10 x Shopping à Portuguesa

1. Es gibt sie noch! Läden der Sorte „Der Laden, der alles hat“. Na ja, nicht alles-alles, aber ein durch keinen roten Faden zusammengehaltenes weites Sortiment. Links vom Eingang stehen Kisten mit Apfelsinen, rechts hängen Besen und im Laden findet man alles, von der Birne (Licht) bis zur Birne (Obst).
So einen Laden hatten wir früher auch im Dorf. Frische Brötchen und Joghurt, lose Nägel und Schrauben, Plastikschüsseln und Kittelschürzen. Wir nannten ihn einfach den „Laden, der alles hat“.

2. In einem anderen Laden werden Gliedmaßen aus Wachs verkauft: Sie stehen aufgereiht in der Vitrine im Schaufenster, Fuß neben Fuß, Kopf an Kopf, Hand neben Hand, sogar ein Busen aus Wachs – alles Opfergaben, um gesund zu werden.

3. Bei den Haushaltswaren steht eine Schachtel mit der Aufschrift: Home is where the wi-fi is. Zuhause ist da, wo WLAN ist. Ob das stimmt?
In Portugal wohl eher nicht. Hier ist das Zuhause immer noch ein bisschen so, wie es die Fadosängerin Amália besungen hat: mit Brot und Wein auf dem Tisch und zwei Rosen im Garten.

4. Auf so einem Shoppingbummel kann man übrigens auch größere Verkaufobjekte entdecken. Das alte Haus im historischen Zentrum zum Beispiel. Es ist schmal und beugt sich nach vorne. Vende-se steht auf dem Schild an der altersschwachen Wand.

5. Im nächsten Laden gibt es fünfzig Prozent Rabatt auf die unbemalten Statuen aus weißem Gips, selbst für Maria mit dem Jesuskind. Man sieht, auch Heiligenfiguren sind nicht von Saldos (Ausverkauf) verschont.

6. Und auch das gehört zum Shoppen à portuguesa: das autistische Parken = das Auto, das direkt vorm Laden hält. Die Frau steigt aus, der Mann wartet, immun gegen das Hupen der anderen. Manchmal steigt sogar der Fahrer aus und verschwindet. (Aber die einzige Person, die ich kenne, die je für einen kurzen Haltestopp einen Strafzettel bekommen hat, bin ich.)

7. Ein paar Meter weiter im Schaufenster dann der Klassiker der portugiesischen Landfrau. Unverändert seit Jahrzehnten. Wahrscheinlich können Sie sich jetzt denken, was es ist. Genau! Die Kittelschürze: ärmellos, aus dunklem kleinkariertem Polyesterstoff mit Knöpfen oder mit Reißverschluss vorne ist sie aus dem portugiesischen Landleben nicht wegzudenken. Das perfekte Kleidungsstück, um Hühner zu füttern und im Garten zu graben. Verkauft wird das gute Stück meist auf Märkten. Aber hier liegt es sogar im städtischen Schaufenster, für 6 bzw. 8 Euro. (Woher der Preisunterschied kommt? Ist es der Stoff, die Größe, das Muster? Das werde ich recherchieren!)

8. Ganz modern dagegen das Ampelmännchen in seiner neuesten Version. Bisher stand und ging es. Jetzt rennt es ab Sekunde drei!

9. Fazit: Insgesamt werden unzählige Dinge angeboten, von denen man sich fragt, wer das alles kaufen soll. Die Mini-Briefumschläge sind wohl für Geldgeschenke. Die Leinwände im chinesischen Laden lassen auf ein boomendes Malhobby schließen. Die lose verkauften Servietten neben den Holzschachteln sind für „Decoupage“, das Aufbringen von Serviettenbildern auf Holzgegenständen.

10. Das Einzige, was ich nicht auftreibe auf meinem dreistündigen Shoppingtrip sind günstige Karteikarten. Also das Einzige, was ich wirklich brauche. Der eigentliche Grund meines Shoppingausflugs.
In einem Papiergeschäft bieten sie mir an, aus großen Tonpapierbögen die gewünschte Kartei-kartengröße zu schneiden – die improvisierte portugiesische Lösung. (Aber wird das wirklich günstiger? Ich gehe auf das Angebot nicht ein. Wo’s die teuren Karteikarten gibt, weiß ich nämlich).

Text & Foto: Annegret Heinold
In ESA 05/16

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