Gut bewachte Küste

Die Algarve-Küste würde lediglich mittels Ferngläsern überwacht, hieß es in den Medien im vergangenen Monat. ESA-Redakteurin Anabela Gaspar traf sich mit dem Oberstleutnant der Küstenwache der Algarve, Azevedo Palhau, um dem Thema nachzugehen

Ende 2010 wurde das veraltete Küstenüberwachungssystem LAUS eingestellt. Das neue System SIVICC (Sistema Integrado de Vigilância, Comando e Controlo da Costa Portuguesa) soll erst im August vollständig in Betrieb gehen. Lediglich einer der Überwachungspunkte des neuen Systems, jener in Ancão, ist bereits im Einsatz. Doch das Kommando der Unidade de Controlo Costeiro (UCC) der GNR in Olhão verfügt über weit mehr Mittel, um die Algarve-Küste im Auge zu behalten. Die UCC vermeidet es, Informationen operativer Natur bekannt zu geben. Trotzdem erklärte sich Oberstleutnant Palhau bereit, uns so viel zu verraten, wie es ihm erlaubt ist. Das UCC-Kommando besteht aus der Zentrale in Olhão und aus drei weiteren Außenstellen in Portimão, Olhão und Vila Real de Santo António, die zusammen für die Überwachung der Algarve-Küste zwischen der Ponta de Sagres im Westen und dem Guadiana-Fluss an der spanischen Grenze im Osten zuständig sind. Die Überwachung der West-Küste, von der Ribeira de Odeceixe bis zum Kap S. Vicente, steht unter der Verantwortung des UCC-Kommandos von Sines, das in Aljezur eine Stelle hat und einen Überwachungspunkt am Cabo Sardão, der auch bereits im Einsatz ist. An Land hat das Kommando von Olhão zwei Geländelastwagen, welche über dieselbe Ausstattung wie die Überwachungspunkte verfügen und die nach Bedarf entlang der gesamten Küste eingesetzt werden. An den Stränden wird mit Quads patrouilliert. Da elektronische Augen weiter reichen als menschliche, haben die Militärs WärmebildKameras und mobile Überwachungskameras, die auch nachts eingesetzt werden können. Die Reichweite beträgt nachts 16 km. Dazu kommen Radare, die eine Kontrolle auf viel weitere Entfernung ermöglichen. Das Kommando besitzt zudem über 60 Fahrzeuge. Für die Kontrolle auf dem Meer verfügt jede UCC-Stelle an der Südküste über ein Motorboot. Zwei Schnellboote von Drogenhändlern, die beschlagnahmt wurden, stehen nach Genehmigung des Gerichts nun im Dienst der guten Sache. ,,Diese Schnellboote erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h, während unsere Boote nur halb so schnell sind. Zudem sind sie einfacher zu manövrieren. Für Verfolgungen ist es wichtig, gleichschnelle Boote zu haben”, erklärt Oberstleutnant Palhau. Zwei weitere kleine Boote patrouillieren auf den Gewässern der Ria Formosa. Zum neuen SIVICC-System gehören die Überwachungspunkte von Galé, Albufeira, und von Armona, Faro, die fast fertig gestellt sind, sowie ein Überwachungspunkt im Osten, dessen Bau demnächst beginnen soll. ,,Derzeit wird noch beraten, ob dieser in Cacela Velha oder Cabeço gebaut wird”, erklärt Oberstleutnant Palhau und fügt hinzu, dass später auch einer an der Ponta da Piedade, Lagos, errichtet werden soll. ,,Die Überwachungspunkte sind so verteilt, dass kein Bereich der Küste unbewacht ist”, fasst der Oberstleutnant zusammen. Alle Überwachungspunkte werden in Zukunft mit der nationalen Zentralstelle in Lissabon, dem Centro de Comando e Controlo Nacional verbunden sein, das die landesweit gesammelten Informationen speichert. Das neue System ist zudem mit dem der spanischen Guardia Civil kompatibel. Die Zusammenarbeit der portugiesischen und der spanischen Küstenwache wird sich dadurch noch weiter vertiefen. Außer dem Informationsaustausch finden gemeinsame Einsätze statt. Erst vor kurzem entdeckten die Militärs der UCC-Stelle von Vila Real de Sto. António ein verdächtiges Schnellboot Richtung Isla Cristina und informierten die Kollegen in Spanien. Das Schnellboot wurde später bei einer Drogenentladung im Guadiana-Fluss am spanischen Ufer von portugiesischen und spanischen Militärs gefasst. Statistisch gesehen kommen die meisten verdächtigen Boote und Beschlagnahmungen zwischen Lagos und Sagres vor. Dort ist die Küste nicht verbaut, was es den Drogenhändlern einfacher macht, unentdeckt an Land zu kommen. Doch ,,genau deshalb werden dort mehr Kontrollen durchgeführt und zudem ist es auch von Vorteil für die UCC, dass es dort weniger Gebäude gibt. Die Sicht ist dadurch viel besser”, so Oberstleutnant Palhau. Die Drogenboote, mit modernsten Navigationssystemen und starken Motoren ausgerüstet, kommen aus Nordafrika. Die Fahrt dauert zirka fünf Stunden und die AlgarveKüste ist wegen der guten Wetterbedingungen und der meist ruhigen See ein beliebtes Ziel. Doch es wurden auch Schnellboote an der Westküste im Norden entdeckt, wie z.B. bei Figueira da Foz.

,,Außer den Festnahmen wird pro Monat ein verdächtiges Wasserfahrzeug registriert”, so Oberstleutnant Palhau. Bei Verdacht wird ein UCC-Boot hinaus geschickt, das am nächsten liegt und die besten Kapazitäten hat, um falls nötig eine Verfolgung aufzunehmen. Dann folgt die Kontaktaufnahme mit der Besatzung des Bootes und die Anfrage an Bord kommen zu dürfen. Nach einer ersten Einschätzung wird beschlossen, ob eine gründlichere Untersuchung des Bootes durchgeführt werden soll. Die Schiffsbesatzung kann dazu aufgefordert werden, bis zum nächsten Hafen zu fahren. Taucher der UCC suchen auch den Rumpf nach Drogen ab. ,,Die Drogenhändler werden immer findiger und wir müssen uns ihren Methoden anpassen”, so Oberstleutnant Palhau. Was den Ausschlag gibt, dass ein Boot verdächtigt wird, gehört zu den Geheimnissen, die der Oberstleutnant nicht verraten kann. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte die UCC der Algarve fast 10.000 Tonnen Haschisch. Ein neuer Rekord. Zudem führte eine gemeinsame Operation mit der Kriminalpolizei PJ nahe Lagos zur Beschlagnahmung von 2.380 Kilogramm Haschisch, sowie diversem Kommunikations- und Navigationsmaterial und Fahrzeugen.

Auf die Frage, ob die Algarve wirklich der Drogeneingang Europas ist, antwortet Oberstleutnant Palhau, dass diese Aussage übertrieben ist. Zwar sei die Küste ein beliebtes Ziel, doch die Kontrolle würde immer strenger. Die Kriminalpolizei PJ, die in Portugal für die Untersuchung des internationalen Drogenhandels zuständig ist, würde zudem hervorragende Arbeit leisten, welche Drogenhändlernetzen große Einbußen gebracht hätten und sie dazu zwangen, neue Routen zu suchen. Außer dem Drogenhandel bekämpft die UCC auch den illegalen Warenhandel. Unter anderem wird kontrolliert, ob die Fischer den gesamten Fang zur Auktionshalle bringen, wie im Gesetz vorgesehen. Die beschlagnahmten Fische, welche die gesetzlich vorgeschriebene Größe haben, um verkauft werden zu können und frisch sind, werden von der UCC selbst verkauft. Andere, die zu klein sind, werden Wohltätigkeitsinstitutionen der Region gespendet. Im vergangenen Jahr kam es zu 150 Beschlagnahmungen. Insgesamt 7.800 kg Fisch. Ferner kontrolliert die UCC, ob nicht erlaubte Fangmethoden wie Schleppnetze eingesetzt werden. ,,Hier geht es ebenfalls um den Umweltschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt”, erklärt Oberstleutnant Palhau. ,,Die Ria Formosa ist Laichplatz vieler Fische und mit den Schleppnetzen werden alle Jungfische gefangen sowie bedrohte Spezies, darunter Seepferdchen, und der gesamte Meeresgrund zerstört. Letztes Jahr wurden 20 Schleppnetze beschlagnahmt. Vor allem spanische Restaurants sind an Jungfischen für die dort beliebten Tapas interessiert”, so Oberstleutnant Palhau. 500 Kilogramm Jungfische wurden im Jahr 2010 in ihren Lebensraum zurück gebracht. Und obgleich bislang nur ein Boot mit Flüchtlingen aus Nordafrika in der Algarve entdeckt wurde, gehört auch diese Kontrolle zum Arbeitsfeld der UCC. Hier arbeitet das Kommando zusammen mit der Ausländerbehörde SEF, der portugiesischen Marine, der spanischen Guardia Civil und der Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen, kurz FRONTEX.
Anabela Gaspar

ESA 04/11

 

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