Naturseifen: Handgemacht und pflegend

Naturseifen sind außergewöhnliche Pflegeprodukte. Sie sind frei von zweifelhaften industriellen Zutaten, sehr dekorativ und ein ideales Geschenk. ESA stellt zwei der bekanntesten Seifenherstellerinnen der Algarve vor

Seifen selbst herzustellen ist ein außergewöhnliches Hobby. In der Algarve lassen sich immer mehr Menschen finden, die sich dieser Aktivität widmen. Clara Nogueira und Ana Margarida Baioa machten ihr Hobby zum Beruf und riefen die Marken Árvore do Sabão beziehungsweise Alssabun ins Leben. Mittlerweile sind sie erfolgreiche Naturseifen-Herstellerinnen. Angefangen hat alles in der hauseigenen Küche. Nachdem sie einmal den Dreh raus hatten, nahm die Seifenproduktion kein Ende mehr. Je nach Sorte gibt es sie in verschiedenen Farben und Formen. Dabei achten beide so sehr auf die Präsentation, dass man fast Lust bekommt, in die appetitlich wirkenden Seifen hineinzubeißen. Und zugegeben, viele sehen tatsächlich wie Kuchenstücke aus!

Bei Clara Nogueira war es die Suche nach natürlichen Pflegeprodukten für ihre Kinder und sich selbst, 
die sie zur Seifenherstellung führte. Ana Baioa suchte nach einer handwerklichen Herausforderung. 
Was Ana, die weiterhin auch als Mathematiklehrerin tätig ist, so fasziniert, ist, dass die Seifenherstellung sowohl eine eigene kleine Wissenschaft als auch eine Kunstform ist. „Chemie, Mathematik und Pflanzenbiologie werden vereint“, erklärt sie begeistert. 
Zudem erfordert die Verseifung höchste Genauigkeit. Nicht nur aus Sicherheitsgründen, da mit stark ätzenden Laugen gearbeitet wird, sondern auch, damit die Seife gelingt.
Grundstoffe sind hochwertige Öle und Fette. Chemisch gesehen sind Seifen die Salze dieser Fettsäuren. Mithilfe einer Natriumhydroxid-Lauge werden diese Salze aus den Fettsäuren gebildet, es entsteht eine Mischung aus Seife und Glycerin. In der Industrie werden Seife und Glycerin chemisch voneinander getrennt, das Ergebnis ist reine Kernseife. „Diese ist stark alkalisch und für die Hautpflege eigentlich wenig geeignet“, erklärt Ana. „Bei Naturseifen hingegen wird das Glycerin in der Seife belassen. Da Glycerin viel Wasser bindet, wird die Naturseife zu einem hochwertigen Pflegeprodukt.“ Dem Seifenleim werden dann Pflegezutaten wie Honig, Kräuter oder ätherische Öle hinzugemischt, bevor er in Formen abgefüllt wird. Künstliche Farb- und Konservierungsstoffe werden nicht verwendet. Nach etwa 24 Stunden ist der Leim verseift und kann geschnitten werden. 
Zum Waschen ist die Seife jedoch noch nicht geeignet. Sie muss noch mindestens vier Wochen reifen.
Am wichtigsten bei der Herstellung ist die richtige Berechnung der Inhaltsstoffe. Damit das Produkt pflegend und hautverträglich ist, muss das gesamte Natriumhydroxid verseifen. Gleichzeitig darf der Ölanteil nicht zu hoch sein, denn sonst wird die Seife zu weich und schnell ranzig. Die Reifezeit abzuwarten ist ebenfalls wichtig, denn nur so erreicht die Seife den gewünschten, hautverträglichen pH-Wert.

Die Erzeugnisse von Árvore do Sabão und Alssabun sind hundertprozentige Olivenölseifen. Als Körperpflegemittel ist Olivenöl aufgrund seiner Fettsäurezusammensetzung, die der des Unterhautgewebes sehr ähnlich ist, optimal geeignet. Die Fettsäuren, speziell die im Olivenöl enthaltene Linolsäure, sind notwendig für den Aufbau des Fettmantels, der die Haut vor dem Austrocknen schützt. Darüber hinaus ist das Pflanzenöl reich an Vitamin E, das die Elastizität der Haut fördert. Reine Olivenölseifen schäumen relativ wenig, dafür sind sie äußerst mild und besonders für empfindliche Haut geeignet.
Weitere Zutaten sind Bienenwachs, Früchte und Kräuter sowie Meersalz und Flor de Sal. Alles aus der Algarve. Die Seifen duften unter anderem nach Thymian, Lackzistrose, Heidekraut und Lavendel. Sie wirken beruhigend wie die Calendula-Seife, feuchtigkeitsspendend wie die Eselsmilch-Seife, regenerierend wie die Orangen-Seife oder heilend wie die Aleppo-Seife mit Oliven- und Loorbeeröl, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Seife aus Olivenöl und Erdbeeren soll ideal für fettige Haut sein. Sie reduziert Akne, revitalisiert und schützt die Haut vor UV-Strahlen.

Clara Nogueira hat mittlerweile das Angebot von Árvore do Sabão um einiges erweitert. „Seifen herzustellen wurde meine Leidenschaft und der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt“, erzählt sie. Ihr Wunsch, für die Körperpflege nur Naturkosmetik zu verwenden, führte zu weiteren Recherchen und Experimenten und mittlerweile bietet sie auch Rasierseifen, Aftershaves, Gesichts- und Körpercremes, Lippenbalsam, Badekugeln und Duftkerzen an. Neben den Pflegezutaten, die Clara für die Seifen benutzt, kommen andere hinzu wie Haferflocken, Reis, Joghurt, Heilerde und sogar die Beeren des Erdbeerbaums. Einzigartig sind bei Árvore do Sabão die mit Filz umhüllten Seifen, die ein leichtes Peeling der Haut ermöglichen. Zudem strickt Clara auch Waschlappen aus Schaf- und Baumwolle.

Beide Seifenherstellerinnen haben keine eigenen Verkaufsräume, nehmen aber Bestellungen telefonisch, per Mail oder über Facebook entgegen und sind regelmäßig auf Kunsthandwerksmessen der Algarve anzutreffen. Die Produkte von Árvore do Sabão sind zudem in ausgewählten Geschäften in der Algarve erhältlich wie Made IN LOCO (s. ESA 8/16) in São Brás, Sodellicias in Faro, Mimos de Sofia in Albufeira oder Martina in Loulé.
Text: Anabela Gaspar
Fotos: Ana Santos Photographie (Árvore do Sabao); Alssabun

Alssabun
Mob.: 919 265 118
alssabun@gmail.com
FB: Alssabun – saboaria tradicional

Árvore do Sabão
Mob.: 963 837 201
arvoredosabao@hotmail.com
FB: ArvoreDoSabao

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