Ein Leben für die Tiere

Seit 30 Jahren engagieren sich Lilo Kranendonk und der Tierschutzverein A.A.A.A. in Loulé für das Wohl ausgesetzter und kranker Hunde, Katzen, Esel und Pferde

Alte Menschen und Kinder finden leider in unserer schnell pulsierenden Welt wenig Beachtung, geschweige denn eine Interessen-Lobby. Erst recht nicht der Tierschutz, der besonders in süd- und osteuropäischen Ländern sehr problematisch ist. Ich weiß, wovon ich rede, kenne die Gräueltaten spanischer Galgoeiros, war in Tierheimen und Tötungsstationen in Madrid, Sevilla, Tarragona, Tudela, Zaragoza und auf den kanarischen Inseln, habe Zorn, Wut, Verzweiflung, Resignation und tiefe Trauer erlebt und empfinde tiefen Respekt und Hochachtung für all jene Menschen, die sich dort engagieren, helfen und aufopfern, um die Not der Tiere erträglicher zu machen. In Loulé gibt es die Associação dos Amigos dos Animais Abandonados, den Verein der Freunde verlassener Tiere, der sich um das Leid herrenloser Hunde, Katzen, Esel und Pferde kümmert. Lieselotte Clauberg-Kranendonk aus der bergischen Klingenstadt Solingen lebt seit 1970 in der Algarve. Eigentlich kam sie hierher, um sich den Traum vom Leben unter südlicher Sonne zu realisieren. Elf Jahre wohnte sie in Albufeira, wo sie sich rührend um die zahlreichen streunenden Katzen kümmerte, bevor sie mit ihrem niederländischen Ehemann Hans nach Vale do Lobo zog und 1981 zusammen mit portugiesischen Tierschützern die A.A.A.A. gründete. ,,Die notarielle Bescheinigung und die Eintragung im Governo Civil waren noch das Einfachste. Fast zwei Jahre hat es dann gedauert, bis wir auf unserem für 50.000 Escudos (etwa 250 Euro) erworbenem Grundstück am Südrand von Loulé endlich unser Tierheim Canil de São Francisco de Assis eröffnen konnten”, beschreibt die aparte Seniorin, während in einem der vielen Zwinger ein halbes Dutzend Hunde leidenschaftlich um Streicheleinheiten buhlt. ,,Glauben Sie mir, wir haben von morgens bis abends Beton gemischt, Zäune gezogen, Zementziegel vermauert, um den Tieren ein erträgliches Zuhause zu geben. Jetzt leben hier etwa 400 Hunde, an die 200 Katzen und auf dem Nachbargelände einige Pferde und Esel, die dort ihr Gnadenbrot erhalten. Eigentlich sind wir völlig am Rand unserer Kapazität und schieben kontinuierlich einen Berg Schulden vor uns her.” Aber Dona Lilo, wie sie überall genannt wird, lässt sich nicht beirren. Unermüdlich treiben sie und ihre Freunde und Mitarbeiter Spenden auf, leisten Aufklärungsarbeit in Schulen, schreiben Petitionen an Behörden, Organisationen und Ministerien, präsentieren sich und ihre Tiere auf Märkten, Basaren, Sportveranstaltungen, organisieren Charity-Konzerte oder halten Vorträge an der Universität in Faro. ,,Platz zum Expandieren hätten wir ja, die Pläne für ein Katzenfreigehege, den Hundeauslauf, für ein neues Büro, eine Tierarztpraxis sind alle eingereicht. Wir haben sogar einen anonymen Sponsor, der die Kosten für die notwendigen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen tragen würde. Es scheitert wieder einmal an der schleppenden Bürokratie. Seit mehr als sechs Jahren warten wir nun auf die Erteilung der Baugenehmigung. In solchen Situationen Contenance zu wahren, fällt mir oft sehr schwer.” Lilo Kranendonk kennt viele Höhen und Tiefen der 30-jährigen Vereinsgeschichte, erzählt von sindflutartigen Regenfällen, als das Tierheim 1987/88 unter Wasser stand, berichtet von Tierquälern, Verleumdungen, Prozessen und Morddrohungen gegen ihre Person, zeigt Fotos eines Hundes mit schwersten Brandverletzungen, dem einzigen Überlebenden eines ausgebrannten Bauernhofes und freut sich jedes Mal, über eine gelungene Adoption eines ihrer Schützlinge. ,,Nach wie vor sind Aufklärung der Einheimischen über artgerechte Tierhaltung und die Sterilisation von Hunden und Katzen Schwerpunkt unserer Arbeit. Deshalb benötigen wir ja auch so notwendig hier im Tierheim eine komplett ausgestattete Praxis, in der ein fest angestellter Veterinär seine Arbeit durchführen kann. Es macht doch überhaupt keinen Sinn jedes Tier einzeln nach Loulé, Faro oder sonst wohin zu chauffieren. Überlegen Sie doch mal die Zeit, die dabei drauf geht. Ganz zu schweigen von den Benzinkosten. Was wir ebenfalls ganz, ganz dringend benötigen, ist ein neues Rettungs- und Transportfahrzeug. Unser alter roter Kübelwagen ist nicht mehr einsatzfähig, und ich kann nicht ständig mein eigenes Auto für Tiertransporte benutzen”, sprach Dona Lilo und stoppte ihren japanischen Geländewagen, um einen kleinen verfilzten Hundemischling aufzulesen, der dort zitternd und apathisch am Straßenrand kauerte. ,,Es hört nicht auf und wird niemals aufhören. Durchschnittlich haben wir sieben Neuzugänge wie diesen pro Tag. Hoch gerechnet haben wir seit der Vereinsgründung mehr als 35.000 Tieren Obdach und Pflege gegeben. Egal wie viele es noch werden, wir werden nicht aufgeben und weitermachen so lange es geht.” Doch um den Fortbestand des Tierheims zu gewähren, bedarf es weiterer Geld- und Sachspenden wie Tierfutter, Medikamente, Verbandszeug, Decken, Futternäpfe, Hundehütten, Kratzbäume, Spielzeug, Bau- und Büromaterialien, Desinfektions- und Reinigungsmittel, Sonnensegel, gebrauchte Kleidung und Trödel, der auf Flohmärkten verkauft werden kann, um ausstehende Tierarzt- und Futtermittelkosten zu begleichen. Deshalb unsere Bitte an alle ESA-Leser: Helfen Sie den Tieren, spenden Sie für das Tierheim in Loulé. Vielen Dank.

Associação dos Amigos dos Animais Abandonados
Canil de São Francisco de Assis
Campina de Baixo
8100-2851 Loulé
Tel. +351 919 765 600
projectosul@clix.pt
Bankverbindungen:
Banco Espirito Santo Loulé, IBAN: PT50 0007 0247 0007 7000 0046 3
BIC: BESCPTPL
In Deutschland: Commerzbank AG Solingen
Konto-Nr. 387 923 600 BLZ 342 400 50
IBAN: DE55342400500387923600
Wer eine in BRD absetzbare Quittung benötigt, überweist bitte an die ,,Tierhilfe ohne Grenzen e.V., Schulstr. 3, 55595 Weinsheim.
Bankverbindung: Sparkasse Rhein-Nahe, BLZ 560 501 80, Konto-Nr. 10 14 70 49, Stichwort: ,,Algarve, Tierheim S. Franciskus”

BERND KEINER
ESA 02/11

Share.

Comments are closed.