diejenigen, die dafür sorgen, dass alles läuft, dass die Touristen einen angenehmen Aufenthalt haben, dass der Euro rollt. Wir wünschen uns gegenseitig: Continuação de bom trabalho!
Was steht dahinter? Vielleicht die Freude, dass man überhaupt einen Job hat, in diesen Zeiten der Krise, und dass es endlich – wenigstens in der Tourismusbranche – wieder bergauf geht?
Wie ist das eigentlich woanders? Die englische Übersetzung Enjoy your work entspricht eher dem deutschen „Frohes Schaffen“ und fordert in der Regel eine aus zwei Worten bestehende Antwort heraus, von der ich nicht weiß, ob man das erste Wort hier drucken darf. Unsere Nachbarn im romanischen Sprachraum dagegen haben keine Skrupel mit den guten Arbeitswünschen. Bon travail, buen trabajo, buon lavoro!
Und weil wir jetzt hier schon bei den guten Wünschen sind, und weil es Januar ist, und weil das neue Jahr gerade angefangen hat, mit Feuerwerk, Sekt und guter Laune, mit zwölf Rosinen für zwölf Wünsche, und guten Vorsätzen für 2017, und weil das Jahresende der Zeitpunkt ist, wo sich jeder Gedanken macht und beschließt, in diesem Jahr werde ich jetzt aber wirklich endlich, denkt man auch zurück, ich natürlich auch und mir fällt der 31. Dezember 1999 ein, wo wir alle Angst hatten, dass die Digitaluhren stehen bleiben und die Autos am 1. Januar 2000 nicht anspringen, jedenfalls die modernen mit den Chips, die Leute mit den alten Schleudern mussten sich keine Sorgen machen, beziehungsweise waren eh daran gewohnt, dass ihre Autos nicht ansprangen. Und dann – … dann passierte gar nichts.
Nicht mal das neue Jahrtausend hatte 
angefangen.
Wie jetzt? Das hatte nicht angefangen? Nö, hatte es nicht.
Das fing nämlich erst am 1. Januar 2001 an. Einige von Ihnen haben das vielleicht schon gewusst. Aber ich habe es erst jetzt erfahren und eine Wette verloren. (Glücklicherweise ist der Wetteinsatz bei uns im Haus 
immer nur eine überschaubare Anzahl Pastéis de Nata).
Im Gegensatz zu Stunden, Kilometern und Menschenalter, die mit 0 beginnen, werden Tage, Monate und Jahre nämlich beginnend mit 1 gezählt. Somit beginnt das erste Jahrhundert mit dem Jahr 1 und endet mit dem Jahr 100 und ein Jahrtausend endet mit 000 und beginnt mit 001.
Aber zurück ins Jahr 2017 und zu den aktuellen Wünschen. Meine Wünsche bleiben geheim, aber zu meinem Motto für 2017 erkläre ich hiermit ein Zitat von Otto Flake: „Die größte und wahrste aller Banalitäten fiel Jaques beim Heimweg ein: Das Leben ist genau das, was einer daraus macht.”
In diesem Sinne: Votos de boa adrenalina!
Text: Annegret Heinold
ESA 01/2017

Share.

Comments are closed.