Von Katzencafés …

… Frauenspeisekarten und dynamischen Verkehrsinformationssystemen

Na? Jetzt sind Sie stutzig geworden, oder? Schließlich geht es hier in der Kolumne für gewöhnlich um das Leben in Portugal. Aber Frauenspeisekarten und Katzencafés in Portugal?!?
Vielleicht haben Sie sogleich in Gedanken die Algarve von West nach Ost gescannt. Sind dann mental ins Hinterland gewandert, haben an Monchique und Moncarapacho gedacht. Sollte dort vielleicht jemand ein Katzencafé aufgemacht haben? Womöglich ein aus Köln (Ort des ersten Katzencafés) zugewanderter Zeitgenosse? Oder ein englischer Resident? Engländer sollen ja zu Spleens tendieren. Das weiß jeder seit der Erfindung von Mrs. Marple und Sherlock Holmes.
Und was soll so ein Katzencafé überhaupt sein?
Darf man da seine Katze oder seinen Kater mitbringen? Müssen Hunde dort draußen bleiben? Oder handelt es sich um einen Ableger des Cafés auf Mallorca, dereinst gegründet von Deutschlands berühmtester Auswanderin? Ja, logo gogo Atze Katze. Auch ich habe die Sendung eine Zeitlang geguckt, schon um herauszufinden, mit was die Leute im Ausland ihr Geld verdienen und zu sehen, ob da auch für mich etwas dabei wäre. Sozusagen private Industriespionage. Leider vergeblich. Denn ich kann weder im großen Stil Brot backen, noch Bier brauen, noch Würste herstellen (das am allerwenigsten).
Bei der Frauenspeisekarte haben Sie dann vielleicht gedacht, dass es sich womöglich doch um Portugal handelt, denn schließlich hat ja in Porto jetzt ein Frauenbuchladen aufgemacht. Obwohl, was für einen Sinn macht eine Frauenspeisekarte? Essen Frauen anders als Männer? Ja, doch, in der Tat, das tun sie.
Aber spätestens beim „dynamischen Verkehrsinformationssystem“ wurde Ihnen klar – hier kann nicht von Portugal die Rede sein. Dieses neudeutsche Schlangen-Schlagwort stammt aus einer deutschen Großstadt. Aber was ist das überhaupt – Ein dynamisches Verkehrsinformationssystem?
Am besten ich rufe da mal an und frage nach.
Das Telefon läutet und läutet, aber keiner nimmt ab. So dynamisch sind sie also auch nicht, im deutschen dynamischen Verkehrsinformationssystem.
Und übrigens, und wenn man es so recht bedenkt, dann haben wir hier das dynamische Verkehrsinformationssystem doch sowieso. Denn wenn ich wissen will, wann die Busse vom Dorf in die Stadt fahren, muss ich proaktiv dynamisch werden und ins Dorfcafé gehen und dort fragen.
Das Verkehrsinformationssystem dort besteht aus der Frau hinter dem Tresen und den Gästen vor dem Tresen, die jedes Mal ein bisschen diskutieren, ehe sie mit empirischen Werten rausrücken. Da es sich um wechselnde Gäste mit unterschiedlichen Erfahrungen handelt, ist es sogar außerordentlich dynamisch.
Warum ich es nicht am Schalter in der Stadt versuche?
Habe ich, habe ich. Aber da es sich um verschiedene Busbetreiber handelt, gibt es keinen gesammelten Fahrplan. Den muss man sich dynamisch selber zusammenbasteln durch Fragen im Dorfcafé. Vor dem übrigens meist ein dicker schwarzer Kater schläft. Und nachmittags um vier sitzen Frauen im Café, die dort ihre Bica oder einen Galão trinken. Während die Männer eher zu Schnaps, Wein und Bier tendieren.
Im Grunde haben wir hier in Portugal also alles, sogar zusammen: Ein Katzencafé, das frauenspezifische Getränke anbietet, und zugleich als dynamisches Verkehrsinformationssystem funktioniert.
PS: Ein Katzencafé ist übrigens ein Café mit Katzen, damit auch haustierlose Kaffeehausbesucher mal eine Katze streicheln können. Also eine Art Streichelzoo für Erwachsene.

Text und Foto: Annegret Heinold
In ESA 01/16

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