Die Axt im Haus…

… erspart den Zimmermann – O Machado em Casa substitui o Carpinteiro.

Dieses deutsche Sprichwort habe ich hier übersetzt, um es im portugiesischen Sprachraum einzuführen. Ich wünsche, ich könnte es auch in meinem Leben einführen. Aber das ist mir leider nicht gegeben.
Ich kann ja noch nicht mal eine Maus aus der Mausefalle nehmen. Selbst dafür bin ich auf die Hilfe eines Vertreters der weniger sensiblen Hälfte der Menschheit angewiesen. Okay, das nehme ich zurück. Tut mir leid, Männer. Eine dicke Entschuldigung an alle Männer, die mir je eine Maus aus der Mausefalle genommen haben, Sam, Alex, Tom, Ro, Miguel … Ich weiß: Auch Männer sind sensibel 😉
Da ich nun immer wieder Hilfe für Haus und Hof brauche, wollte ich eigentlich eine Kolumne über Handwerker schreiben. Aber im Grunde braucht es da keine Kolumne. Da reicht ein einziges Wort.
Handwerker.
Das Wort alleine löst Anekdoten und Ärger, Erlebnisse und Erinnerungen aus. Es ist im Grunde ja nichts spezifisch Portugiesisches, sondern ein globales Phänomen. Handwerker gibt es auf der ganzen Welt, sie werden überall gebraucht.
Aber portugiesische Handwerker haben es schon zu einer Art Meisterschaft gebracht im Handwerker-Sein. Und mein Handwerker ist Meisterklasse.
„Mein“ Handwerker gehört natürlich nicht mir, aber ohne ihn kann ich die Widrigkeiten des Alltags nicht bewältigen, die einem das Leben in Form von kaputtem Spülkasten, Rohrbrüchen und tropfenden Wasserhähnen immer wieder vor die Füße wirft. Beziehungsweise ins Haus.
Und mein Handwerker, nennen wir ihn Chico, hat ein paar Eigenheiten, mit denen er mich in den Wahnsinn treibt. Nicht absichtlich. (Denke ich doch. Hoffe ich doch). Das Spiel geht so. Das Universum wirft mir eine Widrigkeit vor die Füße. Ich rufe Chico an. Chico sagt, er kommt, und zwar noch heute, sofort gleich nach der Arbeit.
Ich gehe also nicht aus dem Haus. Ich warte brav. Es lohnt sich auch nicht, irgendetwas Sinnvolles anzufangen, denn gleich kommt ja Chico. Also sehe ich fern. Und kurz, ehe sie den Axtmörder entlarven, klopft es.
Das ist Chico. Zu spät, wie immer, aber pünktlich auf die Sekunde, in der wir erfahren, wer der Mörder ist.
Und jetzt kommt meine Lieblingsszene.
Ich öffne die Tür. Da steht Chico und telefoniert. Er hebt die freie Hand mit dieser Geste, Zeigefinger leicht nach oben. Das bedeutet: Nur einen Moment, ich bin gleich so weit.
Ja, Pustekuchen.
Ich stehe in der Tür und höre zu. Würde ich jetzt einfach wieder reingehen, würde er wieder die Hand heben mit seiner Es-ist-nur-noch-eine-Minute-Geste.
Also höre ich dem Gespräch zu. Und nie, und ich schwöre nie, nunca, never ist dieses Gespräch sinnvoll. Es endet immer damit, dass Chico nach einer Weile sagt: „Ich bin hier bei einer Kundin, wir telefonieren später.“
Hallo?
Und wenn er dann endlich anfängt zu reparieren und ich wieder vor dem Fernseher sitze, klopft es. Chico braucht unbedingt ein Teil. Egal, ob Sonn- oder Feiertag oder abends. Er schickt mich zu dem Ladencafé, wo es in einem nicht-offiziellen 24-Stundenservice so etwas wie einen Klempnerbedarf-Notdienst gibt. Ich fahre brav los. Kaufe das Teil.
Bei meiner Rückkehr wartet Chico in seinem Auto. Er muss jetzt dringend los, aber er kommt in zwei Tagen wieder.
Da stehe ich dann mit meinem Ersatzteil und ohne je zu erfahren, wer der Axt-Mörder ist. Was mich zu Axt bringt. O machado em casa substitui o carpinteiro. Aber würde mir die Axt im Haus wirklich den Zimmermann ersetzen? Leider nicht, in meinem Fall. 
Infelizmente.
Text: Annegret Heinold
ESA 08/15

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